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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

15 Jahre Kopftuch-Streit

„Die Ursprünge des Konflikts wurden nie untersucht“

Vor 15 Jahren durfte Fereshta Ludin nicht Lehrerin werden, weil sie ein Kopftuch trug. Seit dem wurden zahlreiche Kopftuchverbote erlassen. Im Gespräch mit dem Mediendienst Integration erklärt Prof. Yasemin Karakaşoğlu die Sinnhaftigkeit dieser Verbote.

Inwiefern ist das Kopftuchverbot eine angemessene „Antwort auf den mit zunehmender religiöser Pluralität verbundenen Wandel“, wie es das Bundesverwaltungsgericht gefordert hat?

Karakaşoğlu: Das Bundesverfassungsgericht hatte in der Urteilsbegründung 2003 sehr klar die Intention formuliert, einen gesellschaftlichen Diskussionsprozess anstoßen zu wollen. Leider ist dieser Impuls nicht aufgegriffen, sondern als reine Aufforderung zur gesetzgeberischen Aktivität der Länder gegen das Tragen des Kopftuches im Schuldienst verstanden worden. Eine breite öffentliche Debatte über die Frage, inwiefern Kleidung überhaupt Neutralität von Personen ausdrücken kann, ist diesen Gesetzen in der Regel nicht voraus gegangen, ebenso wenig wie die Frage, ob ein religiös bekennender Lehrer bzw. eine Lehrerin jedweder Religion in der Lage sein kann und muss, Religions- und Weltanschauungen übergreifend Bildung und Erziehung zu vermitteln.

„Es scheint vielmehr darum zu gehen, die staatliche Definitionsmacht über das, was als allgemein akzeptierter Ausdruck von Normalität zu gelten hat, zu stärken.“

Darüber hinaus fehlte es für eine fundierte Meinungsbildung zu dem Thema auch an einer empirischen Herangehensweise. Es gab ja schon vor dem Urteil zu Fereshta Ludin an einzelnen Schulen Erfahrungen mit Kopftuch tragenden Lehrerinnen. Man hätte also untersuchen können, inwiefern es hier zu Konflikten gekommen ist.

In Nordrhein-Westfalen ging das Kopftuchverbot so weit, dass einer Muslimin verboten wurde, eine Mütze im Unterricht zu tragen. Wie ist das erklärbar?

Karakaşoğlu: In diesem Fall wird deutlich, dass es bei einem solchen pauschalen Verbot von Kopfbedeckungen nicht mehr um einen von allen Beteiligten tragbaren Kompromiss geht. Es scheint vielmehr darum zu gehen, die staatliche Definitionsmacht über das, was als allgemein akzeptierter Ausdruck von Normalität zu gelten hat, zu stärken. Darin äußert sich eine Haltung, die nicht mehr offen ist für gemeinsame Gestaltung und Kompromisse und die diejenigen gesellschaftlich ausgrenzt, die den üblichen Vorstellungen von Normalität nicht entsprechen.

Wir sollten nicht vergessen, dass die Zeiten noch nicht so lange vorbei sind, in denen Lehrerinnen von Schulleitungen angehalten wurden, keine Hosen zu tragen, sondern sich an übliche weibliche Bekleidungsformen zu halten. Diese Normalitätsvorstellung haben wir inzwischen glücklicher Weise überwunden.

Erstveröffentlichung: Mediendienst Integration

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16 Kommentare
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  1. toleranzgegenignoranz sagt:

    die einzige lösung besteht darin private schulen zugründen ,getragen durch die hiesigen migrantenverbände .

    „….bei ihnen hat die Ablehnung zu Resignation geführt.“ , es geht nicht um die Qualität der lehre ,es geht nicht um Fakten , sondern Stimmungen , den Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft. Sei es durch Politiker oder sogenannte Lehrer von anno dazu mal .

