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Markt in Nigeria (Archiv) © WFP/Arete/Adetona Omokanye

Humanitäre Not

OECD meldet historischen Absturz der Entwicklungshilfe

Die Industrieländer ziehen Milliarden aus der Entwicklungshilfe ab – so stark wie noch nie. Und Deutschland ist plötzlich größter Geber, nicht wegen neuer Großzügigkeit, sondern wegen der im Inland angerechneten Kosten für Geflüchtete – und wegen des amerikanischen Rückzugs.

Von Sonntag, 12.04.2026, 12:54 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 12.04.2026, 12:54 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die OECD verzeichnet einen historischen Einbruch bei der Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit. Die von den Industrieländern bereitgestellten Gelder seien 2025 so stark zurückgegangen wie nie zuvor, teilte die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit. Nach vorläufigen Daten sanken die Mittel im Vergleich zum Vorjahr um 23,1 Prozent auf 174,3 Milliarden US-Dollar. Damit liege das Niveau wieder auf dem Stand von vor rund zehn Jahren, als die Vereinten Nationen die globale Nachhaltigkeitsagenda 2030 beschlossen haben.

Auch Deutschland kürzte den inflationsbereinigten Daten zufolge die öffentliche Entwicklungshilfe um 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch stieg die Bundesrepublik nach absoluten Zahlen erstmals zum weltweit größten Geber auf. Mit Leistungen in Höhe von 29,1 Milliarden US-Dollar lag die Bundesrepublik knapp vor den USA (29,0 Milliarden Dollar), gefolgt von Großbritannien (17,2 Milliarden Dollar) und Japan (16,2 Milliarden Dollar).

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Drastische US-Kürzungen

Vor allem die US-Zahlungen gingen drastisch zurück: Die Trump-Regierung hatte mit ihrem Amtsantritt 2025 die Entwicklungsbehörde USAID abgewickelt und Hilfen fürs Ausland deutlich zusammengestrichen. Die Reduzierung der Gelder aus den USA um 56,9 Prozent machen laut OECD drei Viertel des Gesamtrückgangs bei der öffentlichen Entwicklungshilfe aus.

Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen eines Landes, kurz ODA-Quote („Official Development Assistance“), sank 2025 auf durchschnittlich 0,26 Prozent. Das von den Vereinten Nationen gesetzte Ziel, mindestens 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Auslandshilfe einzusetzen, erreichten nur wenige Länder, nämlich Dänemark, Luxemburg, Norwegen und Schweden.

Deutschland verfehlt UN-Ziel

In Deutschland lag die Quote vergangenes Jahr laut Bundesentwicklungsministerium bei 0,56 Prozent. Von den insgesamt 26 Milliarden Euro an deutschen Entwicklungsleistungen seien rund 17 Prozent auf die Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten im Inland entfallen. Ohne diese Ausgaben läge die ODA-Quote sogar nur bei 0,46 Prozent. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt Deutschland 2025 damit im internationalen Vergleich auf Rang sechs.

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) erklärte, Deutschland bleibe „ein verlässlicher Partner in der Welt“. Trotz Einsparungen halte die Bundesregierung an ihrer internationalen Verantwortung fest. Zugleich kündigte die Ministerin an, die Entwicklungspolitik künftig fokussierter und partnerschaftlicher weiterzuentwickeln.

Beiträge an UN gehen zurück

Besonders stark sanken laut der OECD die von den Geberländern bereitgestellten Gelder für die humanitäre Hilfe: Ausgaben für die Unterstützung nach Katastrophen oder in Kriegen und Konflikten gingen demnach um mehr als ein Drittel zurück.

Ausgaben für Geflüchtete im Inland, die teilweise als Entwicklungshilfe angerechnet werden – ein Punkt, der immer wieder in der Kritik steht –, hätten ebenfalls deutlich abgenommen. Zugleich seien die Beiträge an internationale Organisationen zurückgegangen, vor allem an die Vereinten Nationen.

Die endgültigen Zahlen für 2025 wird die OECD voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlichen. (epd/mig) Aktuell Panorama

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