
Boost statt Bremse
Tag der Muttersprache? Nicht bei uns.
Deutschland ist längst mehrsprachig – nur die Schule tut so, als wäre es ein Problem. Wer zu Hause Türkisch, Arabisch oder Polnisch spricht, wird hier oft gebremst statt gefördert. Dabei könnte Mehrsprachigkeit zum Bildungs-Boost werden.
Von Dr. Marc Ntouda Donnerstag, 19.02.2026, 11:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 19.02.2026, 11:24 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Am 21. Februar ist der Internationale Tag der Muttersprache – ein Datum, das hierzulande kaum jemand bemerkt. Dabei betrifft es Millionen. Fast jeder Dritte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Viele sprechen zu Hause Türkisch, Arabisch, Russisch oder Polnisch. Doch Mehrsprachigkeit gilt oft als Makel, nicht als Vorteil.
Deutsch ist der Schlüssel zu Job, Bildung und sozialem Aufstieg – klar. Wer hier lebt, muss die Sprache beherrschen. Aber bedeutet das, die Muttersprache zu verdrängen? Unsinn.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Wer seine Herkunftssprache sicher beherrscht, lernt eine zweite leichter.
„Herkunftssprachlicher Unterricht ist ein Stiefkind der Bildungspolitik, zweisprachige Schulen sind seltene Exoten.“
Trotz dieses Wissens bleibt Deutschland zurückhaltend. Herkunftssprachlicher Unterricht ist ein Stiefkind der Bildungspolitik, zweisprachige Schulen sind seltene Exoten. Andere Länder sind weiter: Kanada und Finnland machen es vor. Dort ist Mehrsprachigkeit kein Problem, sondern ein Plus.
Was Deutschland ändern muss:
1. Zweisprachige Schulen für große Sprachgruppen: In Städten mit vielen türkischen, arabischen oder russischen Muttersprachlern sollten Schulen zweisprachigen Unterricht anbieten. Kanada und Finnland zeigen: Das funktioniert. Natürlich erfordert dies eine kluge Finanzierung und Lehrerausbildung – eine Investition, die sich langfristig auszahlt.
2. Muttersprache als reguläres Schulfach: Finnland beweist: Wer seine Herkunftssprache pflegt, lernt die Landessprache besser. Daher sollte Türkisch, Arabisch, Russisch oder Polnisch als Wahlfach flächendeckend eingeführt werden. Kritiker bemängeln die Kosten – doch die langfristigen Vorteile für Bildung und Integration sind unbestreitbar.
„Niemand, der einen Behördenbrief nicht versteht, ist integrationsunwillig.“
3. Mehrsprachige Verwaltung mit Augenmaß: Niemand, der einen Behördenbrief nicht versteht, ist integrationsunwillig. Wichtige Dokumente sollten in mehreren Sprachen verfügbar sein – vor allem online. Digitale Lösungen könnten den Aufwand minimieren, ohne die Verwaltung zu überfordern.
4. Ein neues Denken über Integration: Sprache trennt nicht – sie verbindet. Wer seine Muttersprache spricht, ist kein Fremder. Wer sie beherrscht, ist nicht weniger deutsch. Integration heißt nicht Aufgabe der eigenen Identität. Ein Land, das Mehrsprachigkeit als Chance begreift, stärkt sich selbst.
Deutschland ist längst mehrsprachig. Es sollte aufhören, sich dagegen zu wehren – und endlich davon profitieren. (mig) Meinung
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