    Diese Realitätsverweigerung seitens der erziehungspolitischen verantwortlichen wird sich ,wie auch andere Fehler , noch später rächen .

    „….bei ihnen hat die Ablehnung zu Resignation geführt.“

    die einzige lösung besteht darin eigene schulen zuhaben , wo weder Schüler noch Lehrer aufgrund ihrer Herkunft, ihres glaubens , ethnischen Zugehörigkeit , oder sozialen hintergrundes diskriminiert werden .

    und wenn da jemand schreit ,“integrationsverweigerer , parallelgesellschaft “ , dann sage ich klipp und klar , ja lieber parallelgesellschaft und seine ruhe haben , als der Sündenbock für die kollektive Zwangsneurose der deutschen mehrheitsgesellschaft zudienen

    wenn man schon von morgen bis abends das wort parallelgesellschaft hören muss , und wie schrecklich dumm und „minderwertig“ doch insbesondere „muslimische“ kinder und jugendliche sind ,dann kann es ja nicht schlimmer kommen als jetzt ,mit den staatlichen Institutionen die ein niederschwelliges Bildungsangebot für Migranten bieten , in form von hauptschulen .

    und wehe ihr zensiert mich wieder !!!

  2. Cengiz K sagt:

    Gutes Interview, danke!

  3. Lynx sagt:

    Wenn es die Intention des Bundesverfassungsgerichts war, mit seinem Urteil von 2003 einen gesellschaftlichen Diskussionsprozeß anstoßen zu wollen, so waren seine Erwartungen an die Politiker und einen Großteil der Bevölkerung damit offensichtlich zu hoch gesetzt. Führende österreichische Juristen sind zum Schluß gekommen, daß Kopftuchverbote für Lehrerinnen kontraproduktiv für die Integration sind, und daß Lehrer /-innen keine solch unmittelbaren Vertreter des Staates sind wie Polizisten /-innen und Richter /-innen, weswegen sie keine besondere Berufskleidung – Uniform und Robe – tragen. Daher sei es unangebracht, Lehrer /-innen eine bestimmte Kleidung vorzuschreiben oder zu verbieten, und dadurch würde die Neutralität des Staates nicht beeinträchtigt. Zu solch logischen Schlüssen sind die bundesdeutschen Politiker und Richter anscheinend nicht fähig oder willens gewesen, sondern sie haben sich darauf verlegt, als Vertreter einer Mehrheit ihre Macht über eine Minderheit zu demonstrieren, indem sie einfach Verbote aussprechen, anstatt den schwierigeren und mühsameren Weg zu gehen, Toleranz zu üben und nach Kompromissen zu suchen.
    Der Fall der muslimischen Lehrerin in NRW, der vom Gericht das Tragen selbst einer neutralen Baskenmütze verboten wurde, zeigt, daß es diesen Entscheidungsträgen in Wirklichkeit gar nicht um die Neutralität des Staates geht, sondern – wie im Beitrag erwähnt – darum, das staatliche Definitionsmonopol zu demonstrieren und die Angehörigen einer Minderheit zu demütigen. In einem anderen Bundesland unterrichtet ein Lehrer im Outfit eines Punkers; die Schüler und ihre Erziehungsberechtigen sind großenteils davon begeistert und damit einverstanden. Zwar stellt er damit nicht seine Religionszugehörigkeit zur Schau, aber immerhin seine Weltanschauung, und man läßt ihn gewähren. Anstatt zu einem gesellschaftlichen Diskussionsprozeß ist es außer zu diesen Kopftuchverboten für Lehrerinnen im außerstaatlichen Bereich auch zur häufigen Ablehnung von Kopftuch tragenden Bewerberinnen und zu verbalen und tätlichen Angriffen auf Kopftuchträgerinnen gekommen.

