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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Wahlen 2009

20 Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund

20 Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund werden in den kommenden vier Jahren im Bundestag sitzen. Sechs Politiker stellen die Grünen auf, fünf die Linke, jeweils vier die SPD und die FDP. Die stärkste Fraktion im Bundestag, die Union, stellt einen Abgeordneten.

Damit ist die Zahl der im Bundestag sitzenden Abgeordneten nach der Bundestagswahl 2009 auf 20 gestiegen. Mit etwas mehr Glück hätten es mehr werden können. Trotz eines beachtlichen Achtungserfolges – Erststimmenanteil von 29,9 Prozent – hat beispielsweise Grünen-Chef Cem Özdemir den Einzug in den Bundestag über ein Direktmandat verpasst. Er kündigte allerdings an, 2013 noch einmal anzutreten.

Bei Özcan Mutlu (Die Grünen) war es besonders knapp. 68 Grünen-Politiker werden für die nächsten vier Jahre in den Bundestag einziehen. Mutlu wäre der 69. gewesen, wenn die Grünen Bundesweit 0,1 Prozent mehr Stimmen bekommen hätten.

Für Lale Akgün (SPD), die es ebenfalls nicht schaffte, wird ihr Nichteinzug in den Bundestag Konsequenzen haben. Sie hat angekündigt, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen.

Steckbriefe der 20 Abgeordneten mit Migrationshintergrund:

Sevim Dagdelen, DIE LINKE.

Journalistin

1975 in Duisburg geboren; ledig (türkischstämmig).

1997 Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife in Duisburg; 1998 bis 2001 Studium der Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg; 2001 bis 2002 Akademisches Jahr an der juristischen Fakultät University of Adelaide, Südaustralien; seit April 2002 an der Universität zu Köln.

Juni 1996 bis Juni 1998 Mitglied im Landesvorstand der LandesschülerInnenvertretung Nordrhein Westfalen (LSV NW) und Mitglied im Bundesausschuß der BundesschülerInnenvertretung; Juni 1999 bis Juni 2000 Autonomes AusländerInnenreferat der Uni Marburg; Journalistische Tätigkeiten.

Seit 1991 Mitglied in der Gewerkschaft (ver.di); Ende 1993 bis 2001 aktives Mitglied der Bundesjugendkommission der Jugendorganisation der DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V.); seit Februar 2003 Mitglied im geschäftsführenden Bundesvorstand der DIDF; März 2005 Gründungsmitglied “Bundesverband der Migrantinnen“.

1995 bis 1996 redaktionelle Mitarbeit bei „Tatsachen“; 1996 ein Jahr freie Mitarbeiterin in der Europaredaktion der türkischsprachigen Tageszeitung „Evrensel“; Anfang 1998 bis 2001 Mitglied im Redaktionskollektiv der Zeitschrift „junge Stimme“; seit April 2002 freie Mitarbeiterin bei „Evrensel“; nebenher Übersetzerin für verschiedene Publikationen.

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39 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. delice sagt:

    Fest steht doch, dass wir Menschen aus der heutigen Türkei, nicht von sonst woher stammen!

    In der ganzen Diskusion um uns – als Menschen von dort – und unsere Herkunft, also eines Landes, dass sich neuerdings, und das schon seit 1923, „Republik Türklei“ nennt, es sich hier und auch woanders immer wieder ungerecht kritisiert wird, und damit an den Pranger gestellt wird!

    Es ist wohl die mangelnde Wahrnehmung, die mich so umtreibt! Wir wollen das mal anhand des alten Griechenlands und des römischen Reiches festhalten, auch hier ist vieles sehr lange zurück liegend, und dennoch fühlen sich die Menschen dieses Kontinents dieser Geschicht sehr verbunden, die nicht einmal die von Ihnen ist, und das nicht einmal im Ansatz! Es ist eine freiwillige sich selbstherrlich aufoktruierte Vergangenheit!

