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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978
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Studie

Muslimisches Leben in Deutschland

In Deutschland leben wesentlich mehr Muslime als bislang angenommen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Auftrag der Islamkonferenz erstellt hat. Es soll am kommenden Donnerstag auf der Deutschen Islamkonferenz in Berlin vorgestellt werden.

Für die Studie wurden 6004 Personen ab 16 Jahren aus 49 muslimisch geprägten Herkunftsländern zu Religion und Integration befragt. Mit den Angaben über Haushaltsmitglieder stützt sich die Auswertung auf fast 17 000 Personen.

Muslime und Staatsbürgerschaft
Bisher ging man von etwa 3,1 bis 3,4 Millionen Muslimen aus. Die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass es bis zu 4,3 Millionen Muslime sein müssen. Die neuen, höheren Zahlen erklärt die Studie damit, dass jetzt erstmals mehr Herkunftsländer und außerdem auch die Nachkommen eingebürgerter Muslime berücksichtigt wurden.

Mehr als die Hälfte, nämlich 2,5 bis 2,7 Millionen, haben türkische Wurzeln. Je etwa 600 000 stammen aus Südosteuropa und aus arabischen Staaten. Der Erhebung zufolge haben 45 Prozent der hier lebenden Muslime ausländischer Herkunft einen deutschen Pass, 55 Prozent eine ausländische Nationalität.

Mitgliedschaften und Religiosität
Auch in Bezug auf Mitgliedschaften in Vereinen überrascht die Studie. Während vier Prozent ausschließlich Mitglied in einem herkunftsbezogenen Verein ist, ist jeder zweite Muslim ist Mitglied in einem deutschen Verein. Jeder fünfte Muslim und jede fünfte Muslima gaben eine Mitgliedschaft in religiösen Vereinen und Gemeinden an.

Ein Drittel bezeichnet sich als „stark gläubig“ und die Hälfte als „eher gläubig“. 13,6 Prozent gaben an, eher nicht oder gar nicht zu glauben. Besonders ausgeprägt ist die Religiosität bei türkischstämmigen und afrikanischen Muslimen. Mit Ausnahme der Muslime aus dem Iran und Zentralasien, halten sich die Muslime weithin an Speisevorschriften und Fastengebote, vor allem die Sunniten. 70 Prozent der Frauen tragen nie ein Kopftuch und unter den stark gläubigen Musliminnen bedeckt jede Zweite ihr Haar. Zugewanderte Muslima tragen das Kopftuch häufiger täglich (25,2 Prozent) als in Deutschland geborene (17,8 Prozent).

Bildung und Schule
Am häufigsten fürchten muslimische die Eltern um ihre Töchter bei Klassenfahrten, hier bleiben fast zehn Prozent der Musliminnen Zuhause. Von hundert Befragten gaben sieben an, ihre Töchter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen zu lassen, vier wollten ihre Mädchen vom Sexualkundeunterricht fernhalten. Das ist weniger als der Bundesdurchschnitt. 15 Prozent aller Eltern wollen ihre Töchter aus religiösen und anderen Gründen vom Sexualkundeunterricht fernhalten. Der Boykott betreffe demnach „eine Minderheit“, so die Studie. Der Großteil (76 Prozent) würde sich auf der anderen Seite freuen, wenn die Schulen einen islamischen Religionsunterricht anbieten würden.

Download: Muslimisches Leben in Deutschland

Problembereich Bildungsniveau ist laut Studie aber nicht zu übersehen: Trotz eines in der zweiten Generation feststellbaren Bildungsaufstiegs ist die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss hoch und der Anteil der Abiturienten gering. Türkische Einwanderer haben, neben solchen aus dem Nahen Osten den weitaus niedrigsten Bildungsgrad. Schlechter steht es um die Bildungsabschlüsse bei arabischen Zuwanderern. Ausschlaggebend sei nicht die Religion, sondern vor allem der Bildungsgrad der Eltern, heißt es. Gerade bei den türkischen Frauen der ersten Zuwanderergeneration lägen auf diesem Gebiet „extrem niedrige Werte“ vor.

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28 Kommentare
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  1. Markus Hill sagt:

    Danke. Eine klare Aussage. Dann ist es kein Wunder, dass die ständig Gegenwind bekommen. Das ist ein normaler Interessengegensatz, da wird wohl der Gesetzgeber eher der Europavariante (statt neutral evtl. noch Zusatz von Christentum-light:-) bevorzugen.

