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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Buchpremiere: "Manifest der Vielen"

Deutschland schafft sich noch lange nicht ab!

Am 24. Februar wurde im Maxim Gorki Theater in Berlin das Buch „Manifest der Vielen – Deutschland erfindet sich neu“ vorgestellt. Das Buch leitet einen Prozess ein oder gibt einem bereits laufenden bloß einen Namen – die Sich-Neuerfindung Deutschlands.

VONVykinta Krisiukenaite-Ajami

Die Autorin ist gebürtige Litauerin, lebt seit 12 Jahren in Deutschland, hat an der Freien Universität Berlin Linguistik und Arabistik studiert, schreibt als freie Journalistin und Auslandskorrespondentin für litauische Medien und engagiert sich in Berlin für interkulturellen Dialog, Antidiskriminierung und Antirassismus.

DATUM28. Februar 2011

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Am 24. Februar wurde im Maxim Gorki Theater in Berlin das Buch „Manifest der Vielen – Deutschland erfindet sich neu“ vorgestellt. Die Herausgeberin ist die studierte Philosophin, bekannte Schriftstellerin, Publizistin und Journalistin Hilal Sezgin. Erschienen ist das Buch im Blumenbar Verlag.

30 profilierte AutorInnen aus Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft und Medien, darunter Feridun Zaimoglu, Naika Foroutan, Ilija Trojanow, Hatice Akyün, Hilal Sezgin, Navid Kermani, Lamya Kaddor, Ekrem Senol, Kübra Gümüsay, Fereshta Ludin und viele andere haben sich zusammengefunden, um eine Art Antwort auf die Sarrazin-Debatte zu geben. Mit der Intention, der Debatte um Migration und Integration eine sachlichere Ebene zu verleihen, zu zeigen, wie facettenreich die Migranten in Deutschland sind und das „Gegengift“ zur sarrazinischen Stimmung zu produzieren.

In eigenen Geschichten und kritischen Analysen geht es im Buch um Themen wie Heimat, eigene Identität, das Muslim- oder Nicht-Muslims-Sein, das Leben in Deutschland, Toleranz, Integration, Menschenwürde, Kultur, Gegenwart, Zukunft und viele mehr.

Es geht um die Frage der deutschen Identität. Das Buch leitet einen Prozess ein oder gibt einem bereits laufenden bloß einen Namen – die Sich-Neuerfindung Deutschlands. „Um sich nicht abzuschaffen, muss sich Deutschland neu erfinden“, so die Autoren einstimmig. „Sarrazin kommt und geht. Wir aber bleiben“ und „wir leben heute schon in der Welt von Morgen“ sind die Botschaften der „Vielen“.

Der Premierenabend läuft unter dem Motto „Tanz den Sarrazin“. Der Saal ist voll, die Atmosphäre gelassen, die Stimmung super – das Gegengift wirkt. Und auch wenn der „Bürokrat mit Schnurrbart“ hier ab und an erwähnt wird, geht es dabei gar nicht um ihn, sondern um jeden einzelnen Menschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund, um jede einzelne Geschichte, um jeden einzelnen Gedanken, um jeden aufgeschriebenen Satz. Aber auch um das Gemeinsame – um das Land, zu dem man sich zugehörig fühlt, in dem man lebt, das man als seine Heimat empfindet und um dessen Zukunft man sich verantwortlich fühlt. Um Deutschland. Und Deutsche, mit Migrationshintergrund, wenn Sie so wollen, die dem Geschehen keine kalte Schulter zeigen, sondern versuchen, das Land und die Geschehnisse in ihm mitzugestalten.

Herr Sarrazin hat mit seinen abstrusen Thesen zwar viel Geld verdient. An diesem Abend war er für mich aber der ärmste Mann der Welt. Weil er nicht dabei war. Und das „Gegengift“ gegen seine eigene Debatte nicht einnehmen konnte. So viel Kreativität, Humor, Gelassenheit, Klugheit, Bildung, Wissen und Herz wie die „Vielen“ muss man erst haben, um zu begreifen, dass Deutschland sich noch lange nicht abschafft.

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12 Kommentare
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  1. Mika sagt:

    Ich lese es gerade und finde es super!!! Es spricht mir von der Seele:

  2. Bleier sagt:

    Hab überlegt, es mir anzuschaffen.

    Aber ganz ehrlich: Dafür, dass man den größten Teil schon in den diversen Feuilletons lesen konnte – von taz über FAZ bis zur SZ – somit also nur wenig Neues dabei war, ist der Preis total überteuert. Zumal der Band auch relativ schmal ist und auch keine größeren Anforderungen an Gestaltung, Layout etc stellt.

