
Welt-Roma-Tag
Der alte Hass wächst weiter
Antiziganismus ist in Deutschland und Europa kein Randproblem, sondern wieder sichtbarer Alltag. Zum Welt-Roma-Tag warnen Zentralrat und Bundesregierung vor wachsender Feindseligkeit, Gewalt und massiven Defiziten bei Aufklärung und Bildung.
Mittwoch, 08.04.2026, 15:54 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.04.2026, 15:54 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Der Antiziganismus-Beauftragte der Bundesregierung, Michael Brand (CDU), beklagt anlässlich des Welt-Roma-Tages am 8. April eine fortdauernde Feindseligkeit gegen Sinti und Roma in Deutschland. Auch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma findet deutliche Worte und appelliert an die Regierungen in Europa.
Dem Zentralrat zufolge sind Sinti und Roma mit 10 bis 12 Millionen Menschen die größte autochthone Minderheit in Europa. Viele EU-Länder haben sich durch Abkommen zu ihrem Schutz und ihrer gesellschaftlichen Gleichstellung völkerrechtlich verpflichtet. „Dennoch erfahren Roma in ihren Heimatländern Antiziganismus, der sich oftmals in apartheidähnlichen Lebensumständen und Gewalt zeigt“, so der Zentralrat in einer schriftlichen Mitteilung. Antiziganistische Feindbilder und Klischees seien tief in der europäischen Geschichte verwurzelt.
Demokratiefeindliche Parteien in Europa nutzten erneut Zukunftsängste der Bevölkerung und schürten in ihren Wahlkämpfen Hass auf Sinti und Roma. „Allein in Deutschland haben antiziganistische Übergriffe seit 2023 um 40 Prozent zugenommen“, so der Zentralrat. Bei einem Brandanschlag durch einen Rechtsextremisten wurden 2024 zwei kleine Kinder und ihre Eltern in Solingen ermordet. Auch in Südosteuropa kommt es immer wieder zu gewaltsamen Angriffen auf Romasiedlungen, fast überall in Europa gibt es antiziganistische Übergriffe.
Zentralrat: Antiziganismus genauso zu ächten wie den Antisemitismus
„Dieser anwachsende, gewaltbereite Antiziganismus ist eine Gefahr für unsere Minderheit und ein Angriff auf das demokratischen Wertesystem“, erklärt Zentralrat-Vorsitzender Romani Rose.
OSZE, Europarat und Europäische Union haben ihre Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, dem Antiziganismus durch Aufklärung und Information in den Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken. Ein aktueller Bericht des Europarates zeigt jedoch, dass die Wissensvermittlung zur Geschichte und den kulturellen Leistungen von Sinti und Roma in den Schullehrplänen vieler Mitgliedsstaaten weiterhin nicht oder nur unzureichend stattfindet. „Ich appelliere heute an diese Staaten, den Antiziganismus genauso zu ächten wie den Antisemitismus und ihm durch Aufklärung und Wissensvermittlung entgegenzuwirken“, erklärte Rose.
Beauftragter: Antiziganismus „ein drängendes Problem“
Auch Antiziganismus-Beauftragter Brand sieht in Antiziganismus „ein drängendes Problem“. Viele Sinti und Roma zeigten aus Angst vor Ablehnung ihre Identität nicht offen. „Das dürfen wir nicht gleichgültig hinnehmen“, mahnte der parlamentarische Staatssekretär am Mittwoch im Bundesfamilienministerium.
Der 8. April diene nicht nur dem Gedenken, sondern sei „Tag der Anerkennung, des Respekts und der konkreten Aufforderung“, erklärte der CDU-Abgeordnete. Sinti und Roma prägten Deutschland – ihr Beitrag sei „unverzichtbar und verdient Sichtbarkeit und Wertschätzung“.
Der Internationale Tag der Roma geht zurück auf den ersten Welt-Roma-Kongress, der 1971 in London ausgerichtet wurde. Dabei trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Minderheit aus 14 europäischen Ländern, um für soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu kämpfen. (epd/mig) Aktuell Panorama
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