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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Verbraucherzentrale NRW

Migranten, die die Verbraucherberatung nutzen, sind erfolgreich integriert!

Migranten, die die Verbraucherberatung nutzen, sind erfolgreich integriert! Plakativ zusammengefasst lautet so das Ergebnis eines sechsmonatigen Projekts, in dem die Stadt Münster und die Verbraucherzentrale NRW ausgelotet haben, wie dieser ehrgeizige Maßstab für gelungene Integration langfristig im Verbraucheralltag von Bürgern mit Migrationsvorgeschichte münden kann.

„Während die Verbraucherberatung von großen Teilen der deutschen Bevölkerung als selbstverständliche Anlaufstelle rund um Verbraucherfragen und -probleme genutzt wird, ist sie Menschen mit Migrationsvorgeschichte vielfach fremd“, berichtet Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, „doch nur wer seine Rechte kennt, Angebote zur anbieterunabhängigen Information nutzen kann und Unterstützung findet, um die wachsenden Anforderungen des Konsumalltags zu managen, kann in unserem Wirtschaftssystem als mündiger Verbraucher auftreten.“ Dies gelte insbesondere für Menschen, die eine andere kulturelle Prägung hätten oder mit anderen Rechts- und Wirtschaftssystemen vertraut seien.

Im Projekt „Verbraucherberatung für Migrantinnen und Migranten“ – wissenschaftlich begleitet vom Institut für Praxisentwicklung und Evaluation der Universität Münster – wurde von März bis August 2009 durch Interviews mit Beratungskräften der Verbraucherzentrale in Münster, mit Mitgliedern des Ausländerbeirats, von Migrantenselbstorganisationen und städtischen Ämtern ein multiperspektivischer Blick auf die Verbrauchersituation von Migranten geworfen.

Zielgruppengerechte Beratungsangebote anzubieten, die Einrichtung und ihre Dienstleistungen bei Migranten bekannter zu machen sowie eine enge Vernetzung mit Multiplikatoren aus Migrantenorganisationen haben sich dabei als Schlüssel für eine multikulturelle Akzeptanz und Nutzung von Verbraucherberatung erwiesen.

Fazit: Der Anteil der Ratsuchenden mit Migrationsvorgeschichte ist mit rund 25 Prozent durchaus hoch. Allerdings kommen Migranten zumeist erst, wenn konkrete Probleme zu lösen sind – jedoch nur selten, um sich vor dem Abschluss von Verträgen oder vor Kaufentscheidungen zu informieren. Die vielfältigen Dienstleistungen der Anlaufstelle für Verbraucherfragen hierzu sind weitgehend unbekannt. Als ausbaufähig wurden Beratungs- und Informationsangebote ausgemacht, die an die Lebenswelt der Menschen mit Migrationsvorgeschichte anknüpfen.

Hintergrund: Fehlende Konsumkompetenzen sind oftmals Ursache vieler Benachteiligungen von Migrantinnen und Migranten: Der Abschluss überteuerter Kredit- oder unsinniger Versicherungsverträge, mangelnde Kenntnisse über Gesundheitsgefahren durch Feuchtigkeit und Schimmel in Wohnräumen oder über Stolperfallen in Telekommunikationsverträgen sind hierbei nur einige Beispiele.

Die kulturelle Öffnung von Verbraucherberatung fördern könnten – so die Empfehlungen des Projektberichts – „Brückenpersonen“ innerhalb von Migrantenorganisationen, die Verbraucherinformationen in familiäre Netzwerke und MigrantInnen-Communities tragen. „Allerdings: Systematische Verbraucherinformation für Migranten sowie die Vermittlung von Konsumkompetenzen an diese Zielgruppe bedarf zusätzlicher personeller wie finanzieller Ressourcen. Stadt Münster und die Verbraucherzentrale NRW haben verabredet, hierbei künftige Möglichkeiten auszuloten“, so die Verbraucherzentrale NRW.

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