MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Diskriminierung und Chancenungleichheit

UN-Sonderberichterstatter rügt Deutschland

Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stellte fest, dass Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland häufig Benachteiligungen ausgesetzt würden, sei es in der Schule, auf öffentlichen Plätzen oder bei der Suche nach einer Wohnung.

Muigai sagte, die Bundesregierung setze sich deutlich gegen Rassismus ein. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 bezeichnete Muigai als „Meilenstein“. Es seien aber Nachbesserungen notwendig. Die in dem Gesetz verankerte Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist nach Ansicht des Sonderberichterstatters zu weit von lokalen Problemen entfernt. Die Stelle müsse stärker in die Kommunen hineinwirken, um örtlichen Rassismus besser zu erfassen. Ferner müsse die Stelle die Gerichte anrufen können, „wenn berechtigte Klagen bekannt werden“. Die von Dr. Martina Köppen geleitete Stelle kann laut Gesetz in Diskriminierungsfällen nur die Beteiligten um Stellungnahmen ersuchen und Beratung für die Opfer anbieten.

Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund
Muigai gab in seiner Abschlusskundgebung am Mittwoch in Berlin zu bedenken, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufig benachteiligt werden, sei es in der Schule, auf öffentlichen Plätzen oder bei der Suche nach einer Wohnung. Außerdem würden Schulen den Bedürfnissen von Migrantenkindern oft nicht gerecht. Er empfahl, das mehrgliedrige Schulsystem flexibler zu gestalten. Der Kenianer kritisierte, dass Migranten auch der Zugang zu einer höheren Bildung oftmals erschwert werde. So habe er Probleme beim Zugang zu Hochschulen und bei der Anerkennung von Diplomen und anderen Abschlüssen, die im jeweiligen Heimatland erworben worden seien, festgestellt. Muigai warnte, ohne Chancengleichheit für junge Migranten würden „Probleme verewigt“, mit Folgen für den späteren Zutritt zum Arbeitsmarkt. Laut einem Bericht der „Zeit“ kritisierte Muigai auch das Kopftuchverbot. Das Tragen religiöser Symbole schmälere in Deutschland die Chancen bei der Jobsuche, sagte Muigai. Er forderte die Gleichbehandlung aller religiösen Symbole.

UN-Sonderberichterstatter fordert stärkere Partizipation von Migranten
Die Politik müsse Migranten eine noch stärkere Teilhabe ermöglichen, forderte der Universitätsprofessor Muigai. Menschen mit Migrationshintergrund seien im politischen Alltag unterrepräsentiert, „sowohl als Wähler als auch als Abgeordnete“, meinte Muigai und schlug den Parteien vor, mit mehr Eigeninitiative auf deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund zuzugehen. Personen mit Migrationshintergrund seien auch in wichtigen Institutionen, wie Polizei und Gerichte, stark unterrepräsentiert. Muigai forderte die Bundesregierung auf, „besondere Maßnahmen zu ergreifen, um eine angemessene Vertretung von Personen mit Migrationshintergrund in den staatlichen Institutionen, vor allem in den Bereichen Beschäftigung, Bildung und öffentlicher Dienst, zu gewährleisten.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

14 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Majakowski sagt:

    Das ist ja kein Phänomen von heute, dies ist seit 40 Jahren bekannt. Auch die Studie idw. Diese Studie belegt die ethnische Diskriminierung türkischer bewerber auf dem dt. arbeitsmarkt trotz des Antidiskriminierungsgesetzes. In kleineren unternehmen ist die ungleichbehandlung sogar noch ausgeprägter.Ein weiteres interessantes Resultat der Studie: Wurden Empfehlungsschreiben früherer Arbeitgeber mit der Bewerbung eingereicht, hatten die türkischstämmigen Bewerber annähernd gleiche Chancen. Die Ökonomen werten diesen Befund als Beleg für „statistische Diskriminierung“. Des wandern viele türkische Akademiker aus Deutschland aus. Laut TAM (Türkeistudien aus Essen) Faruk Sen bleiben nur die Hauptschulabsolventen und Hartz IV Bezieher in Deutschland. Deshalb benötigen wir dringend eine QUOTEN-REGELUNG in Deutschland gegen diese STAATLICHE DISKRIMINIERUNG!!

  2. Majakowski sagt:

    Trotz all dieser Belege wundert mich die Blauäugigkeit und Naivität unserer landsleute der 3. Generation. Die erste Generation hat sich damit abgefunden weil Sie weder die fachliche noch die sprachliche intellektuelle Qualifikation. Viele der Migranten Jugendlichen 3. Generation sind von den Vorzeige Affen in den Vitrinen (Kelek, L. Akgün, Cem Özdemir etc.) aus Medien, Sport, Kultur, Politik und Wirtschaft sowie lokalen erfolgreichen Einzelpersonen umnebelt und und und somit von der Realität der Fakten der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt der massen und Ihres eigenen Schicksals unbewusst.

  3. Majakowski sagt:

    Die Studie von A. Goldberg und D. Mourinho, die unter der Leitung von Prof. Dr. F. Sen vom Zentrum für Türkeistudien ausgeführt wurde, hat das Ziel zu dokumentieren, ob Ausländer diskriminiert werden, wenn sie sich umausgeschriebene Stellen bewerben. Die Forschungen hierzu wurden in zwei hochindustrialisierten Regionen Deutschschlands ausgeführt, im Rhein-Ruhr Gebiet und in Berlin. Sie umfassten sowohl Arbeitsplätze, die sich am unteren Ende der Qualifizierungsskala befinden als auch Berufe mit höheren Anforderungen, wie z.B. Krankenpfleger, Krankengymnast,
    Bauzeichner und Informatik-Assistent. Es ist FAKT das eine beweissbare DISKRIMINIERUNG auf dem Arbeitsmarkt vorhanden ist!

    Quellen:
    – Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA)
    – idw-online.de/pages/de/news354683
    – ILO
    http://www.ilo.org/public/english/protection/migrant/download/imp/imp07d.pdf

  4. MoBo sagt:

    @ Hans Schneter:

    1. „Ich habe selten ein Volk erlebt, dass so rassistisch ist, wie die Franzosen. Nur die Katalanen haben sie noch übertroffen. Von daher brauchen Sie nicht mit den Franzosen anfangen.“

    Es geht um Menschen in Deutschland. Da ist es egal, wie Menschen in anderen Ländern andere behandeln. Sollen wir in Deutschland die Todesstrafe einführen, weil die das in CHina und den USA machen und sollen wir Frauen diskriminieren, weil das in Saudi Arabien passiert? Nein, albern. Deswegen ist es mir auch egal, wie z.B. Franzosen eingestellt sind wenn es um die Situation in Deutschland geht.

    2. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen:

    „Diskriminierungen wird es immer geben, solange es Mehr- und Minderheiten gibt. Preussen werden in Bayern diskriminiert, Deutsche in der Türke, Türken in Europa, US-Amerikaner in Frankreich, Behinderte unter *Normalos* Popper unter Rockern und so weiter. Dieser Bericht ist Mumpitz.“

    Es gibt einen Unterschied zwischen Touristen mit schlechten Urlaubserfahrungen oder „freiwilligen Feindschaften“ wie Fußballclubs oder Musikszenen und der reellen Diskriminierung von Menschen unter uns. Die einzige Gruppe in der Liste die passt sind Behinderte. Dass es Diskriminierungen häufig gibt ist kein Argument dafür dass es sie geben soll, das ist wie zu sagen „Armut gibt es immer, also einfach alles so lassen,“


Seite 2/2«12

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...