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Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Islam-Schmäh-Video

Die Unschuld des Brandstifters?

Und immer wiederholen sich die Ereignisse. Zuerst agitiert jemand unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit gegen den Islam. Dies treibt extremistische Kräfte in der islamischen Welt zu Gewaltakten an – ein Kommentar von Tahir Chaudhry.

VONTahir Chaudhry

 Die Unschuld des Brandstifters?
Der Autor (22) ist freier Journalist, Dokumentarfilmer und betreibt einen Blog. Er ist außerdem Produktionsleiter der Talk-Sendereihe "Islam im Brennpunkt". Er studiert Islamwissenschaften und Geschichte in Kiel.

DATUM28. September 2012

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RESSORTAktuell, Meinung

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Zurzeit erleben wir eine weitere Episode der Provokation von Muslimen. Sie begann mit einigen Ausschnitten des Schmäh-Films „Die Unschuld der Muslime“ und es folgten gewaltsame Proteste und Übergriffe auf Auslandsvertretungen in der islamischen Welt. Ähnliche Empörung riefen unter anderem die Mohammed-Karikaturen von Kurt Westergard, Der Film „Fitna“ von Gert Wilders oder der „Burn a Koran Day“ von Pastor Terry Jones hervor. Jeder von ihnen hat Bewunderer in der westlichen Welt gefunden, die die Provokateure als Freiheitskämpfer und Verfechter der Demokratie stilisieren. Der erstere von ihnen wurde sogar von der Bundeskanzlerin für sein „unbeugsames Eintreten“ für die Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet.

Und immer wiederholen sich die Ereignisse. Zuerst agitiert jemand unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit gegen den Islam. Dies treibt extremistische Kräfte in der islamischen Welt zu Gewaltakten an. Flaggen werden angezündet, Autos brennen, Botschaften werden zerstört, Morddrohungen werden ausgesprochen und unschuldige Menschen sterben. Und während die Landsleute des Agitators weltweit in Gefahr leben, sitzt dieser an einem sicheren Ort und beobachtet das Spektakel völlig „überrascht“. Als wäre der Unruhestifter darüber verwundert, dass er sich für immer in den Geschichtsbüchern verewigen würde.

Trotzdem gibt es einen markanten Unterschied zu der vergangenen Islam-Kritik. Europa befindet sich in einer gigantischen wirtschaftlichen Krise. Die arabische Welt hatte vor kurzem seinen Arabischen „Frühling“, der durch den Westen energisch gestützt wurde. Nun greifen aber Islamisten nach der Macht und drängen die Zukunft in eine totale Ungewissheit. Gerade jetzt – wo alles außer Kontrolle zu geraten scheint – haben es westliche Staaten verstanden, wie wichtig es, ist deeskalierend zu wirken. Denn in instabilen Zeiten suchen Menschen nach festen Werten. In der arabischen Welt gibt es extreme Randgruppen, die sich gerade solche Schmähungen zunutze machen, um durch die Schaffung eines westlichen Feindbildes vermehrt Anhänger zu gewinnen. Genauso gilt es auch für den Westen. Denn auch hier gibt es viele Stimmen, die sich gegenseitig darin bestärken, die Meinungsfreiheit als höchstes und grenzenloses Gut anzuerkennen. All dies damit wir in der Gegenüberstellung zu konträren Wertvorstellungen unseren scheinbaren zivilisatorischen Fortschritt beweisen können. Aber ist derjenige zivilisatorisch am fortgeschrittensten, der die Verletzung von menschlichen Gefühlen oder die Beleidigung einer Religion duldet oder gar fördert und dadurch das soziale Klima gefährdet? Ist das ein korrekter Maßstab?

Und es ist ja geradezu en vogue zu sagen: „Also mir ist nichts heilig. Sollen die Muslime sich mal nicht so anstellen. Die müssen mal endlich verstehen, dass wir hier immer noch die Meinungsfreiheit haben.“ Bei all der Erregung vergisst man jedoch völlig, zu differenzieren. Niemand fragt sich wirklich, wie viele es sind, die sich wirklich an gewaltsamen Ausschreitungen beteiligen. Diese Minderheit ist nicht einmal in Prozent ausdrückbar. Es gibt über 1.3 Milliarden Muslime in der Welt. Sie reagieren meist auf ihre Weise, indem sie mit Freunden und Bekannten sprechen, sie aufklären, vielleicht auch klagen oder friedlich demonstrieren. Niemand von ihnen kommt auf die Idee, Angst und Schrecken zu verbreiten.