    Und wir, die wir gerade von dort stammen, will man uns etwas ganz anderes einreden, vor allem, wenn diese auch noch jünger ist und wir aus diesen genannten Regionen stammen!!!!

    Was euch hier natürlich so sehr stört ist, dass man euch mit eurer Jahrhundertlangen getäuschten und euch selbst angedichten herorischen Vergangenheit nun mal erwischt hat, dass ihr euch einer Vergangenheit euch bemächtigt habt, die weder euch gehört hat, noch gehören wird! Das ist es, was ich hier zur Sprache bringen will.

    Ihr wollt von etwas zehren, was euch nie gehört hat, und das auch noch in jeder Beziehung! Sich dieser Wahrheit zu stellen fällt natürlich schwer, wie, wenn ein Hühnerdieb ebben auch erwischt wird!

    Die Menschen dieser Region waren weder inzestuös veranlagt, noch rassisch orientiert. Der Christ heiratete auch mal eine Muslima oder Jüdin, oder auch mal ganz anders herhum. Auch religiöse Übertritte gab es hin und wieder – ohne das jemand deswegen gesteinigt wurde. Eher massakrierten sich wohl Muslime untereinander, als man Christen oder Juden umbrachte, was zu diesen Zeiten ganz anders zuging und wir es noch im 20. Jahrhundert auf dem Balkan noch erleben mussten. Einem Balkan, dass nicht in Afrika oder in Asien liegt!

    Was euch blendet, ist eure kindische und störrische Verneinung dieser Wahrheiten und Tatsachen. Man muss einfach dies von nun an zurechtrücken. Auch, wenn ihr das nicht gerne lesen und hören wollt, wird dies wohl anderen mehr interessieren, damit sie sich von euerer Desinformation befreien können.

    Die Übergänge zur heutigen Zeit, auch im Abendland waren nicht so, wie ihr euch das gerne selbst und vor allem anderen das alles einreden wollt! Es geht hier auch nicht darum die Türkei insgesamt damit in die EU zu bringen, mitnichten ist dies von mir beabsichtigt. Ich bunehe bekannt für eine Gegeberschaft zur EU. Aber ihr könnt nicht mehr weiter so argumentieren, wie gehabt, mit Lug und Trug und Täuschungen wie auch der Verbreitung von Halb- und Unnwahrheiten! Das ist die ganze Traurigkeit. Euer Problem ist natürlich auch,dass ihr keine Jahrhundertelange Tradition als einheitlicher Staat euch erinnern könnt, denn den gab es leider erst nach 1934! Eingeengt mittendrin, war an Ausdehnung und Expansion so auch nicht zu denken, vor allem wer sollte sich mehr ausdehen?! Die Habsburger, die Preußen oder die Bayern u.v.a.? Natürlich wird man fuchsteufel Wild, wenn da einer mit 600 oder 700 Jahre durchgehender Stärke selbstbewußt daher kommt!

  2. delice sagt:

    Weiterhin darf ich folgenden Artikel von greenpeace zur Lektüre Empfehlen, einer Internet-Seite, dass nicht mit einem vermeintlichen oder angeblichen „Übertürkismus“ in Zusammenhang gebracht werden sollte:

    „30. September 2009, 14:39
    Die Araber heißen die Türkei im Orient willkommen

    «Ich glaube, die Türkei ist im Moment ein wenig enttäuscht von der EU – genauso wie wir. Deshalb schauen die Türken jetzt wieder stärker in Richtung Osten», erklärt der syrische Vize-Außenminister Faisal Mekdad. So groß ist seine Begeisterung für die «neue Partnerschaft» mit Ankara, dass er nicht einmal die Manöver der Luftwaffe des syrischen Erzfeindes Israel in der Türkei kritisieren will: «Das sind innere Angelegenheiten, in die wir uns nicht einmischen wollen.»
    …“

    Quelle: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews%5Btt_news%5D=62862&tx_ttnews%5BbackPid%5D=23&cHash=b0d1cc4a50

    Derartiges hören Deutschen eigentlich gar nicht so gern, wir umso mehr!

