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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Türkische Presse Europa

11. und 12.10.2009 – Sarrazin, ANUGA, Helal

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen räumen der Debatte um die Ausländer-Schelte von Thilo Sarrazin breiten Raum ein. Außerdem ist die Lebensmittelmesse ANUGA Tagesthema, auf der die Türkei Gastland ist. Die Helal-Lebensmittelindustrie wird ebenfalls thematisiert. Weitere Themen runden die türkische Tagespresse ab.

11.10.2009

Thilo Sarrazin
Sämtliche Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten über die jüngsten Meldungen im Fall Thilo Sarrazin, dessen Befugnisse und Verantwortungsbereiche bei der Deutschen Bundesbank eingeschränkt werden sollen. Die HÜRRIYET titelt: „Alibi-Strafe für den rassistischen Bürokraten“ und zweifelt an der Ehrlichkeit der Maßnahmen. Thilo Sarrazin hingegen habe mitgeteilt, dass er nicht zurücktreten werde.

Die SABAH hingegen zitiert NRW-Integrationsminister Armin Laschet, der gesagt habe, dass Sarrazin die Atmosphäre und die Integration vergifte. Außerdem habe der Vorsitzende der ATIAD, Recep Keskin, gesagt, dass sich Sarrazin seiner Worte noch schämen werde. In Deutschland gebe es 72.000 türkischstämmige Unternehmer, die 350.000 Arbeitnehmer beschäftigen mit einen Jahresumsatz von 36 Milliarden Euro.

Die TÜRKIYE konzentriert sich auf die Folgen der Ausländer-Schälte Sarrazins und ist der Meinung, dass Sarrazin langsam die Folgen seiner Wörter zu spüren bekomme. Die Verantwortlichen der Deutschen Bundesbank würden sich am Dienstag versammeln, um Sarrazins Verantwortungsbereich zu verkleinern. Außerdem zitiert die TÜRKIYE unter der Überschrift „Sarrazin soll Gemüse verkaufen“ Stephan Kramer, der Sarrazin mit Hitler verglichen hatte, Kenan Kolat (TGD), Vertreter von Wirtschaftsverbänden und türkeistämmige Bundestagsabgeordnete.

Die MILLIYET titelt „Dem Undankbaren wird die Verantwortung entzogen“ und fasst in einem kleinen Artikel das wesentliche der letzten Tage zusammen.

EU-Beitritt Türkei
Die HÜRRIYET räumt Günter Verheugen viel Platz ein, der gesagt habe, dass man vor der Türkei keine Angst zu haben brauche. Außerdem sei es falsch, die Türkei als Nichteuropäisch zu bezeichnen. Hintergrund solcher Äußerungen sei nicht die geografische Lage der Türkei sondern der Islam.
Die Türkei habe mit seinen demokratischen Strukturen Vorbildcharakter. Ein Blick auf die Weltkarte zeige außerdem die enorme strategische Bedeutung der Türkei. Schließlich habe Verheugen gefordert, gegenüber der Türkei ehrlich aufzutreten.

Migranten in der CDU wollen Integrationsministerium
SABAH berichtet über den Appell des Deutsch-Türkischen Forum in der CDU an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, ein Integrationsministerium zu schaffen (wir berichteten).

Rechtsextremisten geben keine Ruhe
Unter dieser Schlagzeile berichtet die HÜRRIYET über Pax Europa, die einzelne Verse aus dem Koran auf Werbeflächen angebracht habe. Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, Bekir Alboga, habe sich über Pax Europa beschwert. Dieser Verein wolle in Europa keine Muslime und habe keinerlei Bedenken, dies auch zu äußern. Das dürfe nicht erlaubt werden.

Visafreiheit für Türken
In einer kleinen Meldung lässt die HÜRRIYET den türkischen Abgeordneten Bülent Boratali (CHP) aus der Türkei zu Wort kommen, der die Visumsfreiheit für Türken fordert. Das Europäische Gerichtshof habe mit seiner Soysal-Entscheidung ein ganz klares Wort gesprochen, dass umgesetzt werden müsse. Außerdem sei das Thema auch auf der ANUGA zur Sprache gekommen. Einheitlich sei man der Auffassung, dass die Visumspflicht für türkische Staatsbürger abgeschafft w erden müsse.

Straftatbestand für Zwangsverheiratungen
Unter Berufung auf eine Meldung in der „Die Welt“ berichten SABAH, MILLIYET und HÜRRIYET über die Pläne der schwarz-gelben Regierungskoalition, für Zwangsverheiratungen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren vorzusehen.

Türken auf der ANUGA
Die MILLIYET räumt türkischen Unternehmern aus der Türkei auf der diesjährigen Lebensmittelmesse ANUGA Raum ein. Die Türkei sei in diesem Jahr Gastland der Messe und sei stark vertreten.

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