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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

BAMF-Integrationskurse

Sollen die Träger mehr Geld bekommen?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist eine relativ junge Einrichtung, die neue Schritte im Bereich der Migration und Integration geht. Sie arbeitet mit anderen Einrichtungen wie z.B. AWO, Caritas, VHS, Netzwerk Deutsch e.V. etc. zusammen, die alle im Auftrag des BAMF Integrationskurse (Deutschunterricht) für Ausländer anbieten.

VONDr. Askim Müller-Bozkurt

Dr. Askim Müller-Bozkurt, geb. 1966 in Kayseri/Türkei, lebt zur Zeit in Kerpen. Zu ihren beruflichen Aufgabenschwerpunkten zählen Politische Vergleiche und Analysen von interkulturellen, interreligiösen und migrationspolitischen Bereichen. Seit Mitte 2006 verfolgt sie diese Schwerpunkte im Rahmen ihrer freiberuflichen Tätigkeit beim Internationalen Forschungsinstitut für Wirtschaft, Politik und Bildung e.V. (IFWPB). Zudem ist sie sachkundige Bürgerin im Lenkungsausschuss Integration der Stadt Kerpen.

DATUM25. Mai 2009

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Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist eine relativ junge Einrichtung, die neue Schritte im Bereich der Migration und Integration geht. Sie arbeitet mit anderen Einrichtungen wie z.B. AWO, Caritas, VHS, Netzwerk Deutsch e.V. etc. zusammen, die alle im Auftrag des BAMF Integrationskurse (Deutschunterricht) für Ausländer anbieten.

Diese Einrichtungen werden zuvor als Träger der Integrationskurse aufgrund nachprüfbarer Kriterien zugelassen. Da es sehr unterschiedliche Träger gibt, ist eine Verallgemeinerung der Trägerschaft nicht möglich, wie etwa in Bezug auf Etabliertheit, Qualität der Arbeit, Qualität und Bezahlung der Dozenten etc.

Nächstes Jahr sollen die Träger mehr Geld pro Teilnehmer für ihre Kurse erhalten. Es wäre wünschenswert, wenn BAMF nur die Träger finanziell unterstützt, die qualitativ gute Arbeit leisten und entsprechende Qualitätsstandards einhalten. Dies betrifft nicht nur die Bezahlung der Dozenten, die von Träger zu Träger zwischen 9,- EUR/Std. bis zu 23,- EUR/Std. variiert. Es betrifft auch die Einhaltung von inhaltlichen Qualitätsstandards, welche das Bundesamt mittels der Verpflichtung der Dozenten zur Teilnahme an einer Zusatzqualifizierung für Deutsch als Zweitsprache (DAZQ) zu steuern versucht.

Durch eine Erhöhung der finanziellen Mittel für die Träger erhoffen sich auch die Dozenten der Integrationskurse eine Erhöhung ihrer Honorare.

Ein Dozent, der nicht über entsprechende methodisch-didaktischen Kenntnisse verfügt, wird bei der zumeist recht heterogenen Gruppe der Teilnehmer schnell an seine Grenzen stoßen. In diesen Kursen sitzen Teilnehmer, die zwischen 20 und 60 Jahre alt sind. Ob Hochschulabsolvent, Grundschul-Absolvent oder Hausfrauen: Im Integrationskurs fast aller Träger scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Teilnehmer hinsichtlich Alter und Qualifikation zu unterscheiden. Dies liegt meiner Ansicht nach auch an den BAMF-Richtlinien, wonach es erst ab einer bestimmten Größe des Kurses eine Zuwendung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gibt. Welche Konsequenzen dies zeitigt, wird auch teilweise daran deutlich, dass in den letzten Jahren eher Höherqualifizierte die Integrationskurse leichter bestanden als lernschwächere Teilnehmer. Dies hat auch rechtliche Konsequenzen für die Teilnehmer. Beispielsweise können Teilnehmer sogar aufgrund des Nichtsbestehens des Integrationskurses abgeschoben werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint eine Erhöhung der finanziellen Mittel für die Träger genauso wichtig, sowie eine Erhöhung der Qualitätsstandards, um die rechtliche Situation der Teilnehmer angemessen berücksichtigen zu können.

