Pegida, Gegendemo, Rassismus, Hetze, Demonstration
Pegida-Gegendemo in Dresden (Archivfoto)

Dritter "Pegida"-Jahrestag

Dresdner demonstrieren gegen Rassismus

"Herz statt Hetze": Mit Friedensgebeten und Spiegeln gingen Tausende Menschen in Dresden gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz auf die Straße. Sie protestierten gegen mehr als 3.000 "Pegida"-Anhänger.

Montag, 30.10.2017, 6:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02.11.2017, 12:16 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Rund 3.000 Menschen haben am Samstag in Dresden gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus demonstriert. Anlass war der dritte Jahrestag der asyl- und fremdenfeindlichen „Pegida“-Bewegung, die diesmal mehr als 3.000 Anhänger auf dem Dresdner Theaterplatz versammelte. Dem Aufruf der Initiative „Herz statt Hetze“ zu Gegenprotesten folgten auch Politiker und Kulturschaffende, darunter Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig sowie Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange (beide SPD). Die Polizei zog eine positive Bilanz ihres Einsatzes und sprach vom ruhigsten „Pegida“-Jahrestag bisher.

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Polizeipräsident Horst Kretzschmar teilte mit, zwei Männer müssten sich wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. So habe ein 26-Jähriger bei „Pegida“ ein Hakenkreuz getragen, ein 34-jähriger Gegendemonstrant eine Fahne mit dem Aufdruck „KPD“. Weitere Anzeigen gab es gegen einen 49-jährigen „Pegida“-Anhänger wegen eines Faustschlags und gegen einen 20-jährigen Gegendemonstranten wegen Vermummung. Nach den Worten von Kretzschmar waren 600 Polizisten im Einsatz.

Dresdens Oberbürgermeister: Rote Linien aufzeigen

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) rief dazu auf, „rote Linien aufzuzeigen“ und „deutlich zu sagen, was mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“. Mit Blick auf „Pegida“ sagte er: „Enthemmung ist nicht duldbar.“ Vor dem Hintergrund von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit müsse sich jeder zu Wort melden und deutlich sagen: „Das ist nicht mein Dresden.“ Hilbert kündigte an, mehr Begegnungsangebote für Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Einheimische zu schaffen.

„Herz statt Hetze“ versammelte mehrere Protest-Initiativen zu einer Abschlusskundgebung auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche. Zahlreiche Teilnehmer hielten symbolisch Spiegel in die Höhe, um der Stadtgesellschaft diese vorzuhalten. Der Flashmob wurde von Künstlern initiiert, die zuvor mit mannshohen Spiegeln durch die Stadt gezogen waren. Der Chefdramaturg des Dresdner Schauspiels, Jörg Bochow, rief dazu auf, alle demokratischen Kräfte an einem runden Tisch zu vereinen. „Pegida“ und deren „altertümlichem Begriff von Kultur“ dürften nicht die Plätze der Stadt überlassen werden, sagte er. Sachsens Kunstministerin Stange betonte, Tausende Menschen setzten sich im Alltag für Mitmenschlichkeit ein.

Pfarrer: Frieden ist brüchig geworden

Mehr als 200 Menschen hatten zuvor am Nachmittag an einem Friedensgebet in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche teilgenommen. Der Frieden sei brüchig geworden, sagte Pfarrer Sebastian Feydt. Als Christen gelte zu lernen, „was Liebe üben bedeutet“. Dies gelte auch gegenüber denjenigen, „die es uns so schwer machen, einander auszuhalten, die andere hassen“, sagte Feydt. Die Frauenkirche sei der „richtige Ort“, um für den Frieden zu bitten. Sie sei nicht nur als Kirche wiederaufgebaut worden, sondern als ein Zeichen für Frieden und Toleranz.

„Pegida“ hatte sich am 17. Oktober 2014 erstmals in Dresden versammelt. Seit drei Jahren demonstriert die Bewegung regelmäßig montags in Dresden. In den vergangenen Monaten nahmen etwa 2.000 Anhänger an den Versammlungen teil. (epd/mig)

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