Anstatt diesen stumpfsinnigen Film zu ignorieren, hat man ihm Beachtung geschenkt. Dabei spielt es keine Rolle, wie billig dieser Film produziert sein mag. Als würde die Qualität eines Films etwas über die Dimension einer Schmähung aussagen. Eher nicht.

Der in den Medien allgegenwärtige Mob, der durch die Straßen zieht und anscheinend gezielt auch die deutsche Botschaft angegriffen haben soll, handelt nicht aus Liebe zum Propheten und aus religiöser Verpflichtung heraus. Ihr weltlicher Frust sucht ein entsprechendes Ventil und wird fündig. Gerade Muslime, die den Anspruch erheben, den Propheten Muhammad zu lieben und zu ehren, werden in diesem Fall selbst zur Ursache von sinnloser Gewalt und der Ermordung unschuldiger Menschen. Es widerspricht in jeder Hinsicht der Lehren des Islam. Denn der Islam sieht für Verunglimpfungen und blasphemische Äußerungen keinerlei weltliche Strafe vor. Der einzige islam-konforme Weg gegen Blasphemie und Verunglimpfung vorzugehen, ist durch Aufklärung und Argumentation. Außerdem werden die Muslime im Koran diesbezüglich angesprochen: „Sicherlich […] werdet ihr viel Verletzendes zu hören bekommen von denen, die vor euch die Schrift empfingen, und von den Götzendienern. Doch wenn ihr Standhaftigkeit zeigt und redlich handelt, fürwahr, das ist eine Sache fester Entschlossenheit.“ (Der Koran, 3:187)

Das Recht auf freie Meinungsäußerung als integraler Bestandteil der islamischen Lehre wirkte nicht nur anziehend auf Nicht-Muslime, sondern selbst für den Spötter. Denn auch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad wurde er unzählige Male vor seinen Anhängern verspottet. Doch warnte der Prophet immer wieder seine Gemeinschaft davor, den Spöttern etwas anzutun. Was bringt es auch, jemanden mit Einschüchterung und Gewalt zum Schweigen zu bringen? Ändert sich dadurch eine Meinung? Respekt, Ehre, Liebe, Wertschätzung kommen nur vom Herzen und können nicht erzwungen werden. Stattdessen wird den Muslimen verordnet, die Gefühle anderer nicht zu verletzen:

Und schmähet nicht die, welche sie statt Allah anrufen, sonst würden sie aus Groll Allah schmähen ohne Wissen.“ (Der Koran, 6:106-107)

Es ist an der Zeit, dass die Mehrheit der Muslime ihren Beitrag für ein friedliches Zusammenleben leistet, indem sie aktiver und transparenter nach außen tritt. Die deutsche Öffentlichkeit verlangt einmal mehr nach den moderaten Muslimen. Eine Aktion in die richtige Richtung machte die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft in diesem Jahr, als sie unter dem Motto: „Muslime für Frieden“ eine flächendeckende Flyer- und Plakataktion durchführte.

Auf der anderen Seite: So wie wir bestrebt sind, dass sich kein religiöser Fanatismus in der Gesellschaft breit macht, sollten wir auch bestrebt sein, anti-religiösen Fanatismus Einhalt zu gebieten. Daher ist die Entscheidung, eine öffentliche Aufführung des Filmes seitens rechtextremer Gruppierungen zu verbieten, zu begrüßen. Der Rechtsstaat hat nicht nur zum Ziel, die Freiheiten des Einzelnen zu verteidigen, sondern auch den gesellschaftlichen Frieden zu sichern. Es ist nicht zuletzt auch ein Signal an die Welt, dass wir ein tolerantes Land sind, das die Beschimpfung einer Religion und Kränkung ihrer Angehörigen verurteilt.

