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Auf einem Markt in Goma/Ostkongo: Menschen werden über Ebola-Prävention informiert © Foto von Jospin Mwisha/AFP

Ebola im Kongo

Kein Vertrauen in die internationale Gemeinschaft

Die späte Entdeckung des Ebola-Ausbruchs in Ituri ist auch Folge internationaler Versäumnisse: Für Bundibugyo fehlen Schnelltests, Impfstoffe und Medikamente. Die Menschen zahlen den Preis für eine Krankheit, an der kaum geforscht wurde.

Von Montag, 01.06.2026, 10:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 01.06.2026, 9:46 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Nicht einmal seine eigenen Mitarbeitenden kann Mubarak Kano gegen Ebola schützen. „Unsere Ärzte und Pfleger arbeiten ohne jeglichen Schutz. Das meiste Material steckt noch in Lagern fest“, sagt Kano. Der ärztliche Direktor des „Centre Neuro-Psychopathologique“ in Bunia, der Hauptstadt der ostkongolesischen Provinz Ituri, koordiniert die Teams, die in die Krankenstationen fahren, um mutmaßliche Ebola-Patienten zu behandeln und zu registrieren. „Es tut weh zu sehen, dass manche von uns sterben, nur weil Schutzanzüge fehlen“, klagt er.

Vor rund zwei Wochen wurde der jüngste Ebola-Ausbruch im Kongo gemeldet – der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens spielt sich in Ituri ab. Der 40-jährige Kano kritisiert, dass die kongolesische Regierung und internationale Hilfsorganisationen es versäumt hätten, nach der Ebola-Epidemie 2018 bis 2020 eine nachhaltige Infrastruktur aufzubauen. „Es gibt in unserem Land keinen soliden Plan für ein Gesundheitswesen nach internationalem Standard.“ Seit 30 Jahren würden die zuständigen Politiker den Bereich vernachlässigen. „Es fehlt nicht an Geld, sondern am Willen.“

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Kämpfe um Rohstoffe

Auch Josué Ibulungu, Leiter des Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in Goma, bemängelt, dass die Regierung jedes Jahr nur einen Dollar pro Einwohner in das Gesundheitswesen investiere. Zum Vergleich: Für militärische Zwecke gibt Kinshasa das Zehnfache aus. Aufgrund mangelnder Straßen, ständiger Kriege und Überfälle sei es sehr schwierig, die Krankenstationen auf dem Land zu erreichen und das Material für die Grundversorgung zu den Patienten zu bringen, sagt Ibulungu.

„Wenn wir das verbessern wollen, brauchen wir gute Regierungsführung und Sicherheit“, sagt Ibulungu. „Das fängt damit an, dass die Rohstoffe auf legale Weise ausgebeutet werden, und das Geschäft nicht von bewaffneten Gruppen beherrscht wird.“ In Ituri, wo die Epidemie gerade grassiert, gibt es Goldminen, aber auch Kassiterit, Coltan oder Diamanten. Schmuggel und Kämpfe um die Minen sind an der Tagesordnung.

Kürzungen bei der Entwicklungshilfe

Der Mediziner Kano klagt, dass es aufgrund der schlechten Sicherheitslage und der mangelnden Ausstattung schwierig sei, in Ituri qualifizierte Ärzte oder Pfleger zu finden. „Wenn unser Personal für eine Fortbildung in städtische Zentren oder gar ins Ausland geht, kommen die meisten nicht mehr zurück“, erzählt er. In der jetzigen Ebola-Epidemie bräuchten auch die Hilfsorganisationen viel zu lange, bis sie tatsächlich vor Ort seien. „Es gibt zu viele Organisationen. Dann wollen mehrere das Gleiche machen, und sie müssen erst ausdiskutieren, wer für was zuständig ist“, bemängelt er.

Dennoch hält Kano Hilfsorganisationen für wichtige Partner. Die Kürzungen der Entwicklungsbudgets, insbesondere der abrupte Ausstieg der US-amerikanischen Behörde USAID, träfen die Bevölkerung. Zum Beispiel müssten Patienten wieder für Medizin bezahlen, die vorher gratis war. „Das können sich nur wenige leisten“, erklärt Kano. Dass der Ebola-Ausbruch dieses Mal so spät entdeckt worden sei, sieht er allerdings eher als Folge des seit Jahrzehnten vernachlässigten Gesundheitssystems.

Keine Schnelltests

Aus Sicht der Tropenmedizinerin Gisela Schneider sind die fehlenden Schnelltests für die Bundibugyo-Variante, die für den Ausbruch verantwortlich ist, ein wesentlicher Grund für die späte Entdeckung. Die für die Identifizierung nötig gewesenen PCR-Tests seien nur in der 1.700 Kilometer entfernten Hauptstadt Kinshasa möglich gewesen. „Und das braucht nun mal Zeit“, sagt die ehemalige Leiterin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen.

„Wir kennen Bundibugyo seit mehr als zehn Jahren. Aber die Pharmaindustrie hat weder Tests, noch eine Impfung, noch Medikamente entwickelt, weil es für sie nicht lukrativ war“, kritisiert Schneider. Das sei eine „absolute internationale Vernachlässigung“.

Sie kennt die Provinz Ituri aus ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit Difäm. Die Krankenhäuser und Labors seien dort in einem besonders schlechten Zustand. „In Ituri findet eine vergessene Krise statt. Die Menschen werden getötet und ausgebeutet. Sie sind traumatisiert“, erzählt sie. Die Bevölkerung fühle sich von der Regierung und der internationalen Gemeinschaft aufgegeben und habe jedes Vertrauen verloren. Deshalb leisteten Patienten den Anweisungen des Gesundheitspersonals nicht immer Folge.

Die Isolation führt zu Panik

Zudem löse Isolation Panik aus. Wer von der Hand in den Mund lebe und jeden Tag suchen müsse, wie er sein Essen finanziert, wolle nicht in einer Isolierstation bleiben. „Es hauen Leute ab, weil sie nichts zu essen bekommen“, sagt Schneider.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, wirbt nun um Vertrauen. In einem Brief an die kongolesische Bevölkerung räumt er ein, man habe „nicht immer alles richtig gemacht“. Und er schreibt: „Gemeinsam werden wir diese Pandemie überwinden, so wie ihr schon alle bisherigen Herausforderungen gemeistert habt.“ (epd/mig) Aktuell Ausland

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