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Eingang der Flüchtlingsunterkunft Flughafen Tempelhof © MiG

Berlin

Weniger Geflüchtete, trotzdem volle Unterkünfte

Wie schon 2024 sind auch 2025 weniger Geflüchtete nach Berlin gekommen. Die Unterkünfte sind dennoch voll. Integrationssenatorin Kiziltepe will mehr Plätze für dezentrale Unterbringung schaffen – auch wegen der Kosten.

Montag, 19.01.2026, 15:05 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 19.01.2026, 15:05 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Im vergangenen Jahr sind erheblich weniger Flüchtlinge nach Berlin gekommen als 2024. Das teilte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) mit. Demnach nahm das LAF 2025 14.917 geflüchtete Menschen neu auf, das waren rund 30 Prozent weniger als im Jahr davor (2024: 21.157 Personen).

„Der deutliche Rückgang an Asylsuchenden hat dafür gesorgt, dass vor allem der Bereich Leistungsgewährung spürbar entlastet werden konnte“, sagte LAF-Präsident Steffen Weickert. Ab September habe es allerdings einen sprunghaften Anstieg von Geflüchteten aus der Ukraine gegeben, insbesondere von jungen Männern, so dass im Ergebnis fast das Niveau des Vorjahres erreicht worden sei.

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Viele Asylbewerber aus Vietnam, Moldau und Afghanistan

Bei den Asylsuchenden sanken die Zahlen um rund 44 Prozent: 2025 wurden 5.970 Asylbewerber in Berlin aufgenommen, die Erst- oder Folgeanträge stellten. Im Jahr davor waren es 10.749. Die häufigsten Herkunftsländer waren Vietnam, Moldau, Afghanistan, die Türkei und Syrien. Bei den Geflüchteten aus der Ukraine gab es einen Rückgang von rund 14 Prozent: Im Ankunftszentrum Tegel wurden 8.947 ukrainische Geflüchtete für Berlin registriert, 2024 waren es 10.408 Personen gewesen.

Trotz des Rückgangs sind die Unterkünfte weiter stark ausgelastet: So lebten zum Jahresbeginn 2026 rund 38.000 Geflüchtete in Unterkünften des LAF. 5.000 dieser Personen sind nicht in regulären Wohnheimen, Wohnhäusern oder Container-Dörfern untergebracht: 3.300 fanden zunächst in Hostels oder Hotels ein Dach über dem Kopf, 1.347 in der Notunterkunft Tempelhof und 480 in einem Ankunftszentrum in Reinickendorf. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren rund 41.400 Flüchtlinge vom LAF untergebracht.

Aussetzung des Containerprogramms

„Durch die Entscheidung, das Wohncontainerprogramm auszusetzen, wird sich die Zahl der regulären Unterkunftsplätze in 2026 kaum erhöhen“, blickt das LAF in seiner Bilanz voraus. „Zwar entstehen 1.166 neue Plätze, doch 820 Plätze fallen weg durch notwendige Schließungen von Standorten. Im Ergebnis entsteht lediglich ein Plus von 346 regulären Plätzen.“ Dem stehe ein Bedarf von 5.000 Menschen gegenüber, die noch immer in Notunterkünften oder Hotels lebten.

Die Koalitionsspitzen von CDU und SPD hatten im November 2025 angekündigt, das zuletzt noch elf Standorte umfassende Programm für neue Wohncontainer zu stoppen. Zu Begründung hieß es, die Unterkünfte seien vorerst nicht erforderlich.

Kızıltepe: Bedarf für neue Unterkünfte

Das sieht Berlins Integrationssenatorin Cansel Kızıltepe anders. Sie rechnet 2026 mit einem steigenden Bedarf an Unterkünften. Während bestehende Unterkünfte voll seien und dort wenig Fluktuation herrsche, sei auch 2026 weiterhin mit neu ankommenden Geflüchteten zu rechnen. „Für diese Entwicklung muss Berlin gewappnet sein und auch darauf reagieren können“, so Kızıltepe. „Es ist unsere Pflicht, diese Menschen menschenwürdig unterzubringen. Es gilt das Grundrecht auf Asyl.“

Die Senatorin kündigte vor diesem Hintergrund an, weitere Hostels anzumieten, wenn es nötig ist. Kızıltepe machte deutlich, dass das nicht die Lösung ist, die sie ursprünglich angestrebt habe. Sie habe vielmehr – nicht zuletzt aus Kostengründen – auf ein vom Senat 2024 beschlossenes Programm zum Aufbau von bis zu 16 dezentralen und qualitätsgesicherten Containerdörfern gesetzt.

Kosten für Unterkunft ein Fall für den Rechnungshof?

„Ich habe immer wieder gesagt: Für das Land Berlin ist es kostengünstiger, wenn wir die Menschen in dezentralen Unterkünften unterbringen – ob in Containern oder in Gebäuden“. Sie sei weiterhin der Meinung, dass eine dezentrale Unterbringung in landeseigenen Unterkünfte am besten ist für die Integration der Menschen und für den angespannten Berliner Haushalt. „Zwar wird jetzt ebenfalls dezentral untergebracht, allerdings in deutlich teureren Hostels und Hotels. Ich befürchte, die Unterbringung in Hotels und Hostels könnte ein Fall für den Landesrechnungshof werden.“

Denn in einem Hostel koste ein Platz durchschnittlich 60 Euro pro Tag und Person. In einem Containerdorf seien es 20 Euro, in einer Regelunterkunft mit Wohnungen oder in Bestandsgebäuden wie früheren Büros 15 bis 20 Euro.

Neue Notunterkunft Tegel wird größer

Davon unberührt ist eine neue Unterkunft in der Hasenheide, wo ab Oktober 921 Plätze zur Verfügung stehen. Die im Januar 2026 wieder eröffnete Notunterkunft im Terminal C des ehemaligen Flughafens Tegel wird von 500 auf 1.000 Plätze aufgestockt, wie das LAF mitteilte. Ein sogenanntes Tempohome in der Finckensteinallee (245 Plätze), also ein Containerdorf, geht nach längerer Sanierung voraussichtlich in diesem Jahr wieder in Betrieb.

Zwei Unterkünfte in Kreuzberg werden laut LAF 2026 aufgrund auslaufender Verträge geschlossen: Das ehemalige Hostel am Warschauer Platz und das „Tempohome“ an der Alten Jakobstraße.

Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten ist die zentrale Berliner Landesbehörde für die Registrierung, Versorgung und Unterbringung von Asylbewerbern und anderen Geflüchteten. Derzeit hat das Amt 523 Beschäftigte an mehreren Standorten. (dpa/mig) Aktuell Panorama

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