
„Stoppt die Boote“
Britische Rechtsextremisten jagen Geflüchtete an französischer Küste
Rechtsextremisten aus England jagen an Frankreichs Küste Boote, zerstören Ausrüstung und inszenieren sich als „Grenzschutz“. Paris reagiert mit Festnahmen und Abschiebung. Derweil sinkt die Nettozuwanderung nach Großbritannien drastisch.
Dienstag, 27.01.2026, 12:43 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 27.01.2026, 12:43 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
An Frankreichs Küste ist aus dem politischen Schlagwort ein gefährliches Rollenspiel geworden: Britische Rechtsextremisten reisen nach Nordfrankreich und spielen Grenzpolizei: Sie patrouillieren in Calais und Umgebung, filmen sich dabei und greifen nach Angaben der französischen Behörden gezielt Ausrüstung an, die Geflüchtete für Überfahrten über den Ärmelkanal nutzen könnten. Im Fokus stehen dabei kleine Boote, wie sie Asylsuchende für riskante Überfahrten nach Großbritannien verwenden. Frankreich geht inzwischen offensiv dagegen vor.
Zuletzt nahm die Polizei in Calais zwei britische Männer in Gewahrsam. Die Staatsanwaltschaft spricht von Hetze und Gewalt. Die Verdächtigen sollen in sozialen Netzwerken rassistische Videos verbreitet haben. Die Männer sollen abgeschoben werden. Bereits Mitte Januar hatte Frankreich zehn britische Rechtsextremisten ausgewiesen. Sie sollen an der Küste gezielt nach Booten gesucht, diese beschädigt oder zerstört und Propaganda gegen Migration über den Ärmelkanal verbreitet haben.
Migration bleibt politischer Zündstoff
Derweil meldet London sinkende Migrationszahlen: Die Netto-Einwanderung nach Großbritannien ist nach Schätzungen der Statistikbehörde innerhalb eines Jahres stark gesunken. In den zwölf Monaten bis Juni 2025 lag sie demnach bei 204.000 – im Vorjahreszeitraum waren es 649.000. Das ist der niedrigste Jahreswert seit 2021, ein Rückgang um rund 69 Prozent.
Demnach wanderten in dem Zeitraum 898.000 Menschen nach Großbritannien ein, 693.000 wanderten aus. Der Rückgang wird vor allem darauf zurückgeführt, dass weniger Staatsangehörige von Nicht-EU-Staaten zum Arbeiten oder Studieren kommen – und zugleich die Auswanderung schrittweise zunimmt.
Innenministerin Shabana Mahmood (Labour) begrüßte den Rückgang. Das „Ausmaß der Migration“ habe Gemeinden „enorm unter Druck gesetzt“, wurde sie zitiert. Migration ist in Großbritannien seit Jahren hoch aufgeladen – beim Brexit spielte sie eine Schlüsselrolle. Rechtspopulist Nigel Farage liegt mit seiner Partei Reform UK in Umfragen vorn.
Ärmelkanal: weiterhin hohe Zahlen
Trotz der sinkenden Einwanderungszahlen bleiben die Überfahrten über den Ärmelkanal ein Dauerbrenner auf der Insel: 41.472 Menschen erreichten 2025 nach britischen Angaben in kleinen Booten die Südküste Englands – der zweithöchste Wert nach 2022. Auch bei Asylanträgen meldet das britische Innenministerium Rekordwerte. Gleichzeitig steht die Regierung unter Druck, weil sichtbare Erfolge beim Stoppen der riskanten Überfahrten bislang ausbleiben.
So kündige die Labour-Regierung kürzlich an, die Asylregeln deutlich zu verschärfen – unter anderem mit einem Wechsel weg von langfristigem Schutz hin zu stärker befristeten, regelmäßig überprüften Schutzformen. (mig) Aktuell Ausland
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