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Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Nordrhein-Westfalen

Jedes siebte Pflegepersonal in Krankenhäusern hat ausländische Wurzeln

Rund 14,5 Prozent des Pflegepersonals in den Nordrhein-Westfälischen Krankenhäusern haben einen Migrationshintergrund; die Quote der Patienten beträgt 17,4 Prozent. Noch! Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass noch viel zu tun ist.

Der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte an der Gesamtbevölkerung nimmt sukzessive zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten im Jahr 2011 in der Bundesrepublik rund 16 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund – das sind 19,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bei diesen Menschen entstehen in allen gesellschaftlichen Bereichen Herausforderungen. Das gilt in besonderem Maße für das Gesundheitssystem.

So stellen sich gleich mehrere Fragen: Inwieweit hat dies Auswirkungen auf die stationäre Versorgung? Wie stellen sich Krankenhäuser auf die besonderen kulturellen und religiösen Bedürfnisse der Patienten ein? Eine Studie des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI) ist diesen Fragen nachgegangen für das Land Nordrhein-Westfalen (NRW). Damit wurden erstmalig für ein Bundesland auf statistisch bereiteter Basis grundlegende Informationen zur Kultursensibilität der Krankenhäuser erfasst und analysiert.

Besser als die öffentliche Verwaltung
Danach haben 17,4 Prozent aller Patienten in den Krankenhäusern NRWs einen Migrationshintergrund. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (rund 30 Prozent), scheint das zu niedrig. Doch ist laut Erhebung zu bedenken, dass „Personen mit Migrationsgeschichte im Durchschnitt jünger sind als die übrige Bevölkerung und insofern auch eine geringere Krankenhausinanspruchnahme aufweisen“.

Beim Krankenhauspersonal im Bereich der Pflege zeigt sich ein ähnliches Bild. Lediglich 14,5 Prozent des Krankenhauspersonals haben einen Migrationshintergrund. Die meisten kommen ursprünglich aus der Türkei, Russland bzw. der Russischen Föderation sowie Polen. „Ihre Sprach- und Kulturkompetenz wird im Krankenhausalltag oft gezielt genutzt“, heißt es in der Studie. Und trotz der Nichtabbildung des Bevölkerungsdurchschnitts zeigt sich, dass man in Krankenhäusern viel weiter ist, als beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung, wo etwa 10 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund aufweisen.

Kultursensibilität wichtiges Thema
Zudem zeigt die Studie, dass Kultursensibilität für die Mehrzahl der Krankenhäuser bereits ein wichtiges Thema ist und zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. So sind viele Krankenhäuser aktiv bemüht, das Informationsniveau ihrer Mitarbeiter zu den spezifischen Anforderungen und Bedürfnissen der Patienten mit Migrationsgeschichte zu erhöhen und sie einschlägig zu qualifizieren.

Download: Die Studie des Deutschen Krankenhaus Instituts „Kultursensibilität der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen“ kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

In nahezu allen Krankenhäusern ist fremdsprachiges Informationsmaterial vorhanden. Die meisten Krankenhäuser halten Gebets- und Aufbewahrungsräume für Verstorbene mit unterschiedlicher religiöser Ausstattung bereit. Etwa jedes zweite Krankenhaus verfügt über ein Belegungsmanagement, das kulturelle, sprachliche oder religiöse Aspekte bei der Zimmerbelegung berücksichtigt.

Demografischer Wandel
„Kultursensibilität ist Teil der Versorgungsqualität – nicht nur in den Krankenhäusern. Daher ist das Thema für uns von großer Bedeutung“, erklärt Reinhard Brücker, Vorstandsvorsitzender der BKK vor Ort, das Engagement der Kasse. Hinzu komme der hohe Anteil von Versicherten mit Migrationsgeschichte. „Der demografische Wandel macht vor den kulturellen Wurzeln nicht halt. Wir müssen uns also auf eine zunehmende Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch Menschen mit Migrationsgeschichte einstellen. Daher werden wir dem Thema weiter unsere Aufmerksamkeit widmen und damit weitergehende Impulse für eine hohe Versorgungsqualität als Krankenkasse geben“, gibt Brücker einen Ausblick auf die Zukunft. (fs)

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