  4. posteo sagt:

    Auch wenn man über den integrativen Nutzen von Kopftüchern im Schuldienst unterschiedlicher Meinung sein kann, bleibt dennoch festzustellen, dass der Artikel bereits im ersten Satz einen falschen Sachverhalt darstellt. Die Lehrerausbildung einschließlich Referendariat ist vom Neutralitätsgebot unberührt.

  5. Crit.Rat. sagt:

    Ich finde das wichtigste Problem wird nicht angesprochen. Der Lehrer als Beamter ist rechtlich gesehen Funktionsträger, welcher Personen unabhängig seiner Herkunft, Religion, Weltanschauung etc. bewerten solle und deshalb die in den Schulgesetzen der Länder oder/und Verfassungen . Das es hier im Grunde zu religiös-kulturellem „Unbehagen“ von Eltern kommen könnte, wenn sie etwa nicht Muslime sind (wie die Mehrheit der Gesellschaft nun mal ist). An diesem Punkt appelliere ich z.B. mal die türkischen Vertreter daran zu erinnern, dass in Österreich der Verkauf von Legospielzeug erwirkt wurde und Unbehagen ausgelöst hat unter einigen türkischen Eltern. Wenn aber eine Lehrerin die sich als Funktionsträgerin in einem Berufszweig entwickeln möchte, darauf insistiert unbedingt ein Symbol ihrer Identität/Religion zu tragen, finde ich es nicht abwegig wenn nicht-religiöse Eltern auch hier Unbehagen pflegen. Ich finde hier liegt ganz eindeutig die Sinnhaftigkeit solcher Verbote.

    Lynx, solange der Lehrer in einem Rechtsstaat verfassungsrechtliche Verankerung findet (etwa in der Berliner Verfassung) und an staatlichen/öffentlichen (!) Schulen unterrichtet obliegt ihm als Funktionsträger auch die Pflichten nach des Grundgesetzes der Bundesrepublik zu handeln, welche wiederum als Primärrechtsquellen die Sekundärrechtsquellen prägen.

    „Lehrkräfte und andere Beschäftigte mit pädagogischem Auftrag in den öffentlichen Schulen nach dem Schulgesetz dürfen innerhalb des Dienstes keine sichtbaren religiösen oder weltanschaulichen Symbole, die für die Betrachterin oder den Betrachter eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religions oder Weltanschauungsgemeinschaft demons
    trieren, und keine auffallenden religiös oder weltanschaulich geprägten Kl
    eidungsstücke tragen. Dies gilt nicht für die Erteilung von Religions- und Weltanschauungsunterricht.“ § 2 des Art. 29 Berliner Verfassung

    Ihr Vergleich mit „Punks“ würde in einer rechtlichen Interpretation niemals standhalten. „Punk“, z.B. das äußere Erscheinungsbild, ist eben keine konsistente Weltanschauung, nur weil sie es mit Anarchisten etc. assoziieren z.B.. „Punk“, ist Musik, kann sowohl politisch als unpolitisch sein, (Sub-)Kultur oder einfach nur ein kommerzielles Modegenre od. genereller unpolitischer Lifestyle. Solange der Lehrer als Punk keine bestimmten politischen Aufnäher trägt oder die Schüler mit einschlägigen Parolen penetriert, kann ihm so niemand eine weltanschauliche Orientierung nachsagen. Das ist bei Kopftüchern aber anders, da die Klienten zumeist in den Fällen immer auf ihre Bekenntnis- und Religionsfreiheit abstellen, das Kopftuch durch die alltägliche Erfahrung und dem Rechtsalltag, zweifelsohne eine religiöse Implikation enthält. Es werden ja eindeutig immer wieder muslimische Minderheitenrechte mit Kopftuch, Hijab, Niqab oder Tschador.

    Es ist natürlich klar, für mich zumindestens, dass allein das Tragen bestimmter Symbolik nichts über den Charakter einer Person aussagt und auch eine Muslima eine gute Lehrerin sein kann. Ich kann jedoch auch verstehen warum nicht-Muslime keine kopftuchtragende Lehrerin wollen, genau wie muslimische Eltern nicht wollen das ein Pfarrer ihre Kinder indoktrinieren könnte.

