
Kritik an Rückkehrdebatte
Leben in Syrien oft ohne Wasser und Strom
Millionen Geflüchtete und Binnenvertriebene sind laut IRC nach Syrien zurückgekehrt. Neun von zehn Menschen fehlt bei der Ankunft grundlegende Versorgung – kein Wasser, kein Strom. Diese Realität komme in der deutschen Debatte zu kurz.
Montag, 06.07.2026, 12:29 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.07.2026, 12:29 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Die Hilfsorganisation IRC mahnt mehr Unterstützung für Syrerinnen und Syrer an, die nach Jahren des Bürgerkriegs in ihre Heimat zurückkehren. Zurückgekehrte müssten ihr Leben „ohne ausreichende Wasser- und Stromversorgung, funktionierende Schulen oder Gesundheitsdienste wieder aufbauen“, erklärte die Organisation am Montag. Angesichts der Rückkehrbewegung brauche es Investitionen etwa in Versorgungsleistungen und Unterkünfte seitens der Geberländer, aber auch der syrischen Regierung.
Das IRC („International Rescue Committee“) legte eine Analyse zur Lage der Rückkehrerinnen und Rückkehrer in Syrien vor. Demnach fehlt neun von zehn Menschen bei der Ankunft der Zugang zu grundlegender Versorgung. 71 Prozent der Befragten lebten in beschädigten Unterkünften – „mit kaum Unterstützung für Reparatur oder Wiederaufbau“.
„Realität kommt in deutscher Debatte zu kurz“
Seit Dezember 2024 sind laut IRC mehr als 1,6 Millionen Flüchtlinge und 1,9 Millionen Binnenvertriebene nach Syrien zurückgekehrt. Die Analyse stützt sich unter anderem auf eine Umfrage unter 425 Rückkehrerinnen und Rückkehrer sowie Interviews.
Die Hilfsorganisation forderte auch Konsequenzen für die Rückkehrdiskussion in Deutschland. Grundlage jeder Entscheidung der Bundesregierung müsse die Lage vor Ort sein, sagte Lena Görgen, IRC-Landesvertreterin in Deutschland. Wer zurückkehre, finde vielerorts weder Wasser noch Strom oder Sicherheit: „Diese Realität kommt in der deutschen Debatte zu kurz.“
Fast 14 Jahre Bürgerkrieg
In Syrien war mit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad Ende 2024 ein fast 14 Jahre währender Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Im Frühjahr hatte es rund um den Besuch von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa in Berlin eine Debatte um die Rückkehr von in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrern gegeben.
Anlass waren unter anderem Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), wonach innerhalb der nächsten drei Jahre rund 80 Prozent der Flüchtlinge zurückkehren sollen. (epd/mig) Aktuell Ausland
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