    Angemessen gewesen wären vielleicht 6,95 Euro.

    Die Bücherpreise werden allgemein langsam unverschämt…

  3. Beri sagt:

    @bleier
    nicht auf den design sollte es ankommen und auch nicht auf die seitenzahlen, sondern auf den inhalt, und der ist meiner meinung nach mehr wert als 12,90 €.

    es gibt ja aber sonst die möglichkeit sich das buch auszuleihen, von freunden, bibliotheken, o. ä.

  4. Bleier sagt:

    @Beri

    Der Inhalt ist aber klassische Zweitverwertung, der den Preis eben nicht rechtfertigt.

  5. Beri sagt:

    @bleier:
    für mich ist das buch keine „KLASSISCHE ZEITVERWERTUNG“. ich finde es ehrlich gesagt unangebracht über den wert dieses buches zu diskutieren, weil in ihm stimmen enthalten sind, die nicht in der breiten öffentlichkeit gehör finden. diese stimmen äußern ihren unmut über die hiesige und aktuelle „integrations“debatte, und das aus unterschiedlichen perspektiven (medien- und kommunikationstechnisch, literarisch, gesellschaftskritisch, religös, etc.)
    aber eine frage habe ich doch noch an sie: wie kann ihnen also ein buch nicht gefallen bzw. wie können sie das buch als überteuert ansehen, welches sie noch nicht gelesen haben?

    beste grüße

  6. Bleier sagt:

    @Beri

    Was sie ja offenbar nicht verstehen wollen ist die Tatsache, dass dieses Buch, welches halt letztlich nur eine lose Sammlung von bereits veröffentlichten Aufsätzen und Essays ist, ja bereits „erschienen“ ist. Und in der Tat habe ich den Großteil des Inhaltes bereits gelesen.

    Einerseits, weil mich das Thema allgemein interessiert, andererseits, weil ich als Verlagsangestellter doch ab und an mit sowas in Berührung komme.

    Sie machen den Fehler, dass sie diesem Buch einen subjektiven Wert beimessen: Dem für sie individuell richtigen.

    Danach können wir Publikationen von Goethe, Heminway oder Böll, meinetwegen auch Kaminer oder Rafik Schami nicht unter 100,00 Euro verkaufen.

    Ich will den Leuten ja auch nicht ihre verdienten Tantiemen vorenthalten, aber bitte: Der Preis ist doch wirklich nicht angemessen. Das gilt aber immer mehr für den Buchhandel und ist natürlich nicht auf speziell dieses Büchlein beschränkt.

  7. beri sagt:

    @bleier
    ich möchte sie nochmals darauf hinweisen, dass sie in ihrem vorherigen kommentar von „klassischer zeitverwertung“ gesprochen haben. ist die ihrige somit keine „subjektive“ (& wohl gemerkt abwertende) haltung? ist ihre meinung mehr wert als meine = konsumentin, nur weil sie als verlagsangestellter mit „sowas doch ab und an in berührung kommen“ (sowas=erklärungsbedürftig)?

    sie vergleichen diese publikation mit goethes, schamis, kaminers u.a. werken. Mich interessiert sehr, wie bzw. unter welchem aspekt sie diesen vergleich ziehen (können)?

    außerdem wurden natürlich nicht alle beiträge in den medien veröffentlicht; das kann ich als leserin dieses buches bestätigen im gegensatz zu ihnen.

  8. Bleier sagt:

    Doch, der Großteil wurde sehr wohl bereits veröffentlicht, aber weiteres Diskutieren spare ich mir mal lieber, da sie ja offenbar beratungsresistent sind.

  9. Beri sagt:

    es kommt immer auf die kompetenz der beratung an (und auf den ton natürlich). dass der großteil veröffentlicht wurde, habe ich nicht abgestritten, sondern lediglich geschrieben, dass nicht ALLE beiträge veröffentlicht wurden.
    schade, dass sie nicht auf meine fragen eingehen. sie haben nun so viele „defizite“ genannt und so fragwürdige vergleiche gezogen, da bin doch schon ziemlich neugierig geworden…

  10. keton sagt:

    Schön endlich mal wieder gesagt zu bekommen, daß es eigentlich überhaupt keine Probleme gibt. Und wenn einen irgendwann mal das Gefühl beschleicht es könnte doch welche geben: Sarrazin ist Schuld dran, und natürlich die verbissene Necla Kelek, Seyran Ates ist auch nicht viel besser. Die hat doch nur ihr Trauma nicht verarbeitet Opfer eines Attentats der Grauen Wölfe geworden zu sein.


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