Für die Teilnehmer der Integrationskurse wären zudem berufsbezogene Praktika sowie individuelle Schnupperphasen in Betrieben wünschenswert, da viele der Teilnehmer eine schnelle Integration in gesellschaftliche Strukturen durch Arbeit favorisieren. Mit einer Erhöhung der Teilnehmergebühren in den Integrationskursen lassen sich eventuell auch kleinere Kurse mit einer alters- und qualifikationsgerechten Aufteilung und entsprechender Einbindung in Betrieben realisieren. Dies wäre meiner Ansicht nach sowohl für die Integrationskurs-Teilnehmer, die Träger und auch für Staat und Gesellschaft eine im wahrsten Sinne des Wortes „integrative Sache“.

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3 Kommentare
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  1. elimu sagt:

    Mein Mann besucht derzeit auch einen Integrationskurs. Sie haben recht… Viele der Lehrer arbeiten dort für wenig Geld. Aber die andere Seite, also der Teilnehmer-Bereich hat es manchmal auch nicht einfach.

    Ich bin berufstätig und mein Mann nicht. Der Kurs soll ja Erfolg bringen, daher ist es uns wichtig, dass er sich vollkommen der deutschen Sprache bzw. dem Kurs widmet. Als Alleinverdienerin liege ich über der Grenze von 1.100€ , daher müssen wir für den Kurs jeden Monat 100€ aufbringen. Für viele scheint dies zwar nicht viel zu sein, aber für uns ist es schon eine schwierige Sache. Ich beiße momentan in den sauren Apfel, aber ohne Eltern & Co. wären wir wohl Mitte des Monats etwas arm dran…

    berufsbezogene Praktika sind schon eine sehr gute Idee.. diese aber umzusetzen, ist wohl fast unmöglich.
    Fragen Sie mal nach der Anerkennung der Berufe in Deutschland. Ich habe es bei der IHK versucht… 🙂
    Sie haben uns friedlich entgegengelächelt und erzählt, dass das nicht geht. Vor allem, wie soll man dieser Menge an Berufsrichtungen praktika vermitteln können?

    Im Deutschkurs meines Mannes gibt es eine Rechtsanwältin, einen Arzt, Bauarbeiter, Dj`s aus Antalya und Co.
    Na dann viel Spaß. Wir machen auf jeden Fall das Beste draus uns sehen selbst zu, wie wir diesen 9-10Monatigen Integrationskurs bewältigen und uns danach auf Jobsuche machen.

  2. Harald Kohler sagt:

    Leider streift der Artikel nur das Problem der Integrationskurse. Dass es mehr Geld für Integrationskurse geben soll, bedeutet nicht, dass die Kursleiter mehr Geld bekommen, denn die Zahl der Kurse wird zunehmen. Die Kursleiter arbeiten aber jetzt schon für ein Netto-Gehalt unter der Armutsgrenze.
    Dass nicht einmal jede/r Zweite das Zertifikat in diesen Kursen schafft – wen wundert´s bei solchen Hungerlöhnen?
    Und ob Kurse mit 600 oder in Ausnahmefällen 900 Stunden nicht diskriminierend sind? 1200 Stunden wären mindestens wohl angebracht, wenn es um qualifizierte Arbeit geht und nicht um „jobs“ wie Pizzafahrer, Produktionshelfer oder „Praktikantin“ in einem Kindergarten.

  3. ibo sagt:

    ich finde Firmen, die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund suchen, können doch z.B. in einer Art Sponsorfunktion diese Kurse unterstützen. Auch eine Arbeitsplatz-Angebot wäre z.B. reizvoll.

    Das wäre ein sehr guter positiver Imagegewinn für Firmen und eine extra Motivation für Migranten, diese Kurse tiptop zu bestehen. Außerdem würde der Staat entlastet werden.



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