[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden. Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Weber, 1974
Islam

Gleichbehandlung statt Ausnahmeregelung

Redaktion | 20. Januar 2010 | Gesellschaft Drucken | Weiterempfehlen |

MySpace Del.icio.us Yigg Folkd Facebook Webnews MisterWong Linkarena


Der Münsteraner Theologen Hans-Peter Großhans warnt vor wachsender Distanz zwischen den Religionen. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften auf der Welt schotten sich nach seiner Einschätzung zunehmend voneinander ab.

Evangelischer Theologe Prof. Dr. Hans-Peter Großhans © WWU Münster

„Die konfessionellen und religiösen Grenzen haben sich eher vertieft als vermindert, obwohl die religiöse Vielfalt in den Gesellschaften hoch ist“, sagte der Experte vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster. Der populäre Ruf nach „Toleranz“ helfe da nur bedingt weiter, auch wenn viele diese für eine „moderne Lebenshaltung“ hielten, so der Direktor des evangelischen Instituts für Ökumenische Theologie.

Als Beispiel für die „Tücken der Toleranz“ nannte Großhans das Verhältnis von Christentum und Islam in Deutschland. „Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.“ Toleranz setze immer ein asymmetrisches Verhältnis zwischen Menschen voraus. So schaffe die deutsche Politik Ausnahmeregeln für die muslimische Minderheit, statt sie wie alle anderen in Gesetz und allgemeine Regeln einzubinden. Diese Tendenz, für die etwa die Deutsche Islam Konferenz der Bundesregierung stehe, monierten auch muslimische Intellektuelle.

Abweichende Einstellungen und Lebensweisen anerkennen
Der Experte betonte, die wachsende Distanz zwischen den Religionen lasse sich generell nur auf Basis echter gegenseitiger „Anerkennung“ überwinden. „Du kannst nicht mit anderen Religionen reden, wenn Du ihre Wahrheit nicht ernst nimmst“, so der Theologe. Es gehe eben nicht nur um Toleranz, sondern darum, abweichende Einstellungen und Lebensweisen anzuerkennen. Das gelte für das Verhältnis von Buddhisten und Katholiken in Myanmar genauso wie für die Beziehung von Muslimen und Lutheranern in Indonesien oder von Orthodoxen, Katholiken und Protestanten in Europa.

Nur gegenseitiger Respekt eröffne die Chance zur sachlichen Auseinandersetzung, unterstrich der Wissenschaftler. Denn auch in religiösen Fragen müsse ein Streit zwischen unterschiedlichen Positionen möglich sein. „Im neuzeitlichen Bewusstsein kann man über alles offen reden. Nur im Bereich der Religionen geht gar nichts. Man tauscht sich nicht aus. Das ist unbefriedigend.“ Großhans äußerte sich als Organisator einer Tagung des Exzellenzclusters mit dem Titel „Integration religiöser Pluralität“, die auch die religiöse Pluralität in Südost-Europa beleuchtete.

Gleichbehandlung statt Ausnahmeregelung5.051

GD Star Rating
loading...

Mehr über: , ,

Autor: Redaktion

Die Redaktion von MiGAZIN stellt Nachrichten, Urteile, Studien und andere lesenswerte Texte online.

Kontaktiere Autor


Diskutieren Sie mit

 

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migranten/-innen in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren.

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...