    Das ist auch das was ich meine: Wer braucht schon noch die EU!!!!

  3. delice sagt:

    Auch, wenn ich das nicht freiwillig tue, auch hier hat sie leider recht. Aber er bezeichnet sich auch nicht als Türke. Noch am Anfang war er stolz, auf seine griechische Großmutter. Aber auch seine Liebschaften rekrutierte er auch allen möglichen Ecken, nur bloß keine Türkin, hies wohl der Leitgedanke! Die Grünen und die SPD suchen sich auch keine Türken oder Türkin, Kurden oder Kurdin, sie such nur Schaufensterpupen, die so ähnlich aussehen und verkleidet sind! Schließlich will man doch auch gar keine Veränderung(en)!

  4. Boli sagt:

    @delice

    Also was Deinen vorletzten Beitrag oben angeht. Ich würde mich freuen wenn die Türkei in dieser Richtung Bündnisse finden würde. Außerdem wäre dies eine gute Möglichkeit für die Türken sich mit den Arabern wieder zu versöhnen. Allerdings sollte dies passieren, glaube ich nicht das bestehende Verträge mit Deutschland und der EU noch bestand haben, was den Aufenthaltsstatus der knapp 3 Millionen Türken und denen in anderen Europäischen Ländern nicht mehr im Sinne einer weiteren Aufenthaltserlaubnis garantiert. Es würde endlich diesen Druck wegnehmen kulturell etwas zusammenbringen zu wollen was sich in Jahrzehnten nicht näher gekommen ist. Mit den Arabern wären diese Probleme für die Türken denke ich lange nicht so groß und es würde der Türkei auch freistehen ob sich das Land wieder stärker islamisieren will oder nicht. Damit wäre allen geholfen. Viel Glück dafür!