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28 Kommentare
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  1. @ Tim B.: Sie reden gerade von der „Organisation Islam“, die gar nicht existent ist. Es gibt unzählige Strömungen und es gibt über 1,3 Milliarden Muslime. Wie viele Muslime sind radikal? Es ist eine unmessbare Minderheit, die ihren rein weltlichen Frust durch Gewaltakte Ausdruck verleiht.
    Aber Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie (einigen) Religionsgelehrten die Schuld geben, dass Sie mobilisieren und hetzen. Das ist Missbrauch, keine Frage. Doch ist es ja auch nicht etwas, dass für uns Muslime von ungefähr kommt. Denn der Prophet Muhammad (saw) selbst sagte einmal:

    „Bald wird eine Zeit kommen, wenn vom Islam nichts mehr übrig sein wird außer seinem bloßen Namen. Nichts wird vom Qur-ân übrig sein als seine Worte. Die Moscheen werden voll sein von Betenden, aber sie werden der Göttlichen Leitung beraubt sein. Die religiösen Gelehrten dieser Zeit werden die schlimmsten Kreaturen (auf der Erde) unter dem Himmel sein. Verderbnis wird von ihnen ausgehen; und zu ihnen zurückkehren.“ (Hadith: Mishkat, Kitabul Ilm)

    Auch sagte er: »Allah wird das Wissen von den Menschen nicht auf einmal und plötzlich hinwegnehmen. Was wirklich passieren wird, ist, dass dann, wenn ein Gelehrter stirbt, es keinen geben wird, der ihn ersetzt. Die Menschen werden unwissende Leute zu ihren Führern wählen und sie um Lösung ihrer Probleme angehen. Jene werden sie leiten, ohne selbst (den Islam) zu kennen. Somit werden die Führer fehlgeleitet sein, und sie werden die Menschen irreleiten.« (Hadith: Bukhari, Kitabul Ilm)

    Dagegen muss man vorgehen. Sie haben Recht, wenn Sie darüber klagen, dass eine Mehrheit der Muslime sich selten gegen diese Minderheit stellt. Oft sind auch die Demütigungen „islamischer“ Gesellschaften seitens „westlicher“ Mächte ein Argument, das zu oft durch radikale instrumentalisiert wird und sie mundtot macht. Dann kommt die Frage auf: Ist man für die eine oder doch für die andere Seite? Um sich nicht festlegen zu müssen schweigt man, da man entweder nicht die Fähigkeit besitzt sich zu bilden, Sachverhalte zu differenzieren oder schlicht und einfach nicht den Mut besitzt sich dem entgegenzustellen. Es gibt dann viele weitere Faktoren, die diese Menschen in eine Art Müdigkeit, Bewusstlosigkeit verfallen lässt, da sie immer wieder Rückschläge erleiden und glauben, dass sie selbst nichts an der Situtation verändern können…

    Fortsetzung im nächsten Kommentar 🙂

  2. Sie habe da wohl etwas falsch aufgenommen. Das genannte Koranzitat bezieht sich auf Muslime, die ähnlich handeln, wie dort erwähnt ist. Es sind die radikalen, die ganau das tun.
    Es ist richtig, dass ich glaube, dass wahre Liebe zur Schöpfung dadurch kommt, denn der Koran fordert die Muslime auf: Gott gebietet euch: vergeltet Gutes mit Gutem [Gerechtigkeit] und auch mehr als bloße Vergeltung, wenn sie am Platz ist, also den anderen Gutes zu tun, ohne daß man zu euch gütig war, und [wo sich eine passende Gelegenheit bietet] ihr sollt das Gute erweisen, wie man gegen die Verwandten leidenschaftlich aus natürlichem Antrieb gütig ist. (vgl.16:91)
    Diese drei Stufen der Güte sind meiner Meinung nach einzigartig.

    Weil Sie die Behauptung aufstellen, dass es keine Beweise für Gott gebe, muss vielleicht genauso theoretisch antworten:

    Meiner Meinung ist Gott keine Eventualität. Es gibt unzählige Beweise aus Vernunft, Wissen, aber auch durch Offenbarung.
    Es gibt gemäß der Lehren des Islam drei Stufen der Gotteserkenntnis:
    Ich sehe von weitem Rauch und schließe darauf, dass es Feuer gibt. Dann nähere ich mich diesem Rauch und sehe Feuer. Zuletzt bin ich so nah, dass ich hineinfasse oder gar hineinsteige.
    Genauso kann der Mensch durch Vernunft und Schlussfolgerung die Überzeugung erlangen, dass es einen Gott gibt. Dann kann er Gott darum bitten sich ihm zu offenbaren, durch Visionen und Träume, dadurch vollkommene Gotteserkenntnis erlangen, ihn „sehen“. Die letzte Stufe schafft dann eine weitere Vertiefung des Wissens, indem man etwas persönlich erlebt. Dort angelangt verkörpert man den Willen Gottes und spiegelt seine Eigenschaften wieder.

