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Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Widerstand in Afrika

Schwarze Hilfsobjekte, Weiße Retter

Schwarze als Hilfsobjekte, Weiße als strahlende Retter in der Not: Gegen dieses Abziehbild formiert sich in Afrika immer mehr Widerstand. Doch finanziell ändert sich noch kaum etwas.

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Instagram Screenshot

Eine Hilfsaktion für die britische BBC wurde der Fernsehmoderatorin Stacey Dooley zum medialen Verhängnis: Bei einem Besuch in Uganda posierte sie mit Baby auf dem Arm und postete das Bild auf Instagram. Damit trat sie einen Shitstorm los. „Man geht zu den ärmsten, den wirklich allerärmsten Menschen bei uns und tut so, als wäre das Afrika“, protestierte die Uganderin Olivia Alaso. Wer helfen wolle, solle doch zunächst einmal die Ugander fragen, welche Hilfe sie sich wünschten. „Dann wird sie auch sehr geschätzt werden.“

Schwarze als Hilfsobjekte, Weiße als strahlende Retter in der Not: Gegen dieses Abziehbild formiert sich in Afrika immer mehr Widerstand. Und Alaso führt ihn im Netz mit dem Hashtag #NoWhiteSaviors – keine weißen Retter – an. Dabei haben weder sie noch ihre (weiße) Mitstreiterin Kelsey Nielsen etwas gegen die Ausländer, wie sie betonen, sondern gegen den Mythos des weißen Retters. Die aus den USA stammende Nielsen war selbst eine von denen, die glaubte, Afrika retten zu können. Mit 23 leitete sie ihre eigene Hilfsorganisation und stellte Alaso ein. Verrückt, sagt sie heute.

„Da gibt es diese Gruppe vor allem junger, weißer Frauen, die voll motiviert sind und es wirklich gut meinen“, erklärte sie im Podcast „Tiny Spark“ ein Extrem der vermeintlichen Hilfe. „Aber sie haben auch eine irre Überzeugung von dem, wozu sie angeblich berechtigt und fähig sind: Probleme auf der anderen Seite der Welt zu bewältigen, deren Lösung man uns zu Hause niemals anvertrauen würde.“ Heute wisse sie: Der Grund, warum sie der Boss und Alaso die Angestellte war, war ihre Hautfarbe und das damit verbundene Privileg.

Schlechte Entwicklungshilfe

Das Ausmaß schlechter Entwicklungshilfe könne nicht unterschätzt werden, glaubt auch Tobias Denskus, der an der Universität Malmö Entwicklungs-Kommunikation unterrichtet. Dass sich nach Jahrzehnten erfolgloser Hilfsrezepte aus dem Ausland Frust aufbaue, versteht er.

Aus dem Frust Konsequenzen gezogen hat Oxfam. Vor drei Jahren kündigte die Organisation an, mit ihrem internationalen Sekretariat nach Nairobi in Kenia zu ziehen. Dabei gehe es um eine interne Machtverlagerung, betont Marion Lieser, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von Oxfam. „Die drückt sich darin aus, dass es immer mehr Oxfam-Organisationen im Süden gibt.“ Die Idee: Starke Organisationen in den Empfängerländern bestimmen mit, wofür Spenden ausgegeben werden.

Ausländer verdienen neun Mal

Heba Aly sieht darin einen Trend. Die Direktorin des Informationsdienstes „The New Humanitarian“ beobachtet einen unaufhaltbaren Wandel in der einst von weißen Männern dominierten Entwicklungszusammenarbeit. „Solidarität und Hilfe werden immer demokratischer: Am wichtigsten sind diejenigen, die selber Opfer einer Krise sind, sie sind die ersten Helfer.“ Nicht Leute in weißen Landrovern, sondern lokale Organisationen hätten die richtigen Antworten. „Das ist nicht neu, aber wird jetzt endlich anerkannt.“

Das Lob für lokale Helfer schlägt sich bis heute nicht monetär nieder. Ausländer verdienen mit einem Job in der Entwicklungshilfe bis zu neun Mal mehr als Kollegen aus der Region – bei gleicher Qualifikation. Extras wie Schulgeld oder Wohnungszulage sind da nicht einmal mitgerechnet. Das hat eine Studie im Auftrag des britischen Wirtschafts- und Sozialforschungsrats vor drei Jahren ergeben. Und die Studie sagt auch: Einheimische Helfer empfinden diese Ungerechtigkeit als eines der größten Probleme am Arbeitsplatz.

