
Kreta-Route
Griechenland setzt auf geschlossene Zentren für Geflüchtete
Griechenland will auf steigende Bootsankünfte aus Libyen mit deutlich härteren Maßnahmen reagieren. Geplant sind geschlossene Zentren in Chania und Heraklion sowie Schnellverfahren, die Schutzsuchende binnen weniger Wochen erfassen und abschieben sollen.
Sonntag, 31.05.2026, 16:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 31.05.2026, 16:19 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Angesichts steigender Ankünfte von Migranten auf Kreta hat die griechische Regierung eine deutliche Verschärfung ihrer Migrationspolitik angekündigt. Migrationsminister Thanos Plevris erklärte im Parlament, sollte sich die Situation fortsetzen, werde die Regierung „sehr harte Maßnahmen“ ergreifen. Am Donnerstag waren mehr als 600 Menschen auf Kreta angekommen.
Geplant seien geschlossene Aufnahmezentren in Chania und Heraklion, in denen Migranten bis zur Prüfung ihres Status untergebracht werden sollen. Mit dem neuen europäischen Migrations- und Asylpakt, der ab dem 12. Juni gelten soll, solle künftig schneller zwischen Schutzberechtigten und Personen ohne Aussicht auf Asyl unterschieden werden. Verfahren und mögliche Abschiebungen sollen laut Regierung innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden, fügte Plevris hinzu.
Erinnerung an 2015/2016
Vorgesehen sind unter anderem verpflichtende Vorprüfungen an den Außengrenzen, Grenzverfahren und ein stärker vereinheitlichtes Vorgehen der Mitgliedstaaten. Der Rat der EU hatte zudem eine erste gemeinsame Liste sogenannter sicherer Herkunftsstaaten beschlossen. Dazu zählen unter anderem Bangladesch und Ägypten.
Griechenland wolle keine Zustände wie in den Jahren 2015 und 2016 erleben, sagte der Migrationsminister. Damals waren Hunderttausende Migranten aus Syrien, Irak und Afghanistan über die Türkei und die Balkanroute nach Europa gekommen. Jetzt steige der Druck über die Route von Libyen nach Kreta. Die meisten Menschen kämen derzeit aus Bangladesch und Ägypten. Dort gebe es keinen Krieg, deshalb handle es sich „eindeutig um Wirtschaftsmigranten“, sagte der Minister weiter.
Einzelfallprüfung nötig
Die Herkunft aus einem Land ohne Krieg schließt einen Schutzanspruch nach europäischem Asylrecht jedoch nicht grundsätzlich aus. Auch bei Staaten, die als sicher eingestuft werden, bleibt eine individuelle Prüfung möglich; die Einstufung dient vor allem dazu, Verfahren schneller zu bearbeiten.
Kreta ist nach UNHCR-Zahlen zuletzt deutlich stärker in den Mittelpunkt der griechischen Seeankünfte gerückt. Im Jahr 2025 entfielen laut UNHCR-Sea-Arrivals-Dashboard 47 Prozent der registrierten Seeankünfte in Griechenland auf die Region Kreta. Zugleich meldete Frontex für die ersten vier Monate 2026 EU-weit einen Rückgang irregulärer Grenzübertritte um 40 Prozent; auf der zentralen Mittelmeerroute blieb Libyen demnach der wichtigste Ausgangspunkt.
Route über Libyen
Rückführungen nach Libyen gelten menschenrechtlich als besonders heikel. UNHCR hält Libyen nicht für einen sicheren Drittstaat oder sicheren Ausschiffungsort nach Seenotrettungen; UNHCR und IOM erklärten bereits, Gerettete sollten nach internationalem Seerecht an einem sicheren Ort ausgeschifft werden, weil Libyen diese Voraussetzungen nicht erfülle.
Die Überfahrt bleibt zudem lebensgefährlich. Die Internationale Organisation für Migration meldete Ende Februar 2026 bereits mindestens 606 Tote oder Vermisste auf der Mittelmeerroute; Anfang April sprach die IOM von fast 1.000 Toten oder Vermissten seit Jahresbeginn.
Kritik an Asyl-Aussetzung
Griechenland hatte bereits im Juli 2025 die Registrierung von Asylanträgen für Menschen, die per Boot aus Nordafrika ankamen, für drei Monate ausgesetzt. UNHCR, der Menschenrechtskommissar des Europarats und Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Maßnahme damals als Verstoß gegen das Recht, Asyl zu suchen, und warnten vor rechtswidrigen Rückführungen.
Nach Informationen aus Kreisen der griechischen Küstenwache sollen dutzende Boote aus Libyen auf dem Weg nach Kreta sein. Plevris sagte zuletzt, in Libyen warteten mehr als eine halbe Million Menschen auf eine Überfahrt nach Europa. Die Europäische Union hat einen Flüchtlingspakt mit Libyen beschlossen. Das Land hält seine Grenzen dicht und hält die Menschen von der Überfahrt Richtung Europa ab. Im Gegenzug zahlt die EU Geld an das nordafrikanische Land. (dpa/mig) Aktuell Ausland
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