  5. Boli sagt:

    @delice

    Ist doch Quark. Ich habe die Kleinasiatische Geschichte vor den Türken angesprochen und die hat erst ca. im 10. Jahrhundert in Kleinasien begonnen. Und was das Osmanische Reich angeht, das war ein Vielvölkerstaat zwangsweise bedingt durch die Eroberungen. Aber letztlich ist dieser genauso wie das römische Reich an seiner Größe zugrunde gegangen.
    Und was die Geschichte angeht zu der wir Deiner Meinung nach nicht dazu gehören. Dir ist aber schon klar das die Römer, Kelten und Germanen einen regen kulturellen und Materiellen Austausch hatten. Bernstein von der Ostsee, Zinn aus Britannien, die Römer haben das Kettenhemd, das Weinfass, den extrem guten Stahl aus Norikum von den Kelten übernommen, man hat in germanischen und keltischen Gräbern griechische Gefäße etc. gefunden. Also der kulturelle Austausch innerhalb der europäischen Völker war schon immer von Irland bis zu Schwarzen Meer recht rege.
    Die Türken spielen hier also erst im Frühmittelalter eine Rolle weil sie sich vorher an der Chinesischen Mauer mit den Chinesen gekloppt hatten bis sie es wohl eingesehen hatten das es bei den Chinesen einfach kein Durchkommen gibt. Erst dann sind sie im Spiel und tauchen erstmals in Kleinasien auf. Und deswegen kann ich es absolut nicht nachvollziehen das Du z.B. den Apostel Paulus versuchst zu türkisieren. Also Mädsche, das war so 60 nach Christus wo er gestorben ist. Er wird also sogar schon zu Lebzeiten von Jesus selbst auf der Welt gewesen sein. Wie kannst Du hier die Türken mit ins Spiel bringen? Erklär mir das mal bitte nur anhand dieses Beispieles. Schau Dir die Biographie von Paulus an und Du wirst Römer, jüdische und andere semitische (arabische) Völker erwähnt finden aber keine Türken. http://de.wikipedia.org/wiki/Paulus_von_Tarsus
    Aber keine Angst diese Geschichte ist kein antitürkisches Komplott. Es ist einfach die Geschichte.
    Und wenn Du Römer definieren willst das können auch viele verschiedene Europäer gewesen sein aber eben auch wieder keine Türken. Ich will ja nicht abstreiten das sich die Turkvölker nach ihrer Ankunft in Kleinasien nach und nach mit den alteingesessenen Bevölkerung zum Teil vermischt haben, nur das gibt den Türken trotzdem keinen Platz frei in der Vorchristlichen und spätantiken Zeit Europas. Nicht einmal der Islam war zu der Zeit bei den Türken angekommen, logischerweise erst eine ganze Zeit nach dem 6. Jahrhundert. Also alles was davor war, no chance. Du scheinst auch zu vergessen das es in ganz Europa (so weit die Römer eben kamen und auch in Kleinasien, auch Übernahme von griechischen Gründungen) es römische Stadtgründungen gibt. Und selbst nach der Völkerwanderung und dem Untergang Roms hat sich jeder König ob in Italien, Frankreich oder Mitteleuropa an das Kaisertum Roms erinnert und hat daran angeknüpft. Und diese kulturelle Verbindung mit Römern und Griechen hat sich wohl auch für Dich unübersehbar in Europa in der Architektur von der Romanik bis zu den Neostilen manifestiert.
    Ich meine was willst Du mir eigentlich erzählen. Gerade die Türken fangen jetzt erst einmal damit an die vortürkischen Fundamente auf denen sie stehen zu akzeptieren ohne völlig in Paranoia gefangen zu versuchen das alles was sie vorfinden für die Türken und ihre Geschichte umzudeuten. Bevor ihr wirklich mit diesem Stück Land Kleinasien eine echte Verbindung eingehen könnt müsst ihr erstmal akzeptieren das Eure Geschichte hier mit der Verdrängung, Bekämpfung und auch Vernichtung alteingesessener Völker und Kulturen begonnen hat bevor Eure eigene Geschichtsschreibung in Anatolien angefangen hat.
    Mein Fazit: Mit den Türken kann man letztlich erst verhandeln wenn Sie als geeintes Volk innere Ruhe ihr eigen nennen können und nicht ihre hausgemachten Probleme international exportieren.

  6. D. E. sagt:

    So viele Bundestags-,Landtags- u. Senatsabgeordnete usw. mit Migrationshintergrund haben die Haltung der Bundesregierung zu türkischen Mitbürger/innen nicht zum positiven ändern können.

  7. Boli sagt:

    So viele Bundestags-,Landtags- u. Senatsabgeordnete usw. mit Migrationshintergrund haben die Haltung der Bundesregierung zu türkischen Mitbürger/innen nicht zum positiven ändern können.

    @D.E.
    Und die Bundesregierung kennt die Haltung verschiedenster Bevölkerungsschichten zu den Türken. Dadurch wäre es politischer Selbstmord wenn die Bundesregierung ihre Haltung wirklich ändern würde, genauso wie die Agenda 2010 für die SPD politischesHarakiri war.

  8. Johanna sagt:

    >drei Türken im neu gewählten Bundestag<

    Was machen Türken in der deutschen Regierung?

  9. guckstu Gewaltenteilung:
    Das Parlament ist nicht die Regierung.
    In Deutschland lebt ein bestimmter Bevölkerungsanteil mit türkischem Zuwanderungshintergrund.
    Diese „Türken“ müssen selbstverständlich eine angemessene Repräsentanz im Parlament finden.

  10. Markus Hill sagt:

    Klingt auch etwas merkwürdig. Auch wg. passivem Wahlrecht. Wahrscheinlich ist „deutsche Staatsbürger mit türkischen Migrationshintergrund“ gemeint.


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