    Aber all dies ist eine bloße Theorie bis man nicht selbst ein Verlangen nach Gott spürt und sich auf Seine Suche macht…

    Doch nun zum Vorwurf, dass ich Ihnen jede gute Eigenschaft abspreche. Nein, das kann ich nicht tun. Denn ich denke, dass jeder Mensch etwas gutes in sich trägt. Es gibt universelle moralische Werte, wonach jeder Mensch eine grobe Ahnung darüber hat, was Gut und was Böse ist. Ich erhebe außerdem nicht den Anspruch allein die Wahrheit zu kennen. Zu jedem Volk und zu jeder Zeit gab es Menschen, denen die Wahrheit gelehrt wurde. Muslime glauben, dass es etwa 124.000 Propheten gab, die von Gott beauftragt worden. Somit gibt es nicht einen Weg zu Gott, sondern viele verschiedene, auch wenn meiner Meinung nach alle anderen holprig aufgrund ihrer Widersprüche sind. Auch wenn ein Mensch Agnostiker ist, kann er Gott erreichen. Dafür muss er keiner Religion angehören. Wenn er mit reinem Herzen nach ihm sucht, dann wird sich Gott ihm offenbaren. Ich habe etwas gegen jeden Muslim, der etwas anderes behauptet und Wahrheit monopolisiert. Er hat den Islam nicht verstanden! Der Islam ist die Weiterentwicklung der alten Botschaften, die Gott im Laufe der Menschheitsgeschichte an die Menschen richtete. Diese Botschaft des Islam ist universell; Für alle Zeiten und Orte, gemäß der Vernunft und der entwickelten Fähigkeiten des Menschen.

    Jeder Mensch hat immer die Wahl seinen eigenen Weg zu wählen…

  3. Sigmar sagt:

    Tahir Chaudhry,

    „… unbezahlte Steuern, Strafzettel und Zinsen! Seine Schulden reichen bis in die halbe Million…Mehrmalig wegen Drogenhandel und Drogenherstellung verurteilt, Gefängnisaufenthalte, Bankenbetrug….vieles vieles mehr! “

    Und denoch bleibt er Mensch.

    (Btw: die Raubzüge gewisser historischer Persönlichkeiten bereiten Ihnen doch auch keine schlaflosen Nächte, oder?)

    „Für so einen kriminellen legene Sie Ihre Hand ins Feuer …“

    Ich behaupte ja nicht das N. eine über alle Zweifel erhabene Person ist.. Woher seine Wut kommt kann ich allerdings gut nachvollziehen.

    … und werfen sich schützend vor den armen, verfolgten “Sam Bacile”???

    … das wiederum würde ich notfalls in der Tat tun (Grund: so.)

  4. Zara sagt:

    Warum empört sich in den jeweiligen muslimischen Länder nicht mal einer über diese Attacken auf die Botschaften?
    —-
    In Lybien haben 30000 in Bengasi gegen die Stürmung der Botschaft protestiert, auch weil der Botschafter Stevens recht beliebt bei der Bevölkerung war. Anschließend haben einige tausend dieser Demonstranten zwei Lager der Salafisten angegriffen und diese aus den Lagern vertrieben.

  5. @ Sigmar: Das mit dem „schützend“ vor ihn werfen meinte ich eigentlich im übertragenen Sinne. Wenn Sie das nicht verstehen, dann kann ich auch nichts für Sie tun…

    Man sieht doch ganz deutlich, dass dieser Menschen in seiner Vergangenheit ständig versucht hat an das schnelle Geld zu kommen! Und dann kriegt er plötzlich Gelder von fremden Leuten, wenn es darum geht einen Anti-Islam film zu drehen? Ist das für Sie nicht komisch? Und komisch, dass sich seine Wut gegen alle Muslime richtet, die er gezielt beleidigen möchte, indem er krampfhaft versucht die Massen zu erreichen damit sie alle aufgehetzt werden.

