Disko, Disco, Feier, Jubel, Licht, Club
Feier (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Rassismus in Brandenburg

Ü11-Kinder-Party: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.“

Bei einer Teenie-Party mit mehr als 100 Gästen im brandenburgischen Falkenberg grölen Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren zu „L'Amour toujours“ rassistische Parolen – ein Instagram-Video sorgt für Empörung. Der Ministerpräsident zeigt sich besorgt.

Sonntag, 22.03.2026, 12:56 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 22.03.2026, 12:56 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Auf einer Teenager-Party in einem Club im brandenburgischen Falkenberg (Landkreis Elbe-Elster) haben mehrere Jugendliche rassistische Gesänge zum Partyhit „L’Amour toujours“ angestimmt. In einem auf Instagram veröffentlichten Video ist zu hören, wie mehrfach gerufen wird: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.“ Im Netz sorgt das Video für Empörung, auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke reagierte kritisch.

Die Polizei gab an, in dem Fall zu ermitteln. Es wird demnach geprüft, ob der Vorfall strafrechtlich relevant sein könnte.

___STEADY_PAYWALL___

Zur Teenie-Disco am vergangenen Samstag hätten etwa 100 bis 150 Kinder und Jugendliche ab elf Jahren gefeiert, sagte der Betreiber des „Blue Velvet“, Tino Veit der Deutschen Presse-Agentur. Er bedaure, was aus dem Lied gemacht wurde, betonte Veit, „gerade bei einer Kinderveranstaltung“. Künftig wolle er DJs besser auf solche Situationen vorbereiten, um schneller reagieren zu können. Er sei offen und gegen jede radikale Haltung, sagte Veit.

Von Reaktion der Jugendlichen überrascht

Das Lied wurde dem Betreiber zufolge zweimal abgespielt. Er verwies auf eine „schwierige Situation“ am vergangenen Samstag. Der geplante DJ sei nicht erschienen und auf der Suche nach Ersatz habe er zunächst eine Playlist abgespielt. Dort ertönte dann das Lied „L’Amour toujours“ – und dazu die Parolen. In dieser Zeit sei er mit der Suche nach einem Ersatz-DJ beschäftigt gewesen. Dieser habe das Lied später ein weiteres Mal abgespielt und sei von der Reaktion der Jugendlichen überrascht gewesen.

Als der Clubbetreiber merkte, dass die Situation eskaliere, sei er auf die Bühne gegangen und habe die Musik leiser gedreht und darauf hingewiesen, dass der Text nicht in das Lied gehöre.

Besorgnis beim Ministerpräsidenten

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke kritisierte auf Instagram, dass es zwei Liedschleifen gedauert habe, bis jemand eingeschritten sei. „Jugendliche grölen Naziparolen und keiner greift ein. Ich bin fassungslos. Wir dürfen dazu niemals schweigen!“, so der SPD-Politiker.

Der Landrat des Kreises Elbe-Elster übte ebenso scharfe Kritik. Er verurteile die „rassistischen Parolen“ auf das Schärfste, sagte Christian Jaschinski (CDU) laut einer Mitteilung. „Solche Äußerungen sind inakzeptabel und haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.“

Von den Brandenburger Grünen hieß es dazu: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein alarmierendes Zeichen dafür, wie sehr rechtsextreme Parolen inzwischen normalisiert werden – selbst unter Jugendlichen.“ Wenn Jugendliche auf Partys rassistische Parolen grölten, sei das kein Randphänomen, sondern Ausdruck eines Problems, das viel zu lange unterschätzt worden sei.

Entsetzen auch bei Kirchenvertretern

Auch Vertreter von Kirche haben ihr tiefes Entsetzen über den Vorfall zum Ausdruck gebracht. „Dass auf einer Feier mit Kindern und Jugendlichen in Falkenberg in Brandenburg rassistische Parolen gerufen wurden, erschüttert mich“, sagte der evangelische Bischof Christian Stäblein. „Wir alle tragen Verantwortung, hinzuschauen und einzugreifen“, führte Stäblein aus. Das umfasse auch die Verantwortung, „Jugendlichen und Kindern Beispiel zu sein für ein Miteinander in Respekt und Achtung“.

Der Partyhit „L’Amour toujours“ ist mehr als 20 Jahre alt, sein Refrain hat keinen Text. Der Song wird immer wieder für rassistische Parolen missbraucht. Für große Empörung sorgte 2024 ein Video, das Besucher einer Bar auf der Nordsee-Insel Sylt zeigt, die zu der Melodie „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ riefen. (dpa/mig) Aktuell Panorama

Zurück zur Startseite
MiGLETTER (mehr Informationen)

Verpasse nichts mehr. Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.

MiGGLIED WERDEN
Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)