MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Amnesty

Europa für steigende Todeszahl im Mittelmeer verantwortlich

Für die steigende Todeszahl von Flüchtlingen im Mittelmeer macht Amnesty International die europäische Abschottungspolitik verantwortlich. Europa sei es wichtiger, die Menschen draußen zu halten als sie zu retten. Immer mehr Menschen würden in Haftzentren gehalten.

flüchtlinge, lampedusa, migranten, asyl, boot
Flüchtlinge auf Lampedusa © noborder network auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Amnesty International macht europäische Regierungen direkt verantwortlich für steigende Todeszahlen von Flüchtlingen im zentralen Mittelmeer. Die Zahl der Menschen, die dort ertränken oder in gefährliche Lager nach Libyen zurückgebracht würden, habe aufgrund des europäischen Abschottungskurses zugenommen, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch in London. Allein im Juni und Juli seien mehr als 721 Menschen auf dieser Fluchtroute ums Leben gekommen.

„Obwohl die Zahl der Menschen, die versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, in den vergangenen Monaten gesunken ist, ist die Todeszahl gestiegen“, beklagte Amnesty-Asylexperte Matteo de Bellis. „Die Verantwortung für die zunehmenden Todeszahlen fällt direkt auf die europäischen Regierungen zurück, denen es wichtiger ist, Menschen draußen zu halten, als Leben zu retten.“ Die jüngste Politik habe dazu geführt, dass Rettung keine Priorität habe. Sie behindere den Einsatz privater Seenotretter und unterstütze die libysche Küstenwache, Flüchtlinge auf See abzufangen.

Die Zahl der Menschen, die willkürlich in überfüllten libyschen Haftzentren gefangen gehalten werden, habe sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt, erklärte Amnesty in seinem Bericht zur europäischen Flüchtlingspolitik. Während sie im März bei 4.400 gelegen habe, sei sie bis Ende Juli auf über 10.000 geschnellt. Darunter seien auch rund 2.000 Frauen und Kinder. Europäische Regierungen machten gemeinsame Sache mit den libyschen Behörden, Flüchtlinge und Migranten in Libyen festzuhalten, trotz Folter und Misshandlungen in dortigen Lagern, kritisierten die Menschenrechtler.

Europa dürfe nicht länger an der tödlichen Abschottung festhalten, forderte Amnesty. Vielmehr müsse ein funktionierendes System sicherer Flucht- und Migrationswege geschaffen werden. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. Lutz Grubmüller sagt:

    Die EU gehört beim Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt wegen Unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge in zigtausenden von Menschenschicksalen! – Wann wir die Zivilgesellschaft endlich aktiv??



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...