  6. @ Zara:

    Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie darüber klagen, dass eine Mehrheit der Muslime sich selten gegen diese Minderheit stellt. Oft sind auch die Demütigungen “islamischer” Gesellschaften seitens “westlicher” Mächte ein Argument, das zu oft durch radikale instrumentalisiert wird und sie mundtot macht. Dann steht dort jeder Muslim vor der Wahl: Ist man für die eine oder doch für die andere Seite? Um sich nicht festlegen zu müssen schweigt man, da man entweder nicht die Fähigkeit besitzt sich zu bilden, Sachverhalte zu differenzieren oder schlicht und einfach nicht den Mut besitzt sich dem entgegenzustellen. Es gibt dann viele weitere Faktoren, die diese Menschen in eine Art Müdigkeit, Bewusstlosigkeit verfallen lässt, da sie immer wieder Rückschläge erleiden und glauben, dass sie selbst nichts an der Situtation verändern können…
    Man muss immer differenzieren, denn es gibt auch viele Muslime, die aktiv etwas dagegen tun. Sie müssen auch bedenken, dass jeder Mensch seine eigene Art hat mit unterschiedlichen Herausforderungen im Leben umzugehen… Der eine schweigt, aber verurteilt die Taten, der andere betet für die Irrenden, die einen reden in ihrem Freundeskreis, andere schreiben ein Buch/Artikel oder einige demonstrieren sogar friedlich!

  7. Mo sagt:

    @Tahir:

    „…indem er krampfhaft versucht die Massen zu erreichen damit sie alle aufgehetzt werden.“

    da muss ich Ihnen widersprechen.
    Natürlich kann man annehmen, dass der Filmemacher bewusst provozieren wollte. Möglich, dass er den Effekt, der eingetreten ist, vorausgesehen und in kauf genommen bzw. gewollt hat. Auch wenn man dann natürlich hinzufügen muss, dass der Film wochenlang unbeachtet bei youtube stand und erst durch Salafisten bekannt gemacht wurde.

    Aber: Die Mobilisierung ist eindeutig von islamischen Organistionen ausgegangen.Die Massen werden erst durch islamische Gruppierungen mobilisiert, die als Katalysator fungieren.
    Auch in Deutschland wird das Beleidigtsein organisiert. Demos finden nicht statt, weil sich Individuen zufällig zur gleichen Zeit auf der Straße treffen, so etwas muss organisiert werden, Demos müssen polizeilich angemeldet werden. Sie müssen bekannt gemacht, es muss dazu aufgerufen werden.

    Warum hat es keinen organisierten Protest gegen die Gewaltausschreitungen gegeben, wohl aber eine Mobilisierung gegen den Film? Warum wird bei Gewalt und Terrortaten immer auf Atomisierung des Islam gemacht („Dann steht dort jeder Muslim vor der Wahl: Ist man für die eine oder doch für die andere Seite?“) während man gleichzeitig bei „Provokation“ sehr wohl in der Lage ist, geschlossen und organisiert zu handeln?

    Sie haben Recht, dass die meisten hier lebenden Mulime friedfertig sind. Und den meisten ist der Film vermutlich auch schnurzpiepegal. Doch darüber gibt es keine statistischen Erhebungen. Aus meiner Erfahrungen heraus jedenfalls wäre die kollektive Wut gegen den Film, wenn sie nicht gezielt gesteuert worden wäre, so wenig vorhanden wie die geheuchelte Empörung von Nicht-Muslimen. Gar nicht zu sprechen von der Schar, die den Film gar nicht gesehen hat, sich aber dem Empörungsmainstream anschließt („Ja, er wird wohl ein ekelhaftes Machwerk sein“).

    Inzwischen findet bei jeder „Provokation“ (meist zeitversetzt) eine ungute und spalterische, öffentlichkeitswirksame Mobilisierung des Beleidigtseins statt, die erstens bei den Muslimen den Anschein erweckt, dass Muslime ständig und von allen gedemütigt würden, was einfach nicht richtig ist und zweitens bei den Nichtmuslimen den Anschein erweckt, dass es sich bei den Muslimen um eine geschlossene, organsierte Gruppe handelt, die Terror billigend in kauf nimmt, aber Meinungsfreiheit abschaffen will, was ebenfalls nicht richtig ist.

  8. Tim B. sagt:

    @Tahir Chaudhry
    Erstmal: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben mir zu antworten und auf meine Argumente einzugehen.