  2. Markus Hill sagt:

    Beispielzitat, zieht sich bei vielen anderen Beiträgen als Ansatz durch:
    „Es gehört wohl auch zum allgemeinen Unverständnis, der bekennenden Unkenntnis und der selbstbewussten und lässigen Art so manches hier einfach, bewusst und selbstverständlich vieles wild zu vermengen.“

    Was ist eigentlich Ihr Ziel mit solchen und anderen unterschwelligen Unterstellungen, Beschimpfungen und Verallgemeinerungen zu arbeiten? Wollen Sie damit die anderen Diskussionsteilnehmer damit mehr für Ihre Ansichten gewinnen? Ein Sympathiefeld aufbauen? Sind Sie der Überzeugung, dass Sie selber über eine einzigartige überdurchschnittlich-grosse Klarheit im eigenen Denken verfügen und über Kenntnisse verfügen, die anderen nicht zugänglich sind?

  3. delice sagt:

    Ich denke, wenn man hier öffentlich etwas kundtut sollte man ein gewisses allgemeines Grundwissen schon mitbringen. Die fehlt leider bei vielen der Teilnehmer. Was mich anödet und auch oft genug ärgert ist die zum Teil ungebremste Kritik an uns und auch über den Islam. Niemand will hier eine Feindschaft aufbauen, aber ein weiter so kann es auch nicht geben, wenn wieder einmal über uns (ab)geurteilt wird – ohne uns genauer zu kennen!

    Es wird einfach zu viel vermengt und durcheinandergebracht, und immer in der Hoffnung, dass die Vorbehalte und der Hass sich festigen oder gar ausbreiten. Sicherlich sind wir und szehen wir einer Kritik offen. Nur darf sie nicht weiterhin in eine Richtung laufen, dass wir einen Nachteil verspüren müssen, dass wir uns immer wieder von neuem erklären müssen. Ich bitte deshalb wenigstens um eine konstruktive Kritik und das Vermeiden von pauschalen Werturteilen, die nie der Realität entspringen.

    Auch wir möchten ernst genommen werden. Wir wollen nicht immer als kleine Kinder behandelt werden, die sich gefälligist unterordnen müssen. Das alles und vieles mehr vermittelt ihr mit eueren Texten!

    Und da kann es eben vorkommen, dass wir uns das nicht mehr bieten wollen! Außerdem hat man hier in Deutschland das Gefühl, dass nicht neutral bewertet wird, dass man immer noch immer einen braucht, der den Buhmann spielen soll. So etwas bringt uns eben auch bis zur Weißglut. Wer das alles eben nicht verstehen kann, will das auch nicht vfür die Zukunft vererstehen! Vielleicht sollten wir auch aufgeben – zu versuchen – uns euch immer wieder von neuem zu erklären? Denn ihr lest wahrscheinlich nicht einmal unsere Texte. In eueren Köpfen ist da eine Barriere eingebaut, ein großes Unverständnis und ein großes Hindernis die Lebenswirklichkeit anzuerkennen, denn eure Gedankenwelt ist ja wie eine Festung zu sehen, mit hohen und unüberwindbaren Mauern versehenem Wall umringt. Wenn ihr von etwas wirklich eingenommen seid, dann ist an ein Abrücken von dierser euerer eingebildeten Wahrheit nicht mehr abzubringen, das steht dann so sicher wie das Amen in der Kirche! Und das ist ein Absolutheitsanspruch, der schon wieder Ketzerisch ist, weil es sich beinahe schon mit Gottes Wort gleichsetzt! Das erleben wir täglich aufs neue im Leben in Deutschland, bis dann einerkommt der stärker ist, aber das ist mal sehr selten! So wieich deutsche im allgemeinen kennengelernt habe sind die meisten nicht fähig mit Selbstkritik umzugehen. Und an eine Kritik an diesem und jenem Vorfall ist fast schon beinahe undenkbar! Hier hat mandieWahrheiten geradzu gepachtet, und alles andere ist nunmal unwahr!

  4. delice sagt:

    in welcher Welt leben Sie eigentlich. Das waren, wie eben auch im christlichen Abendland absolute Herrscher, und es war die Zeit der Monarchien mit nur einer Meinung! Die Demokratie gibt es seit kurzem! Nun, die Muslime hatten wohl auch im Abdendland nichts zu melden -Oder?! So etwas nur zu vergleichen zeugt von einer falschen Vorstellung. Und warum sollten, nach ihrer Denkvorstellung gerade Christen besonders gut behandelt werden. Im Übrigen waren Juden hochangesehen und waren oft der zweit Mann in den Reichen des Islam!

    Heute in einem Deutschland diskutieren wir doch die gleichen Themen, und das auch noch im 21. Jahrhundert nach einer vermeintlichen Aufklärung und Humanismus, wo sich der Staat angeblich zur strikten Neutralität gegenüber den Reliigionen ausgesprochen habe! Wo sind dann unsere Rechte, als türkische Staatsbürger und Muslime? Man versagt uns sogar unsere Existenzberechtigung, um den kleinen Umweg einer sehr kurzfristigen Eigenschaft als ehemaliger Deutscher. Und das schärftste ist auch noch zudem, dass dies selbst das ganze Ausmaß des unerträglichen Unrechts (§ 38 Aufenthaltsgesetz) nicht einmal das höchste Deutsche Gericht, nämlich das Bundesverfassungsgericht nicht die Bohne interessiert, wie natürlich auch den deutschen Gesetzgeber! Denn diebelässt uns immer noch, auch zu Deutschen gewordenen in diesesen unhaltbaren rechtlich Zustand!! Niemanden interessiert es in Deutschland, auch nicht die Medien, obwohl die Zahl der direkt Betroffenen in die Zehntausende geht; und Millionen der Betroffenen nur türkische und muslimische Staatsbürger sind!