UN: 135 Millionen Menschen brauchen Hilfe

Dabei werden die lokalen Helfer gebraucht. Immer neue Krisen, dazu eine Vielzahl von scheinbar unlösbaren Dauerkonflikten hat die Not explodieren lassen. Nach UN-Angaben waren 2018 mehr als 135 Millionen Menschen weltweit auf Hilfe angewiesen. „Die lokalen Gruppen sind die, die die Risiken auf sich nehmen“, weiß Ramesh Rajasingham von der UN-Nothilfekoordination. „Hunderte von ihnen sind bei dieser Arbeit getötet worden.“ Das ist ein Nachteil der Lokalisierung von Hilfe: Die, die besonders schlecht geschützt sind, machen oft die gefährlichste Arbeit.

„Keine weißen Retter“ bedeutet in der Entwicklungszusammenarbeit vor allem einen umfangreichen Kulturwandel. Olivia Alaso und Kelsey Nielsen von „NoWhiteSaviors“ wollen es deshalb nicht bei der Kritik belassen. Sie haben eine eigene Hilfsorganisation gegründet, die ugandische Initiativen bündeln und stärken soll. Und natürlich wollen sie unbequem bleiben. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. Elfriede Reichert sagt:

    Gut so !
    Am meisten ärgert mich der TV-spot von „Save the Children“. Zwar werden die Kinder oft mit ihren Müttern abgebildet. Und es wird erwähnt, dass die Mütter sich um ihre Kinder sorgen. Aber der Sprecher! Getragene, sonore, vor Mitleid triefende Stimme!
    Und keine Erwähnung, kein Protest gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch die Überflutung afrikanischerLänder durch hochsubventionierte Lebensmittel aus Europa!
    Und alle Probleme lösen die weißen Retter!
    Ich habe im Internet gegraben und bin allerdings auf noch schlimmere Kampagnen gestoßen – gottsei dank – durch den „Rusty Radiator“ zumindest angeklagt siehe https://www.theguardian.com/global-development-professionals-network/2016/dec/08/radiator-award-poverty-porn-vs-empowerment-the-best-and-worst-aid-videos-of-2016
    ich habe mir nur den Film „The wait is over – Compassion International“ angeschaut und gedacht, dass das nicht wahr sein darf.
    Allerdings gibt es einen Moment – die Filmemacher haben ihn wohl übersehen – wo die ganze Inszenierung entlarvt wird: die Mutter stößt ihre Tochter kurz an, damit sie endlich lächelt.
    Aber ich weiß immer noch nicht, was man hier in Europa/Deutschland dagegen tun kann, dass schwarze Kinder und ihre Familien für diese Spendenkampagnen ausgebeutet werden.

  2. Lutz Grubmüller sagt:

    Mit vollem Recht protestieren Afrikaner gegen das postkoloniale Auftreten der Weißen – an der unterlassenen Seenotrettung im Mittelmeer und den von Europa, vor allem Deutschland, finanzierten Internierungslager, in denen wie in Kz´`s gefoltert geschlagen und gedemütigt wird, an dem menschenunwürdigen Deal mit der Türkei, dem Fremdenhass in Europa etc, erkennen Afrikaner die fadenscheinigen Hintergründe staatlicher Afrika-Politik ! Allerdings sind Millionen Europäer auch von Herzen hilfs- und
    spendebereit über Nichtregierungsorganisationen!



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