    „Meiner Meinung ist Gott keine Eventualität.“

    Ihrer Meinung nach! Ist auch vollkommen OK, das akzeptiere ich. Was ich nicht akzeptiere ist, wenn Muslime oder Christen sich dahin stellen und so tun, als wäre es ein weltweiter gesicherter Beweis, dass es Gott gibt und dies auch außerhalb ihrer Gemeinschaft verbreiten. Es gibt kein wissenschaftlich nachprüfbares Verfahren um Gott nachzuweisen. Spirituelle Erfahrungen sind so real wie Tagträume.

    „Somit gibt es nicht einen Weg zu Gott, sondern viele verschiedene, auch wenn meiner Meinung nach alle anderen holprig aufgrund ihrer Widersprüche sind. “

    Warum bewerten Sie denn hier den Glauben anderer? Sie finden also, dass es Religionen gibt die sich widersprechen? Und der Islam widerspricht sich nie? Und der Islam musste nie umgedeutet werden in seiner göttlichen Aussage? Oder haben Sie vielleicht über andere Religionen genauso wenig Ahnung wie ich über den Islam?

    „Auch wenn ein Mensch Agnostiker ist, kann er Gott erreichen. Dafür muss er keiner Religion angehören. Wenn er mit reinem Herzen nach ihm sucht, dann wird sich Gott ihm offenbaren. Ich habe etwas gegen jeden Muslim, der etwas anderes behauptet und Wahrheit monopolisiert.“

    Und jetzt unterstellen Sie mir, dass ich kein reines Herz besitzen würde, sonst hätte ich Gott ja bereits gefunden oder zumindest angefangen zu suchen, oder wie? Und Sie haben ein reines Herz und deshalb können Sie an Ihn glauben? Sie merken es nicht mehr, aber in jedem zweiten Satz steckt ein kleiner Seitenhieb auf „die Ungläubigen“. Ich weiß, dass Sie das nicht böse gemeint haben, sondern wahrscheinlich nur das wiederholt haben was andere ihnen schon mal vorgekaut haben, aber verstehen Sie bitte, dass das nicht auf sehr viel Respekt und Toleranz gegenüber Andersdenkenden schließen lässt. Der Grund für die Monopolisierung der Wahrheit liegt doch an der Schreibweise des Korans und seiner Bedeutung im Islam (Koran = Gottes Wort). Sie lassen den „Ungläubigen“ keinen Raum mehr in Ihrem Glauben, in dem es ihnen möglich wäre moralisch und ethisch über oder auf gleicher Höhe wie Sie zu stehen. Ganz nach dem Motto: „Alle Menschen sind gut, aber diejenigen die an meinen Gott (Allah) glauben sind besser.“ Und nichts anderes sagt der Koran.

    Ich hoffe Sie können nachvollziehen, dass manche ihrer Aussagen mich in meinen agnostischen Gefühlen verletzt. Genau so wie manche Karikatur oder Film auch Sie in ihren religiösen Gefühlen verletzt. Haben Sie schon mal Atheisten gesehen, die wegen beleidigter Gefühle eine Botschaft gestürmt haben und Menschen aus deren eigenen Reihen umbrachten? Nein, bestimmt nicht! Man kann also sehen, dass in der Realität Menschen ohne Glauben friedfertiger sind wie Gläubige.

    „Er hat den Islam nicht verstanden! Der Islam ist die Weiterentwicklung der alten Botschaften, die Gott im Laufe der Menschheitsgeschichte an die Menschen richtete. Diese Botschaft des Islam ist universell; Für alle Zeiten und Orte, gemäß der Vernunft und der entwickelten Fähigkeiten des Menschen.“
    & ganz am anfang:
    „Sie reden gerade von der “Organisation Islam”, die gar nicht existent ist. Es gibt unzählige Strömungen und es gibt über 1,3 Milliarden Muslime.“

    Welchen Islam hat welcher von den 1,3 Milliarden Mensch nicht verstanden? Welche Strömung? Salafisten, Sunniten, Schiiten oder Aleviten? Die Botschaft des Islams ist alles andere als universell, sie ist überall und zu jeder Zeit mehr oder weniger anders, ganz abhängig davon was den Machtmenschen der damaligen Zeiten für nötig hielten. Sie romantisieren ihren Glauben zu sehr.


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