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Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

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Mit Stift, Papier und Flüchtlingshilfe aus der Obdachlosigkeit

Als 16-Jähriger flog er zu Hause raus und lebte mehr als zehn Jahre immer wieder auf der Straße. Es waren Stift, Papier und sein Engagement in der Flüchtlingshilfe, die dem Hamburger Dominik Bloh aus der Obdachlosigkeit halfen.

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Unter Palmen aus Stahl: Die Geschichte eines Straßenjungen © Ankerherz Verlag

VONDieter Sell

DATUM22. Februar 2019

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Dominik Bloh schlägt mit der flachen Hand laut auf den Tisch. Ein scharfer Knall zieht durch den Raum, die Jugendlichen vor ihm schrecken hoch. So ist es ihm ergangen, wenn er sich bei McDonald’s aufgewärmt hat und dabei eingeschlafen ist. „Dann kommt die Security, haut auf den Tisch und du wirst rausgeschmissen“, sagt der junge Mann, der mehr als zehn Jahre als Wohnungs- und teils auch als Obdachloser in Hamburg gelebt hat. Bei einer Lesung in der evangelischen Jugendkirche Bremen erzählt er am Dienstag, wie es dazu kam, dass er viele Nächte unter „Palmen aus Stahl“ verbrachte.

„Unter Palmen aus Stahl“ heißt auch ein Buch, das Bloh selbst geschrieben hat und das mittlerweile zum Bestseller aufgestiegen ist. Der Titel bezieht sich auf die grün lackierten Stahlpalmen auf einer kreisrunden Rasenfläche in Hamburg, Markenzeichen des Antoniparks oberhalb des Fischmarktes im Stadtteil St. Pauli, auch „Park Fiction“ genannt. Hier hat er lange Zeit unter freiem Himmel übernachtet, nachdem seine geliebte Großmutter gestorben war und ihn seine manisch-depressive Mutter mit 16 Jahren rausgeschmissen hatte.

Schon Kindheit und Jugend waren von Gewalt geprägt. Und auch die Zeit als Wohnungsloser war nicht besser. „Auf der Straße fehlt Vertrauen, du hast keine Freunde, keine Würde“, erzählt Bloh den Jugendlichen. Ständig musste er kämpfen: um Wärme, um einen Schafplatz, um Geld, Lebensmittel, Sauberkeit. „Waschen ist Würde“, sagt er. Zu stinken sei ihm peinlich gewesen. „Aber wo willst du dich waschen, wenn du keine Dusche hast?“ Er habe diese Zeit überlebt. „Aber Überleben hat wenig mit Leben zu tun.“

Oft fallen Jugendliche durch das Hilfs-Raster

Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstitutes gibt es in Deutschland schätzungsweise 37.000 junge Menschen, die nicht älter als 26 Jahre sind und keinen festen Wohnsitz haben – zwei Drittel Jungs, ein Drittel Mädchen. Viele hätten Stress mit den Eltern oder landeten auf der Straße, weil sie vom Jobcenter sanktioniert würden, sagt Bertold Reetz, Leiter der diakonischen Wohnungslosenhilfe in Bremen. Und fügt hinzu: „Ich finde es einen Skandal, dass man Menschen Leistungen für das Existenzminimum einfach so streichen kann.“

Oft fallen Jugendliche durch das Hilfs-Raster, gibt es für sie kein passendes Angebot. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe spricht von „Zuständigkeitskonflikten“, die dazu führen können, dass sich prekäre Wohn- und Lebenssituationen verfestigen.

„Ich hab schon immer geschrieben“

„Meine Ma hat mir nichts zu Essen gegeben, mein Freund hat sich nicht gekümmert – und die Behörden auch nicht“, erinnert sich Bloh. Und dann immer wieder Gewalt. „Es passierte, weil Menschen einen Weg suchen, andere zu erniedrigen und aufgestaute Wut abzubauen. Obdachlose sind eine Zielscheibe.“

Alles was er hatte, passte in zwei Koffer, später in eine Sporttasche, auf die er wie auf seinen Augapfel achtete. Darin immer Papier und Stift. Vor allem Papier und Stift. „Ich hab schon immer geschrieben“, sagt der heute 30-Jährige. Schreiben, das sei für ihn auf der Straße so etwas wie Selbsttherapie gewesen.

„Durch Gutes tun kommt Gutes zurück.“

Trotz Straße ging Bloh weiter zur Schule. Er führte ein Doppelleben und machte später sogar Abitur. Er log und betrog, wurde zum Straftäter, weil er ohne Ticket in der warmen S-Bahn mitfuhr, um draußen nicht zu erfrieren. Zwei Dinge hätten dann sein Leben geändert, antwortet er auf die Frage einer Jugendlichen: „Ehrlich sein und Gutes tun.“ Bloh engagierte sich in der Flüchtlingshilfe – sein Rettungsanker, denn: „Durch Gutes tun kommt Gutes zurück.“

Bertold Reetz plädiert dafür, jungen Leuten wie Dominik Bloh möglichst schnell zu helfen, damit sich die Strukturen der Straße in ihrem Leben nicht verfestigen. Dabei gehe es auch darum, tragfähige Beziehungen zu begründen. Der junge Hamburger hat es mittlerweile geschafft, hat eine kleine Wohnung und ein Einkommen – und Freunde gefunden. Wie sein Verleger Stefan Kruecken, der über Bloh sagt, er setze seine Energie für andere Menschen ein. Wer könne das von sich behaupten? Und: „Seine Beobachtungsgabe, seine Empathie und sein Sprachgefühl machen ihn zu einem besonderen Talent.“ (epd/mig)

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