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Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Wahlen 2009

20 Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund

20 Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund werden in den kommenden vier Jahren im Bundestag sitzen. Sechs Politiker stellen die Grünen auf, fünf die Linke, jeweils vier die SPD und die FDP. Die stärkste Fraktion im Bundestag, die Union, stellt einen Abgeordneten.

Damit ist die Zahl der im Bundestag sitzenden Abgeordneten nach der Bundestagswahl 2009 auf 20 gestiegen. Mit etwas mehr Glück hätten es mehr werden können. Trotz eines beachtlichen Achtungserfolges – Erststimmenanteil von 29,9 Prozent – hat beispielsweise Grünen-Chef Cem Özdemir den Einzug in den Bundestag über ein Direktmandat verpasst. Er kündigte allerdings an, 2013 noch einmal anzutreten.

Bei Özcan Mutlu (Die Grünen) war es besonders knapp. 68 Grünen-Politiker werden für die nächsten vier Jahre in den Bundestag einziehen. Mutlu wäre der 69. gewesen, wenn die Grünen Bundesweit 0,1 Prozent mehr Stimmen bekommen hätten.

Für Lale Akgün (SPD), die es ebenfalls nicht schaffte, wird ihr Nichteinzug in den Bundestag Konsequenzen haben. Sie hat angekündigt, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen.

Steckbriefe der 20 Abgeordneten mit Migrationshintergrund:

Sevim Dagdelen, DIE LINKE.

Journalistin

1975 in Duisburg geboren; ledig (türkischstämmig).

1997 Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife in Duisburg; 1998 bis 2001 Studium der Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg; 2001 bis 2002 Akademisches Jahr an der juristischen Fakultät University of Adelaide, Südaustralien; seit April 2002 an der Universität zu Köln.

Juni 1996 bis Juni 1998 Mitglied im Landesvorstand der LandesschülerInnenvertretung Nordrhein Westfalen (LSV NW) und Mitglied im Bundesausschuß der BundesschülerInnenvertretung; Juni 1999 bis Juni 2000 Autonomes AusländerInnenreferat der Uni Marburg; Journalistische Tätigkeiten.

Seit 1991 Mitglied in der Gewerkschaft (ver.di); Ende 1993 bis 2001 aktives Mitglied der Bundesjugendkommission der Jugendorganisation der DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V.); seit Februar 2003 Mitglied im geschäftsführenden Bundesvorstand der DIDF; März 2005 Gründungsmitglied “Bundesverband der Migrantinnen“.

1995 bis 1996 redaktionelle Mitarbeit bei „Tatsachen“; 1996 ein Jahr freie Mitarbeiterin in der Europaredaktion der türkischsprachigen Tageszeitung „Evrensel“; Anfang 1998 bis 2001 Mitglied im Redaktionskollektiv der Zeitschrift „junge Stimme“; seit April 2002 freie Mitarbeiterin bei „Evrensel“; nebenher Übersetzerin für verschiedene Publikationen.

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39 Kommentare
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  1. Johanna sagt:

    >Bevölkerungsanteil mit türkischem Zuwanderungshintergrund<

    Wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit haben, dürfen sie gern. Warum werden sie trotzdem "Türken" genannt?

  2. municipal sagt:

    @Andreas Scholz

    Nix „Gewaltenteilung“ .

    Repräsentanten im deutschen Parlament sind die von DEUTSCHEN,volljährigen Bürgern gewählten Abgeordneten, die ebenfalls deutsche Staatsbürger sind, und sein müssen.

    Wie eigentlich in JEDEM demokratischen Land dieser Erde. Und GANZ IM SINNE
    unserer Verfassung,

  3. Markus Hill sagt:

    Das ist ja gerade eines der Problempunkte. So lange ich ständig diesen „Popanz“ Migrationshintergrund als scheinbares Qualifikationsmerkmal hochhalte und auch gut pflege, haben wir auch solche „verschrobene“ Bezeichnungen für bestimmte deutsche Staatsbürger. Die sich dann natürlich wiederrum auch beschweren können, dass man Sie halt noch immer nicht als vollwertige deutsche Staatsbürger betrachtet.
    Sie werden nicht soviele Polen, Vietnamesen oder Italiener im deutschen Parlament finden. Obwohl es dort bestimmt viele Vertreter mit diesen Migrationshintergründen gibt. Die Identifikation mit dem Land ist vielleicht höher, vielleicht ist denen aber das auch nicht so wichtig – weil sie sich ja gerade für ein DEUTSCHES Parlament haben wählen lassen wollen. Im Nachhinein wären vielleicht dann einige Wähler etwas verwirrt, das kostet dann auch wieder Stimmen.:-)

  4. Das ist gerade kein Popanz, sondern die schlichte Wirklichkeit.
    Die inländische Bevölkerung setzt sich aus höchst unterschiedlichen Gruppen zusammen.
    Das sollte man vielleicht nicht als Qualitäts- wohl aber als schlicht vorhandenes Unterscheidungsmerkmal akzeptieren.
    Wenn Sie zum Vergleich einmal schauen, wie die „Volksparteien“ mit dem Thema Vertriebene heute noch umgehen, könnten Sie zu erfrischenden Erkenntnissen kommen.