    Gruß

  6. Saadiya sagt:

    @Crit.Rat.
    Sie schrieben: „Es ist natürlich klar, für mich zumindestens, dass allein das Tragen bestimmter Symbolik nichts über den Charakter einer Person aussagt und auch eine Muslima eine gute Lehrerin sein kann. Ich kann jedoch auch verstehen warum nicht-Muslime keine kopftuchtragende Lehrerin wollen, genau wie muslimiscie Eltern nicht wollen das ein Pfarrer ihre Kinder indoktrinieren könnte.“

    Genau da liegt das Problem. Die Gesellschaft unterstellt von vornherein, dass eine muslimische Lehrerin, die ein Kopftuch trägt, AUTOMATISCH und PER SE die Kinder indoktrinieren würde. Warum, wenn es dafür im Allgemeinen keine Beweise gibt und eigentlich immer die Prüfung des Einzelfalles Vorrang haben sollte. Es soll ja vorkommen, dass Mathematiklehrer noch Mathe unterrichten 😉

  7. Cengiz K sagt:

    …Die Gesellschaft unterstellt von vornherein, dass eine muslimische Lehrerin, die ein Kopftuch trägt, AUTOMATISCH und PER SE die Kinder indoktrinieren würde….

    Das sind alles vorgeschobene Gründe, und geheuchelt.. Ich denke, wenn Sie mit anderen (urdeutschen) Eltern sprechen, werden diese ihnen bestätigen, dass diese genau das von der Lehrerschaft erwarten.. Da stört der/die MoslemA nur noch die Befindlichkeiten.. Wobei ich denke, dass es vielen urdeutschen Eltern auch egal ist, wer die Indoktrinierung schluss endlich durch führt… Dass das so nicht sein muss, ist in der BRD ein Ding der Unmöglichkeit.. Die Indoktrinierung bleibt allemal unvermeidlich.. Es ist allenthalben ein deutsches Kulturding, ein dialektischer Trick, „Anderen“ von der Öffentlichkeit unterstellen zu lassen, was man/frau selbst praktiziert.. Darauf baut das politische System der deutschen Staatsräson nun mal auf.. Eine ehrliche Diskussion nur darüber wird es in Schildkrötenhausen, ääh, Deutschland aber nicht geben, ohne einen Bezug auf die „großen“ Taten des Anstreichers oder des Kaisers.. Dieser mentale Bezug ist tief verwurzelt und nicht weg zu kriegen, dafür hat das System derselbigen gesorgt.. Die Masse zu verdummt oder zu faul, um sich die Realität ein zu gestehen, denkt sie, die SPD oder Konsorten werden’s schon richten..
    In Baden-Württemberg ist doch jetzt der grüne Kretschmann MP seit einer Weile, hat sich da bereits etwas bewegt wegen des Berufsverbotes für Hijabis?

  8. Ahmetzade sagt:

    Ich habe mehr als einmal erlebt, wie atheistische Lehrer versucht haben, ihre Schüler weltanschaulich zu beeinflussen. Die einzigen Schüler, die sich getraut haben, sich dagegen zu wehren, waren i.d.R. muslimische Schüler. Gegen solche Lehrer unternimmt man gar nichts, während Lehrerinnen mit Kopftuch mit rabulistischen subtilen Argumenten eine virtuelle Beeinflussung unterstellt wird. Ungeheuerlich!

  9. aloo masala sagt:

    Das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung der Frau oder Zeichen religiöser Indoktrination ist eine westliche Obsession.

    Die Debatte um das Kopftuch ist ein sehr bemerkenswerter Fall, der uns einen ganz interessanten Einblick in die Denkweise westlicher Gesellschaften und ihr reichlich gestörtes Verhältnis zur Demokratie liefert.

