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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Studie

Jeder dritte türkische Akademiker sieht seine Zukunft in der Türkei

Türkische Akademiker fühlen sich in Deutschland zu Hause, doch trotzdem will jeder dritte nach dem Studium lieber in der Türkei arbeiten, so eine neue Studie. Grund: Sie fühlen sich nicht richtig anerkannt.

Aus einer Untersuchung des Instituts futureorg, die von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung präsentiert wurde, geht hervor, dass 36 Prozent der jungen türkischstämmigen Akademiker ihre Zukunft in die Türkei sehen und nicht in Deutschland. 41 Prozent von ihnen geben als Grund ein fehlendes Heimatgefühl in Deutschland an. Diese Begründung geben insbesondere männliche Befragte an, deren Eltern die deutsche Sprache nicht beherrschen.

Bei den weiblichen Jungakademikern und Studierenden stehen berufliche Gründe im Vordergrund. Sie versprechen sich auf dem Arbeitsmarkt in der Türkei größere Chancen als in Deutschland.

Die Türkei bietet gute Aussichten in vielerlei Hinsicht: Aufgrund der Mehrsprachigkeit sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz größer. Auch dürften die mehr als 2000 Niederlassungen deutscher Firmen in der Türkei den Sprung angenehm überleiten. Schließlich – kein unwesentlicher Faktor, wie die Studie ebenfalls offen legt – können Türken das bedrückende Gefühl der Benachteiligung und die damit verbundene Unsicherheit ablegen.

Denn viele Akademiker mit türkischem Migrationshintergrund fühlen sich in Deutschland wegen ihrer Abstammung zurückgewiesen. Nicht ohne Grund: Das Zentrum für Türkeistudien hat identische Bewerbungen an Unternehmen geschickt – mit türkischem und mit deutschem Namen. Das Ergebnis: Bewerber mit deutschem Namen wurden zehnmal häufiger zum Vorstellungsgespräch eingeladen als diejenigen mit türkischem Namen.

Einer Schätzung des Zentrums für Türkeistudien nach liegt die Arbeitslosenquote unter türkischstämmigen Akademikern hierzulande dreimal so hoch wie bei originär deutschen Akademikern.

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47 Kommentare
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  1. Selma sagt:

    @guest

    Warum werden Sie denn beleidigend? 🙁 Das ist kontraproduktiv und unprofessionell.

    Ich glaube, man kann wohl als Geisteswissenschaftlerin die Wirtschaftslage und die Politik der AKP beurteilen.
    Die AKP ist korrupt, das ist allgemein bekannt (siehe die Spendenaffäre für den „Leuchtturm“). Vielleicht sollten Sie nicht nur AKP-nahe Zeitungen lesen.

  2. Johanna sagt:

    @Krause

    Das Jammern der Einwanderer-Nachkommen hat oft zum Ziel, dieselben oder mehr Rechte wie die deutschen Staatsbürger zu erhalten, ohne dieselben Pflichten und uns eine andere Lebensform aufzunötigen.

    Das Gejammere der Linken (Deutsche) ist eine Folge der 68er-Generation, glaube ich. Zuerst die antiautoräre Erziehung ohne Grenzen zu setzen, dann die Anspruchsmentalität und Verweichlichung.

    Dieses ganze Gejammer über Integration/Assimilierung (dazu Erdogans Rede) ist ziemlich hirnrissig. Niemand will Menschen mit einer anderen Herkunft zwingen, diese zu vergessen und ab sofort Deutsch-deutsch-Deutsch zu sein.

  3. Johanna sagt:

    Ein kleines „Dankeschön, Deutschland, für die gute Ausbildung!“ dürfte schon sein.

  4. HL sagt:

    @AB

    …Und als Frau und Alevitin hätte ich auch keine großen Chancen.

    Als Frau müssten sie sich mehr anstrengen, dass ist richtig.(Müssen Sie es in Derutschland nicht?).
    Die Differenzierung mit Aleviten etc. erlebe ich hier in Deutschland massiv, da es diese Gruppen sind, die sich unter dem Mantel des Doppelt-Selbstmitleids heraus putzen. Bin selber in der Türkei mit Aleviten, Juden zusammen aufgewachsen und habe erst nach Jahren erfahren, dass diese eine andere Konfession hatten. Es war nie ein Thema im Zusammenleben. Hier in Deutschland wird es nur hochgespielt um eigene Vorteile zu sichern und dabei die Türkei ins schwarze Licht zu rücken. Das ist einfach nur schade.

    Die Lebensqualität ist für Türken -unter den normalen Umständen- in der Türkei höher als in Deutschland.

    Wenn ein Assistenzarzt sein Gehalt von max. 2.000.- Euro netto unter „Schlafentzug“ verdienen muss, wenn Frauen in Deutschland schlechter bezahlt werden für die gleiche Arbeit wie Ihre männlichen Kollegen, wenn das soziale System in Deutschland wieder am abbauen ist, so ist die Türkei für die zukünftigen türkischen Akademiker mit deutschem Bildungsabschluss der beste Aufenthaltsort.

    Die Türkei braucht qualifizierte Kräfte, die nicht nur mit ihrem Wissen das Land wirtschaftlich, wissenschaftlich und auch politisch vorantreiben können.

    Mir selbst wurde bei der Begründung zu einer Absage für eine leitende Position mitgeteilt, dass ich mit einem türkischen Namen die Institution nicht vertreten könnte, da die Kunden es nicht gerne sehen würden. Also wurde ein „Herr Schmidt“ als Vorzeigeschild ausgewählt und ich durfte im Hintergrund die Arbeit erledigen.

    Also, mit „Gejammer“ hat es nichts zu tun – es ist die Realität.

  5. […] einer Untersuchung des Instituts futureorg, die von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung im April präsentiert wurde, geht nämlich […]

  6. Markus Hill sagt:

    „Dieses ganze Gejammer über Integration/Assimilierung (dazu Erdogans Rede) ist ziemlich hirnrissig. Niemand will Menschen mit einer anderen Herkunft zwingen, diese zu vergessen und ab sofort Deutsch-deutsch-Deutsch zu sein.“
    Man hat den Eindruck, dass durch diese Jammerei die ohnehin verfahrene Situation verschlimmert wird. Irgendwie fördert es auch nicht den Respekt. (Das deutsche Jammern ist auch nicht toll, aber man hat auch nicht den super-ramponierten Ruf. Die deutschen Nachkrieggenerationen muss man sich heute noch mit Vorurteilen bzgl. Nationalsozialismus im Ausland und Inland auseinandersetzen, so what, kann man auch sportlich nehmen, ohne Jammern:-).

  7. […] werden multikulturell…! Hurra!?!? Die Ergebnisse aus der „Sozialstudie über die türkischen Akademiker und Studierenden in Deutschland (TASD-Studie)“ genießen bis heute eine ungebrochene Aufmerksamkeit und sind Gegenstand vieler Medien und […]

  8. […] wissen, dass türkischstämmige Akademiker immer häufiger mit dem Gedanken spielen, in die Türkei auszuwandern, weil sie trotz guter Ausbildung und Hochschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden […]

  9. […] frühere Untersuchung des Instituts futureorg brachte ähnliche Ergebnisse zutage (wir berichteten). Danach sahen 36 Prozent der jungen türkischstämmigen Akademiker ihre Zukunft mehr in die […]

  10. […] Akademiker sehen ihre Zukunft in die Türkei”, war der Grundtenor des Studienergebnisses (wir berichteten). Eines der Hauptursachen war das Gefühl der Benachteiligung auf dem hiesigen […]


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