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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Flüchtlingspolitik

Debatte um Fortsetzung des Flüchtlingshilfe-Sonderprogramms

„Jeder, der sich in Deutschland freiwillig engagieren will, soll dazu die Möglichkeit bekommen“, sagt die Bundesfamilienministerin. Die Diakonie begrüßt die Debatte, auch für Geflüchtete seien Freiwilligendienste gut zur Integration.

Franziska Giffey, SPD, Politikerin, Berlin, Neukölln,
Dr. Franziska Giffey (SPD) © franziska-giffey.de (CC BY 4.0)

In der Diskussion um ein soziales Dienstjahr hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) einen Ausbau der bestehenden Freiwilligendienste angekündigt. „Jeder, der sich in Deutschland freiwillig engagieren will, soll dazu die Möglichkeit bekommen“, erklärte die Ministerin am Montag in Berlin. Die Diakonie Deutschland begrüßte die Ankündigung, vor allem für Geflüchtete. Sie könnten durch den Freiwilligendienst gesellschaftlich teilhaben und sich beruflich neu orientieren, sagte Diakoniepräsident Ulrich Lilie. Die Grünen kritisierten, dass das Sonderprogramm für Flüchtlingshilfe im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes zum Ende des Jahres ausläuft.

Giffey kündigte für Herbst ein Konzept für den Ausbau der Freiwilligendienste an. Konkrete Details nannte das Ministerium nicht. In seine Verantwortung fällt der Bundesfreiwilligendienst, der 2011 eingeführt wurde, als mit dem Wegfall der Wehrpflicht auch der Zivildienst abgeschafft wurde. Verbände hatten wegen des großen Interesses am „Bufdi“ wiederholt eine Aufstockung der Plätze gefordert.

Auch für das Sonderprogramm zur Flüchtlingshilfe im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ist das Familienministerium zuständig. Nach dessen Angaben wurde das Kontingent von 10.000 Freiwilligenstellen pro Jahr nie ausgeschöpft. Das Programm, das Einheimischen und Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive offensteht, ende daher wie vorgesehen am 31. Dezember, hieß es im Juni aus dem Ministerium.

Diakonie: Sonderprogramm fortsetzen

Die Diakonie sprach sich wie die Grünen dafür aus, das Sonderprogramm fortzusetzen. Es sei ein „erfolgreiches Integrationsmodell“, die Diakonie habe in ihren Einrichtungen damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Nicht nur die Geflüchteten hätten ihre Deutschkenntnisse und Berufsqualifikationen verbessert. Auch die betreuten Menschen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie in Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen hätten davon profitiert.

In den Einrichtungen der Diakonie absolvieren jährlich rund 13.500 Menschen einen Freiwilligendienst, der Anteil der Menschen mit Fluchterfahrungen im Sonderprogramm liegt nach eigenen Angaben bundesweit bei 33 Prozent, bei evangelischen Trägern sogar bei 50 Prozent.

Die Grünen-Abgeordnete Anna Christmann forderte, das Sonderprogramm mit den finanziellen Ressourcen und der höheren Flexibilität in die Regeldienste zu überführen. Derzeit mangele es an finanzieller und organisatorischer Unterstützung, einem begleitenden Bildungsprogramm und einer Anerkennung etwa für einen leichteren Zugang zu Ausbildung und Studium.

Einen Bundesfreiwilligendienst kann grundsätzlich jeder machen. Daneben gibt es das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr, das nur Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 27 Jahren offen steht.

Flüchtlingsrat kritisch

In den vergangenen Wochen wurde in der Politik auch über ein verpflichtendes Dienstjahr für junge Männer und Frauen diskutiert. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte eine sogenannte allgemeine Dienstpflicht vorgeschlagen und war damit auf ein geteiltes Echo gestoßen. Auch für Flüchtlinge könnte ihren Vorstellungen zufolge eine Dienstjahr eingeführt werden.

Die Diakonie bewertete eine Dienstpflicht kritisch. Auch Flüchtlingsorganisationen wie der niedersächsische Flüchtlingsrat betrachten eine Verpflichtung mit Skepsis. „Es wäre unsinnig, Geflüchtete in sozialen Einrichtungen dienstzuverpflichten, bevor sie überhaupt die Sprache erlernt haben“, sagte Geschäftsführer Kai Weber dem „Evangelischen Pressedienst“. Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung geflohen seien, bräuchten teils erst einmal Zeit, um Traumata zu überwinden. (epd/mig)

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