Nebenan

Der gefährlichste „Clan“ Deutschlands trägt blaue Uniformen

Der Rassismus in der Polizei ist strukturell. Und sie führt zu jener Barbarei, die wir in den Handyvideos sehen können. Nein? Stimmt nicht? Dann beweist es mir! – Eine Glosse

Die zurückliegende Woche hat uns Polizeigewalt vor Augen geführt, die wir eigentlich nur aus den USA und anderen failed states kennen. Nicht, weil sie nicht auch schon früher in Deutschland existiert hätte – aber so unmittelbar sichtbar war sie selten. Und natürlich ist jetzt wieder von nur Einzelfällen die Rede, es gebe keine strukturellen Probleme. Doch der Rassismus in der Polizei ist strukturell.

Denn er ist strukturell in dieser Gesellschaft, der die Polizei entstammt; bildet die Polizei unsere Gesellschaft ab, ist er strukturell in der Polizei. In einer Profession, die aus sich heraus insbesondere gewaltaffine, autoritär denkende Menschen anzieht, führt dieser strukturelle Rassismus in der Folge auch folgerichtig zu jener Barbarei, die wir in den Handyvideos [1] sehen können, sofern nicht konkret gegengesteuert wird.

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Wer nun wiederum eine Profession, die ein staatliches Gewaltmonopol für sich reklamiert, ausübt, um seinen persönlichen Gewaltphantasien gegen körperlich und hierarchisch unterlegene Menschen auszuleben, der ist ein meines Erachtens ein Schwein. Er ist darin offenkundig auch nicht allein, rassistische Gewalttäter treten üblicherweise in Gruppen auf, nicht einzeln. Ich sage deshalb natürlich, die Bullen sind Schweine, und so haben wir uns mit ihnen auseinander zu setzen.

Das heißt, wir müssen den Rassismus dieser Gesellschaft und derer, die eigentlich dessen Opfer beschützen sollten, thematisieren. Wir müssen diejenigen stärken, die das bereits tun und diejenigen bekämpfen, die das nicht tun. Denn natürlich sind nicht wirklich alle Bullen Schweine. Wir haben gesehen, wie einer von ihnen einen seiner Kollegen davon abhielt, weiter auf einen am Boden liegenden Menschen einzutreten. Aber das sind leider die wahren Einzelfälle. Anständigkeit in der Polizei ist die Ausnahme, nicht die Regel: Der gefährlichste „Clan“ Deutschlands trägt blaue Uniformen.

Sicher – man könnte jetzt natürlich auch versuchen, mir das Gegenteil zu beweisen. Beispielsweise mit einer breit angelegten Studie, die untersucht, in welchem Maße Rassismus und Gewaltneigung wirklich in der Polizei verbreitet sind; inwieweit es sich doch nur um Einzelfälle und nicht um ein strukturelles Problem handelt, es sich also doch vor allem um ein mediales Phänomen handelt. Ich würde das nur allzu gern lesen. Doch genau diese Studie hat unser aller Innenminister erfolgreich verhindert – sicher, weil auch er selbst weiß, dass die deutsche Polizei ein gravierendes Gewalt- und Rassismusproblem hat, oder?