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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Bundeskriminalamt

133.000 Erwachsene wurden 2016 Opfer häuslicher Gewalt

Mehr als 133.000 Erwachsene wurden im Jahr 2016 Opfer von häuslicher Gewalt, 96.000 davon waren Deutsche. Unter den Ausländern führen Türken und Polen die Statistik an.

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Gewalt gegen Frauen © NTLam auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

In Deutschland sind im vergangenen Jahr über 133.000 Erwachsene Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Knapp 82 Prozent der Opfer waren Frauen, wie aus der am Freitag in Berlin veröffentlichten Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes hervorgeht. Die Zahl der Opfer von Gewalt in Partnerschaften steigt den Angaben zufolge seit fünf Jahren an. Gegenüber 2015 wurde ein Anstieg um etwas vier Prozent verzeichnet.

Das Bundeskriminalamt berücksichtigt in der Statistik begangene und versuchte Delikte, darunter Mord, Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking von Partnern oder Ex-Partnern.

Den Angaben zufolge lebten 2016 mehr als 51 Prozent der Frauen mit dem Tatverdächtigen in einem gemeinsamen Haushalt. Bei knapp 70.000 Frauen ging es um vorsätzliche leichte Körperverletzung. Über 16.700 Frauen wurden von ihrem Partner bedroht, rund 11.900 gefährlich verletzt. Über 7.600 Frauen wurden von ihrem Partner oder Ex-Partner gestalkt. 357 Frauen wurden Opfer von Mord, Totschlag oder entsprechenden Tatversuchen.

Anteil deutscher Opfer 71,8%

Hinsichtlich der Nationalitäten wurden unter den Straftaten(-gruppen) Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking weit überwiegend Deutsche als Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt registriert. Ihr Anteil an allen diesbezüglich erfassten Opfern lag im Jahr 2016 mit 95.558 Personen bei 71,8%, was gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang (2015: 74,7%) entspricht.

Überproportional häufig wurden Deutsche beim Status „ehemalige Partnerschaften“ (38.889 Personen; 79,7%) als Opfer erfasst, gefolgt vom Status „Partner nichtehelicher Lebensgemeinschaften“ (29.661 Personen; 76,8%). Deutlich geringer fiel ihr prozentualer Anteil beim Status „Ehepartner“ (26.503 Personen; 58,9%) aus.

Türken und Polen führen Ausländer-Statistik an

Bei den nichtdeutschen Opfern dominierten in Bezug auf alle Delikte der Partnerschaftsgewalt – wie schon im Vorjahr – türkische Staatsangehörige mit 5.557 Personen (4,2% an allen Opfern) vor polnischen Staatsangehörigen mit 4.339 Personen (3,3% an allen Opfern). Differenziert nach Opferstatus war der prozentuale Anteil türkischer Staatsangehöriger am höchsten bei „Ehepartner“ (3.084 Personen; 6,9% an allen Opfern), jener polnischer Staatsangehöriger hingegen bei „Partner nichtehelicher Lebensgemeinschaften“ (1.593 Personen; 4,1% an allen Opfern).

„Die Zahlen sind erschreckend – insbesondere mit Blick auf die vermutete Dunkelziffer“, sagte Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD). Sie forderte, dem Schutz vor Gewalt „höchste Priorität“ einzuräumen und Hilfestrukturen wie Frauenhäuser und Beratungsangebote weiter zu stärken. Ihrer Meinung nach sind die ansteigenden Opferzahlen „aber auch ein Zeichen dafür, dass mehr Opfer Hilfe bei der Polizei suchen und erlittene Gewalttaten zur Anzeige bringen“. (epd/mig)

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