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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Baden-Württemberg 2011

Wanderungsgewinn aus dem Ausland gleicht Geburtendefizit aus

Der Wanderungsgewinn aus dem Ausland glich das baden-württembergische Geburtendefizit im Jahr 2011 aus – immer mehr Rumänien und Polen kommen in das Land; Schweizer und Türken wandern aus. Schon mittelfristig droht ein Bevölkerungsrückgang.

Die Einwohnerzahl Baden-Württembergs ist im Jahr 2011 um etwa 32.300 Personen auf rund 10.786.200 Einwohner angestiegen. Damit hat die Einwohnerzahl einen neuen Höchststand erreicht, nachdem die Bevölkerungszahl im Jahr 2010 lediglich um rund 9 000 angestiegen ist und in den Jahren 2008 und 2009 sogar zurückgegangen war. Das teilte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Carmina Brenner, am vergangene Woche (16.07.12) in Stuttgart mit.

Zwar hat sich das Geburtendefizit, also die Differenz zwischen Geborenen und Gestorbenen, von knapp 8 100 Personen im Jahr 2010 auf zuletzt 8 900 nochmals leicht vergrößert. Gleichzeitig hat sich aber auch der Wanderungsgewinn, also die Differenz zwischen Zu- und Fortziehenden, überraschend deutlich erhöht: 2010 lag das Wanderungsplus noch bei 17 300 Personen, 2012 hingegen sind bereits 41 500 Personen mehr nach Baden-Württemberg zu- als fortgezogen; das war der höchste Wanderungsgewinn seit dem Jahr 2002.

Zuwanderungsgewinne aus Rumänien und Polen
„Vor allem die vollständige Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes seit dem 1. Mai 2011 für Bürger von acht osteuropäischen Staaten in Verbindung mit einer weiterhin günstigen Arbeitsplatzentwicklung im Südwesten könnte dazu führen, dass die Zuwanderung in diesem und in den nächsten Jahren auf dem derzeitigen, relativ hohen Niveau verharrt“, so die Einschätzung des Landesamtes.

Gut drei Viertel der Zu- und Fortzüge im Jahr 2011 betrafen Umzüge von bzw. in andere europäische Staaten. Der Wanderungsgewinn gegenüber den europäischen Staaten hat sich in 2011 gegenüber 2010 auf 31 400 mehr als verdoppelt. Die höchsten Wanderungsgewinne innerhalb Europas, aber auch weltweit, wurden gegenüber Rumänien (+8 000), Polen (+7 900), Ungarn (+4 400) und Bulgarien (+2 900) erzielt. Das Wanderungsplus hat sich damit gegenüber diesen Staaten – vor allem gegenüber Polen – im Vergleich zu 2010 jeweils deutlich erhöht.

Wanderungsverluste an Schweiz und Türkei
Erheblich angestiegen sind die Wanderungsgewinne aber auch gegenüber den von der Finanz- und Schuldenkrise besonders stark betroffenen Staaten Griechenland und Spanien: Gegenüber Griechenland hat sich das Plus von lediglich 100 Personen im Jahr 2010 auf 2 500 im vergangenen Jahr erhöht, gegenüber Spanien von knapp 700 Personen auf 1 600. Auch gegenüber Amerika (+1 000), Afrika (+1 300) und insbesondere gegenüber Asien (+6 900) war der Wanderungssaldo positiv. Vor allem Menschen aus Indien (+1 300), dem Irak und Pakistan (jeweils +800), aus China (+700) sowie aus Afghanistan und dem Iran (jeweils +600) sind im vergangenen Jahr in den Südwesten zugewandert. Gegenüber Australien und Ozeanien war dagegen die Wanderungsbilanz ausgeglichen.

Wanderungsverluste wurden für Baden-Württemberg im vergangenen Jahr nur gegenüber wenigen Staaten verzeichnet. Mit Abstand am stärksten waren diese gegenüber der Schweiz (−3 400), gefolgt von der Türkei und Kroatien (jeweils −400).

Schon mittelfristig droht Bevölkerungsrückgang
Mittel- und langfristig erwarte man aber, dass die Einwohnerzahl im Südwesten zurückgehen wird. Aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung – immer mehr ältere stehen immer weniger junge Menschen gegenüber – werde sich das Geburtendefizit stetig vergrößern. Die zu erwartenden künftigen Wanderungsgewinne würden dann aller Voraussicht nach das deutlich steigende Geburtendefizit nicht mehr kompensieren können. (bk)

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