    Die Integrationsdebatte war über Jahre von penetranten Aufforderungen geprägt, dass die muslimischen Bürger dieses Landes zum Grundgesetz, zu den westlichen Werten und zur Demokratie zu bekennen haben.

    Zu diesen westlichen Werten gehören auch die Emanzipation der Frau und das Neutralitätsgebot des Staates. Letzteres wird jedoch vom Staat gerne geflissentlich ignoriert, wenn es um christliche Symbole geht.

    Zu den westlichen Werten gehören jedoch auch das Recht auf Selbstbestimmung. Wer Demokratie einfordert, muss aushalten können, dass die Menschen großen Wert auf Individualität und Selbstbestimmung legen. Es ist also in erster Linie Sache der Frauen, selbst zu entscheiden, ob sie das Kopftuch tragen wollen. Fragt man Muslima, weshalb sie ein Kopftuch tragen, dann geht es den meisten um persönliche und selbstbestimmte Entscheidungen innerhalb einer freiheitlich-demokratischen kulturellen Orientierung. Ganz ähnlich argumentierte auch Frau Ludin in einem Interview vom Tagesspiegel, das von der Foristin Saadiya verlinkt wurde. Politik und Gesellschaft fragen Muslima jedoch erst gar nicht nach ihrer Meinung. Stattdessen wird von einer Parallelgesellschaft gesprochen, vom Kopftuch als Symbol der Unterdrückung und von religiöser Indoktrination, auch wenn keine der bedeckten Frauen das mit einem Wort zu verstehen geben.

    Christian Bommarius hat in diesem Zusammenhang vor Jahren einen ganz klugen Kommentar geschrieben. Die Behauptung, das Kopftuchs sei Ausdruck einer bestimmten negativen Botschaft (z.B. Unterdrückung der Frau) verrät uns wenig über den Gegenstand der Betrachtung aber eine Menge über den Betrachter. Wenn eine Muslima wie Frau Ludin deutlich zu verstehen gibt, dass sie ein Kopftuch aus freien Stücken als Ausdruck ihrer persönlichen Selbstbestimmung trägt, dann kann man sie entweder beim Wort nehmen oder man kann auf seine eigene Deutungshoheit beharren. In der laufenden Debatte um das Kopftuch obliegt die Deutungshoheit allein beim Kopftuchgegner. Auf diese Weise widerfährt den betroffenen Muslima genau das, wovor sie das Verbot des Kopftuchs angeblich bewahren will: sie werden zum Schweigen gebracht und entmündigt.

    Diese Form des Diskurs ist kein herrschaftsfreier Dialog sondern ein Diktat. Der Kopftuchgegner beschneidet demokratische Werte wie das Selbstbestimmungsrecht und die freie Religionsausübung von muslimischen Frauen zum Schutz der Demokratie, aufgrund seiner Obsessionen aber nicht auf Grundlage von Fakten und ohne sich die Stimmen der Betroffenen anzuhören. In diesem Sinne unterscheidet sich der Kopftuchgegner kaum von den Befürwortern des theokratischen Regimes im Iran. Beide sind aufgrund ihrer konträren Obsessionen unfähig den Frauen demokratische Grundfreiheiten wie die persönliche Selbstbestimmung einzuräumen.

    In diesem Zusammenhang sein an die iranische Friedens-Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi erinnert. Die Anwältin und Menschenrechtlerin trägt ihr Kopftuch in ihrer Heimat Iran, legt es bei Auslandsbesuchen aber ab. Shrin Ebadi hat öfters erklärt, dass sie gegen das Kopftuchgebot im Iran sei, aber umgekehrt auch Kopftuch-Verbote ablehne. Die Entscheidung darüber müsse bei den Frauen selbst liegen. Also nicht bei ihren Familien, nicht ihren Männern – und erst recht nicht bei ihren Regierungen.


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