    Heute können hunderrte Millionen dieses Recht der doppelten Staatangehörigkeit – ohne weiteres und ohne Nachteile, wie den Entzug bzw. Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft – erwerben. Aber nur türkischen Staatsbürgern ist die nicht erlaubt! Sie verlieren zudem auch noch ihre vorherigen Rechte im Aufenthaltsstatus!

    Und sie – mit Verlaub – schwaffeln von einem vermeintlichen und nicht beweisbaren Unrecht im 16. Jahrhundert!
    Versuchen einmal die Wirklichkeit von heute in Deutschland zu verstehen und kommen dann mit diesen in den Raum gefurzten Zitaten!

  5. delice sagt:

    Mittlerweile kann man getrost davon sprechen, dass der einzige Hinderungsgrund für die Vorbehalte gegeenüber der Türkei und die Abweisung dieses Landes religiös untermauert wird uns auch ist!

    Ich jedenfalls bin für den Abruch den Beitrittsgespräche über den Vollbeitritt der Türkei! Dies alles bringt der Türkei nichts! Wenn schon die Piraten-Insel Island nun doch in die EU will, dann spricht das geradezu Bände, gerade jetzt noch die Kuruve zu packen und sich gen Osten, Norden und Süden sich als Land, wie die Türkei zu entfalten!

    Amerika, der ganze Nahe Osten und auch mit dabei natürlich ebenfalls Israel, wie auch Russland, Zentral Asien, Nordafrika und der Ferne Osten müssten doch ausreichen – Oder?! Wer braucht schon eine Vollmitgliedschaft zur EU noch? Die bisherigen Verträge reichen aus um mit den Ländern der EU auszukommen – eine Vollmitgliedschaft wäre ohnehin nur Hemmschuh und ein totaler Verlust an Unabhängigkeit der Türkei! Schließlich ist die Hauptstadt der Türkei nicht Brüssel, sondern Ankara!

  6. municipal sagt:

    @delice

    Ich habe mir nun geraume Zeit Ihre „Pampflete“ hier bei MIGAZIN reingezogen, die summa sumarum die sog. Vorurteile der deutschen Gesellschaft bestätigen würden, wenn ich nicht wüßte, das es bei Migranten (glücklicherweise) auch andere, vernunftbegabte Menschen gibt.

    …nach einer vermeintlichen Aufklärung und Humanismus, wo sich der Staat angeblich zur strikten Neutralität gegenüber den Reliigionen ausgesprochen habe!

    Wo bleibt die vermeintliche „strikte Neutralität“ der Religion/Ideologie ISLAM (sprich „politischer Islam“) dem Staat gegenüber , z.B. staatlicher Organisationen wie DIYANET/DITIB ?

  7. Markus Hill sagt:

    Richtig. Ich stimme Ihnen zu. Es gibt Unterschiede in Ihrer Selbstwahrnehmung beim Schreiben Ihrer Kommentare und der Fremdwahrnehmung Ihrer Kommentare durch andere Diskussionsteilnehmer. Ich habe sachlich Fragen gestellt, wieder der gleiche Effekt. Glücklicherweise bin ich wohl nicht der einzige Teilnehmer mit dieser Erfahrung. Wahrscheinlich haben sich auch die anderen mit der unsachlichen Kritik an Ihrem Diskussionsstil gegen Sie verschworen. So, wie sich wahrscheinlich die ganze deutsche Bevölkerung und die anderen Migrantengruppen gegen die Türkei und den Islam verschworen haben. Die beste Voraussetzung für eine sachliche Diskussion ist immer, dem Gegenüber alles Böse zu unterstellen (Pflicht). Kür wäre es, wenn man das auch fortwährend mit Beschimpfungen, Verdächtigungen und Unterstellungen garniert. Die absolute Königsklasse ist es, wenn man als Schreiber bereits weiss, was das Gegenüber denkt. Sie haben es ja zum Ausdruck gebracht. Sie wissen wie die anderen denken, sie wissen wie die Deutschen denken. Ausserdem wissen Sie so und so mehr als alle anderen Diskussionsteilnehmer. Sie besitzen eine sehr strukturierte Art und wägen sehr sauber Für und Wider ab. Da ist man als Diskussionsteilnehmer vor Ehrfurcht fasst sprachlos.

  8. municipal sagt:

    @delice

    Nicht unter, sondern EIN-ordnen.Und NICHT absondern.


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