  5. Markus Hill sagt:

    Natürlich, Popanz war auch etwas überzeichnet als Begriff. Meiner Ansicht nach sollte es aber irgendwann kein Thema mehr sein, ständig irgendwelche Ethno-Kürzel zu pflegen. Man kann in jedem Lebenslauf oder auch bei Statements durchaus auf die Herkunft hinweisen, aber irgendwann ist es einfach überflüssig. Einen türkischstämmigen Deutschen wird man noch in Generationen an seinem Namen identifzieren können, dann ist er ein normaler Bestandteil der deutschen Einwanderungsgeschichte (so wie heute z. B. die Polen im Ruhrgebiet, anhand des Namens ähnlich). Natürlich, dass kann noch eine Generation dauern.
    Vertriebene bringe ich nicht in Zusammenhang mit der Migrationsthematik. Ein völlig unterschiedlcher Sachverhalt, ganz andere Baustellen. Deutsche Staatsbürger, enge Bindung aufgrund der Geschichte, erklärte Verantwortung der Regierung (wie für die Landsleute in der ehemaligen DDR). Das würde ich nicht vermischen.
    Vertriebene -Vertriebenenverbände: Richtig, die sind in der Diskussion klar als Interessengruppe erkennbar. Man kann da durchaus eine sehr kritische Meinung zu haben. Natürlich kommen die nach und nach (sie machen ohnehin nicht viele Probleme im Sinne von finanzieller Belastung für Gemeinwesen etc.) hier an. Natürlich verursachen sie auch Spannungen in Diskussionen. Unter dem Strich geht diese Gruppe in Nicht-Bindestrich-Deutscher, sondern scheinen sich vollkommen mit diesem Land zu identifizieren und fühlen sich wohl auch völlig angenommen (das könnte ein Unterschiedspunkt sein, Vermutung).

  6. Markus Hill sagt:

    PS: Ich fände es schön, wenn man es in Zukunft bei Wahlkämpfen nicht mehr erleben würde, dass türkische Verbände zur Wahl von „Türken“ für das deutsche Parlament aufrufen würde. Das erscheint mir absolut sachfremd für eine Wahlentscheidung (im Zweifelnsfalle spricht es gegen die Gemeinwohlorientierung des Politikers, verschafft ihm einen „zweifelhaften“ Ruf, siehe C.Ö.-Diskussion bei den Grünen). Genauso daneben würde ich es empfinden, wenn deutsche Parteien extra dazu aufrufen würden, möglichst nur DEUTSCHE Politiker zu wählen. Die Sache (passives Wahlrecht, Staatsbürgerschaftsvoraussetzung) ist als Disskussionspunkt ohnehin mehr als fragwürdig, da die Sachbasis fehlt. (Wir wählen halt gerade deutsche Staatsbürger in das deutsche Parlament, mit und ohne Migrationshintergrund).

  7. Horst sagt:

    Sahra Wagenknecht (Die Linke) haben sie vergessen! Ihr Vater ist Iraner.

  8. Friedolin Bloghus sagt:

    Ich bin fassungslos über Sie, Frau Merkel. Und frage mich sogar, ob sie eine Deutsche sind. Wir haben uns um Demokratie verdient gemacht. Wir sind mit der schlimmsten Diktatur „gesegnet“ und fertig geworden, die sich Europa je herausnehmen konnte. Wir kennen die Zeichen.

    Sie stecken ihre Nase in die Töpfe der schwächsten Mitglieder unserer Europäischen Gemeinschaft, aber Sie schaffen es nicht ihren Mund aufzumachen, und ihre Stimme gegen Erdogan zu erheben. Distanzieren Sie sich endlich !!! Mischen Sie sich ein. Diesen Vorwurf kann man ihnen nicht mehr machen. Der ist längst ´raus! Deutschland – Geberland? Wir wollen nicht als Profiteure in die Zeit eingehen. Wir können und wollen für einen gerechten Ausgleich einstehen. Aber sie unterlaufen dieses Deutschland, dem gegenüber Sie schweigen und die Augen verschließen. Merkels Deutschland gibt den Ton an, wenn es ihm wichtig genug ist : Die Türkei ist uns Deutschen nah. Türkei ist für viele Deutsche, die meine Welt ergänzt und erwärmt haben, zuhause. Wir teilen ohne es zu wissen. Distanzen lösen sich in der Verbindung zueinander auf. Offenbar haben sie für diese Nähe keine Antennen. Das ist bedauerlich. Ihre Nase schnüffelt offenbar fremd, in Sarrazins bunten Bilderbüchern, das von unüberwindbaren Grenzen strotzt. Deshalb hat das so gestört und alle verletzt. Wo aber jetzt über die türkisch-deutsche Allianz hinweg geschwiegen wird, – das überrascht doch zutiefst. Wer auf ihren Einsatz wartet, läuft den Wölfen geradewegs ins Maul, Frau Merkel.

    Sie diffamieren Deutschland. Sie reduzieren uns Deutsche auf weniger als WIR, das Volk als Ganzes sind. Schauen sie nach Osten, Heimat, 1989, und dann zurück nach Deutschland um nochmal neu zu überdenken, bevor Sie daraufhin ihren Blick in die Türkei richten. Kommen Sie mit einer verbindenden Regierungserklärung etwas aus sich heraus, finden Sie deutliche Worte dafür, daß sie sich von der menschenverachtenden Politik Erdogans als Deutsche distanzieren. Das ist ein Muss! Besondere Sensibilität gegenüber jeglicher Diktatur in welchem Stadium auch immer sie sich zu erkennen gibt, erlaubt Mißachtung. Hier greift deutscher Standard als Qualitätsmerkmal mal zu Recht. Nur bei Ihnen ist davon kein Wort zu hören

  9. […] als die Hälfte von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Im aktuellen Bundestag gibt es lediglich 20 Abgeordnete mit Migrationshintergrund (bei 622 Abgeordneten ergibt das eine Quote von 3,2 %). Auffallend ist, […]


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