
Wirtschaft
Entwicklungshilfe für deutsche Firmen statt für Afrika
Deutschland steigt bei der afrikanischen Versicherungsagentur Atidi ein. Offiziell geht es um Entwicklung und Partnerschaft. Doch der Schritt zeigt auch: Entwicklungspolitik droht zunehmend zur Absicherung deutscher Unternehmen, Lieferketten und Märkte zu werden.
Mittwoch, 29.04.2026, 11:31 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29.04.2026, 11:31 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Deutschland wird Miteigentümer der afrikanischen Versicherungsagentur Atidi, die Investitionen und Handel in afrikanischen Ländern gegen politische und gesamtwirtschaftliche Risiken versichert. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sagte bei ihrem Besuch in Kenia den Kauf von insgesamt 3,5 Prozent der Gesamtanteile von Atidi zu. Deutschland werde damit größter nicht-afrikanischer Anteilseigner der Versicherung, die 24 afrikanischen Staaten gehört und an der zudem 13 internationale Finanzinstitutionen beteiligt sind.
„Wir setzen uns dafür ein, Investitionen und Handel zu erleichtern, damit mehr privates Geld nach Afrika fließt“, sagte Radovan. Davon profitierten deutsche und afrikanische Unternehmen, weil sie leichter auf dem Kontinent investieren und ihre Lieferketten absichern könnten. „Wir tragen dazu bei, deutschen Unternehmen den riesigen Zukunftsmarkt zu erschließen, den der afrikanische Kontinent zu bieten hat“, betonte Radovan.
Atidi versichert Risiken wie Hyperinflation oder Putsche
Atidi versichert Risiken wie politische und gesamtwirtschaftliche Krisen, etwa im Falle eines Putsches oder einer Hyperinflation. Eine solche Absicherung dürfte die Investitionsbereitschaft von Unternehmen erhöhen, die Afrika bisher für zu riskant hielten. Der Kauf der deutschen Anteile wird aus Mitteln des Entwicklungsministeriums in Höhe von rund 15 Millionen Euro finanziert sowie aus Eigenmitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Künftig könnten auch deutsche Unternehmen die Produkte der Versicherung nutzen und so ihre Investitionen und Lieferketten besser absichern, so das Ministerium. Dabei arbeite die deutsche Entwicklungspolitik eng zusammen mit bestehenden Absicherungen der Außenwirtschaftsförderung wie etwa den Hermes-Deckungen.
Entwicklungspolitik im Interesse deutscher Außenwirtschaft
Zugleich macht der Einstieg deutlich, wie eng deutsche Entwicklungspolitik inzwischen mit außenwirtschaftlichen Interessen verbunden ist. Deutschland will mit der Beteiligung nicht nur eine afrikanische Finanzinstitution stärken, sondern auch deutschen Unternehmen den Zugang zu afrikanischen Märkten erleichtern. Öffentliche Mittel sollen private Investitionen absichern, Risiken senken und Lieferketten stabiler machen.
Aus afrikanischer Sicht steht dabei jedoch eine andere Frage im Vordergrund: Viele Staaten wollen nicht länger vor allem als Absatzmarkt, Rohstofflieferant oder Risikogebiet für ausländische Investoren wahrgenommen werden. Sie drängen auf mehr eigene Finanzmacht, niedrigere Kapitalkosten, lokale Wertschöpfung und industrielle Entwicklung vor Ort. Institutionen wie Atidi sollen deshalb nicht nur ausländische Unternehmen schützen, sondern auch afrikanischen Firmen, Banken und Staaten den Zugang zu Kapital erleichtern.
Ministerin wünscht sich mehr Austausch mit „Silicon Savannah“
Ob beide Interessen tatsächlich zusammenpassen, hängt davon ab, welche Investitionen am Ende abgesichert werden. Entwicklungsorganisationen warnen seit Jahren, dass öffentlich geförderte Risikoabsicherungen nicht allein privaten Geschäftsinteressen dienen dürfen. Entscheidend sei, ob dadurch gute Arbeitsplätze entstehen, lokale Unternehmen eingebunden werden, Steuereinnahmen in den Ländern bleiben und soziale sowie ökologische Standards eingehalten werden. Die Beteiligung Deutschlands an Atidi kann daher als Partnerschaft verstanden werden – sie wirft aber auch die Frage auf, wer die Bedingungen bestimmt.
In Nairobi traf Radovan zu Beginn ihres Besuchs Startup-Gründerinnen und Gründern. Wegen seiner vielen Technologie- und Startup-Firmen wird der Großraum Nairobi auch oft als „Silicon Savannah“ bezeichnet. Sie wünsche sich Zusammenarbeit auch in diesem Bereich, sagte die Ministerin. Es solle mehr Dialog zwischen Startups in Deutschland und Afrika geben. (dpa/mig) Aktuell Wirtschaft
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