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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Neuer Masterstudiengang

Integration und Interkulturalität

Deutschland ist Einwanderungsgesellschaft geworden und wird es auf absehbare Zeit bleiben. Das Zusammenleben in einer von mehreren Kulturen geprägten Gesellschaft bedarf der praktischen Gestaltung. Die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd vermittelt mit ihrem neuen Master „Interkulturalität und Integration“ die dafür notwendigen Kompetenzen.

DATUM3. Juli 2009

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RESSORTGesellschaft

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Ab dem kommenden Wintersemester werden in diesem Studiengang Fach- und Führungskräfte für Bildungseinrichtungen, Wohlfahrtsverbände, kulturelle und wissenschaftliche Organisationen und die öffentliche Verwaltung sowie größere Unternehmen ausgebildet. Zentrale Gebiete des Studiengangs sind die Fächer Pädagogik, Soziologie und Deutsch.

Der Soziologieprofessor Dr. Stefan Immerfall ist einer der Verantwortlichen des neuen Studiengangs. Er beschreibt die anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben: „Wirtschaft, Politik, Verwaltungen und Bildung müssen sich der größer werdenden sozialen und kulturellen Vielfalt stellen. Die schon Zugewanderten müssen besser eingebunden, ihre Fähigkeiten besser genutzt werden. Den benötigten hochqualifizierten Migranten muss sich eine offene Gesellschaft präsentieren.“ Hier – so Immerfall – seien Menschen gefragt, die die sozialen und kulturellen Begleit- und Folgeerscheinungen von Migration und Integration professionell und aktiv gestalten. „Um nur einige Bereiche zu nennen: Verwaltungen müssen sich interkulturell öffnen, Unternehmen die Potenziale der zugewanderten Erwerbspersonen besser erschließen (z. B. in technischen Berufen), Kommunen den sozialen Zusammenhalt vor Ort verbessern, schulische Einrichtungen und Hochschulen kulturdiverse Lehr- und Lernprozessen organisieren, Förder- und Inklusionsprojekte ihre Ressourcen effektiv einsetzen.“

Da Interkulturalität und Integration keine isolierten Bereiche sind, ist der Studiengang interdisziplinär angelegt. Die drei Kernfächer sind Deutsch, Erziehungswissenschaft und Soziologie. Das Fach Deutsch behandelt Mehrsprachigkeit, Kontextbedingungen von Zweit- und Fremdsprachenerwerb in schulischen und außerschulischen Praxisfeldern und Sprache als Kulturträger. Die Erziehungswissenschaft untersucht Lernen, Entwicklung und Sozialisation und setzt sich mit Bildungskonzepten und didaktischen Modellen im internationalen Vergleich auseinander. Die Soziologie trägt zum Verständnis und zur Bewältigung gesellschaftlicher Konfliktfelder bei. Hinzu kommt ein breites Angebot aus weiteren Bereichen: Religionswissenschaft, Ökonomie, Geschichte, Psychologie, Jura, Naturwissenschaft und Technik, Sozialgeographie und Kultur-anthropologie, Statistik und Methodenlehre, Projektorganisation und -management.

  • Der neue Studiengang richtet sich an qualifizierte Hochschulabsolventen und an Berufstätige in unterschiedlichen Arbeitsbereichen, die nach ersten Berufserfahrungen entsprechende Zusatzqualifikation erwerben wollen.
  • Die Bewerbung ist jeweils zum Wintersemester möglich (Bewerbungsschluss: 15.Juli)
  • Zulassungsvoraussetzung: Bachelor oder Äquivalent
  • Dauer: 4 Semester; der Studiengang kann in zentralen Teilen auch berufsbegleitend studiert werden.
  • Studiengebühren: 500 Euro Vollzeit und 250 Euro Teilzeit (15 Leistungspunkte pro Semester)
    Der Studiengang schließt mit dem „Master of Arts“ ab.
  • Weitere Informationen: IKU@ph-gmuend.de

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Karin Priem erklärt, wieso gerade die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd einen solchen Master-Studiengang anbietet: „Interkulturalität ist eines der ausgewiesenen Profile der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Unsere Einrichtung verfügt über langjährige Erfahrungen im Bereich der interkulturellen Bildung und Erziehung, des Zweit- und Fremdsprachenerwerbs, der Projektorganisation sowie der Durchführung von Interventionsprogrammen und Förderprojekten.“

Ein Beispiel für besonders erfolgreiche Projektarbeit ist das von der Stiftung Mercator geförderte Projekt „Integration durch Bildung“ unter der Leitung der Deutschprofessorin Dr. Maria E. Brunner, die auch im Leitungsteam des Studiengangs mitwirkt. Eine vor wenigen Tagen erschienene unabhängige Studie bescheinigt dem Schwäbisch Gmünder Projekt eine große Wirksamkeit – weshalb die Stiftung Mercator das Projekt auch die nächsten zwei Jahre unterstützen wird. „Integration durch Bildung“ ist eines der Projekte, in dem Studierende des Masterstudiengangs selbst Projekterfahrungen sammeln können.

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