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Gedenk-Demo für die Anschlagsopfer und gegen Rassismus © Hesham Elsherif/AFP

Disput um Gedenken

Zahl der Opfer von Hanau auf zehn gestiegen

Ibrahim Akkuş überlebte den rassistischen Anschlag von Hanau schwer verletzt – nun ist er mit 70 Jahren gestorben. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf zehn. Zugleich flammt der Streit über ein „stilles“ Gedenken erneut auf.

Montag, 19.01.2026, 11:15 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 19.01.2026, 11:15 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Er hatte den rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau schwer verletzt überlebt – jetzt ist Ibrahim Akkuş im Alter von 70 Jahren gestorben, wie die Stadt Hanau mitteilte. Mit seinem Tod verliere man einen Menschen, dessen Leben durch den rassistischen Terroranschlag in der Stadt auf grausame Weise zerstört worden sei, erklärte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). „Sein Schicksal zeigt auf schmerzhafte Weise, dass die Tat vom 19. Februar auch über Jahre hinweg Leid verursacht hat. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, der wir unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen.“

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Auf den nun verstorbenen Mann hatte der Täter in der Arena-Bar in Hanau-Kesselstadt geschossen. Monatelang musste der Mann damals im Krankenhaus behandelt und mehrfach operiert werden, wie es von der Stadt hieß. Infolge seiner schweren Verletzungen sei er auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen und habe sein Krankenbett zuletzt nur noch selten verlassen können. Seine Frau und seine Tochter hätten ihn über Jahre hinweg mit großer Hingabe gepflegt.

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Ibrahim Akkuş, Hanauer seit 40 Jahren

Die traumatischen Ereignisse vom 19. Februar 2020 hätten den Mann bis zuletzt begleitet. Sein Schicksal dürfe nicht vergessen werden, so Kaminsky. „Es ist Mahnung und Auftrag zugleich.“ Hanau stehe an der Seite der Opfer und ihrer Angehörigen. „Wir werden weiter alles daransetzen, dass Erinnerung, Verantwortung und der Einsatz gegen Rassismus und menschenfeindliche Ideologien

Akkuş wurde in der Türkei geboren und lebte seit mehr als 40 Jahren in Hanau. Mit ihm ist die Zahl der Opfer, die aufgrund des rassistisch motivierten Anschlags verstorben sind, auf zehn angestiegen.

Stadtführung will stilles Gedenken

Ausgerechnet in diesem Jahr will die Stadt Hanau an die Opfer im Stillen gedenken. Bei den Kranzniederlegungen an den beiden Tatorten mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt und des Landes Hessen solle bewusst auf Reden verzichtet und in aller Stille der Toten gedacht werden, teilte die Stadt mit.

„Hanau erinnert selbstverständlich auch in diesem Jahr der Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 – allerdings in einem etwas kleineren Rahmen“, erklärte der Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Wichtig sei es, dieses Gedenken gemeinsam mit den Angehörigen zu gestalten und deren Perspektiven und Wünsche zu berücksichtigen.

Reibungen zwischen Opfern und Stadt

Ob das dies erreicht wird, darf indes angezweifelt werden. Zwischen Stadt, der Landespolitik und Angehörigen hat es in den vergangenen Jahren wiederholt Reibungen darüber gegeben, wie öffentlich, wie „politisch“ und wie zugänglich das Gedenken sein soll.

Schon vor dem 2. Jahrestag gab es Unmut, weil bei der offiziellen Veranstaltung auf dem Hanauer Hauptfriedhof der Teilnehmerkreis begrenzt war. Kritisiert wurde, dass sogar direkt Betroffene zunächst nicht eingeladen wurden. Die Stadt verwies damals auf die Pandemie und betonte, es sei mit Hinterbliebenen abgestimmt. Erstmals 2024 kündigten Stadt und Land ein stilles Gedenken mit Kranzniederlegung an. Das stieß bei Angehörigen auf scharfe Kritik. Sie veranstalteten eine eigene Kundgebung und zogen durch die Stadt.

Beim 5. Jahrestag kam es schließlich zu einem offenen Streit, nachdem Emiş Gürbüz, die Mutter eines Ermordeten, bei der offiziellen Gedenkveranstaltung schwere Vorwürfe gegen die Stadt erhob. Daraufhin erklärte die Stadtkoalition, das Gedenken solle künftig nur noch in kleinerem Rahmen stattfinden. Die Initiative 19. Februar kritisierte die Ankündigung. (dpa/mig) Aktuell Panorama

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