MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Wissenschaftler

Andere EU-Länder stärker belastet als Deutschland

Eine realistische Sicht auf die aktuellen Flüchtlingszahlen fordert Migrationsforscher Oltmer. Dass jetzt so viele nach Deutschland kommen, sei nur ein Ausgleich für das ungerechte Dbulin-System, dass von Deutschland durchgesetzt worden sei.

europa, europäische union, eu, müllcontainer, müll
Ein Müllcontainer in Belgrad © Belit Onay

Der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer rät zu einer realistischen Sicht auf die steigenden Flüchtlingszahlen in Deutschland. Deutschland stehe im europäischen Vergleich im Verhältnis zur Einwohnerzahl durchaus nicht an der Spitze der Aufnahmeländer, sagte Oltmer am Montag dem Evangelischen Pressedienst. Zu den stärker belasteten Ländern gehörten noch immer die Staaten an den EU-Außengrenzen, Schweden und auch das zuletzt viel gescholtene Ungarn, sagte der Experte und forderte ein einheitliches europäisches Asylsystem.

Die Tatsache, dass nach Deutschland nun wöchentlich Tausende Schutzsuchende kämen, sei nur der Ausgleich für das ungerechte Dublin-System, sagte der Professor für Neueste Geschichte, der zum Vorstand des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück gehört. Die Regelung, wonach das Land für ein Asylverfahren zuständig ist, in dem der Flüchtling zuerst ankommt, habe die EU-Binnenländer jahrelang von Asylsuchenden abgeschottet: „Deutschland hat diese Regelung als mächtiger Akteur gegen den Widerstand anderer durchgesetzt und darf sich jetzt nicht wundern, wenn die Außenstaaten immer weniger Interesse verspüren, ihre Aufgaben zu erfüllen.“

Die Lösung könne nur ein gemeinsames europäisches Asylsystem mit einheitlichen Standards zum Umgang mit Flüchtlingen und einheitlichen rechtlichen Vorgaben sein, sagte Oltmer. Eine europäische Flüchtlingsagentur sollte über Asylanträge entscheiden. Innerhalb Europas könnten die Asylsuchenden dann frei entscheiden, wo sie dauerhaft bleiben wollen. „De facto tun sie das jetzt schon. Sie ziehen dorthin, wo schon Verwandte oder Freunde leben. Nur wir versuchen, sie mit ungeheuer teuren Verteilmechanismen daran zu hindern“, erläuterte Oltmer. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...