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Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

SVR-Medienstudie

Freud und Leid liegen nah beieinander

Die Zahlen sind ebenso beunruhigend wie erfreulich. Die Rede ist von den Ergebnissen der Studie „Muslime in der Mehrheitsgesellschaft: Medienbild und Alltagserfahrungen in Deutschland“ des SVR-Forschungsbereichs.

VONDaniel Lehmann

Der Verfasser hat Politik-, Sozial- und Medienwissenschaften in Deutschland und ein Jahr im Ausland (Madrid) studiert. Derzeit absolviert er ein redaktionelles Praktikum beim Stauffenbiel-Institut in Köln.

DATUM28. März 2013

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Beunruhigend ist, dass ein Großteil der Befragten die mediale Berichterstattung über Muslime als besonders einseitig und negativ wahrnimmt. Das hat aus zwei Gründen fatale Folgen:

Erstens:
Unabhängig vom empirisch messbaren Gehalt und der Tatsache, dass Wahrnehmungen subjektiv sind, beleuchtet das Ergebnis ein grundsätzliches Fehlverhalten vieler Medien. Wie die Studie richtig aufzeigt, müssen sich die Medien um mehr Objektivität bemühen. Auch der Berichterstattung, die ausschließlich informieren soll, geht eine Selektion der Themen vorweg.

Menschen sind eben genauso komplex wie die Welt, in der wir leben. Niemand ist nur Moslem, nur Türke, nur Deutscher oder nur Steuerfachangestellter. Eine Reduktion auf nur eine Identität schürt nicht nur Vorurteile, sondern wird keinem Individuum gerecht. Menschen denken, fühlen, handeln, engagieren sich und partizipieren als Teil der Gesellschaft. Und das alles auf eine vielfältige Art und Weise, welche die Medien in der Berichterstattung stärker berücksichtigen müssen.

Zweitens:
Unabhängig vom Output der Medien und dessen Einfluss auf das gesellschaftliche Meinungsklima haben Presse, Rundfunk und Fernsehen eine demokratische Funktion. Schwindet das Vertrauen in die Medien, kann dies verheerende Folgen haben – auch und insbesondere im Zeitalter der Diskussionen um Zeitungssterben und Co. In jedem Fall haben die Medien eine Verantwortung, derer sie sich nicht entziehen dürfen.

Medien sind nicht alles
Erfreulich ist, dass es eine empirisch messbare Kluft zwischen der Wahrnehmung der medialen Darstellung und der Wahrnehmung im Alltag gibt. Menschen verlassen sich besonders auf ihre Erfahrungen im Alltag. Ob im Beruf, in der Nachbarschaft oder im engeren sozialen Umfeld – die Wahrnehmung des Zusammenlebens von Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft fällt positiver aus als die Wahrnehmung der medialen Berichterstattung. So zeigt die Studie auch, dass die Medien eben nicht alles sind.

Die Menschen begegnen sich positiv, verstehen sich und tauschen sich aus. Das alles zeigt ein harmonisches Miteinander und macht Hoffnung auf ein ebensolches Zusammenleben. Natürlich gibt es mediale Beiträge, die Muslime auch in ein positives Licht rücken. Und natürlich gibt es Menschen, die Vorurteile haben und sich durch medial aufbereitete Stereotype nur in ihrer bereits bestehenden Meinung bestärkt fühlen. Es kommt aber auf das Verhältnis an. Freud und Leid liegen hier nah beieinander. Man kann nur hoffen, dass die Menschen sich weiterhin auf ihre positiven Erfahrungen verlassen – und die Medien gleichzeitig ihre Rolle und ihr Handeln überdenken.

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