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Weihnachten

Stuhlkreise und Flüchtlinge

Gut gemeint ist, ist auch nicht immer gut gemacht. Kurz vor Weihnachten entdecken viele Menschen in Deutschland ein Herz für Flüchtlinge. In den Asylbewerberheimen werden Adventskränze gelegt oder Geschenke verteilt. Mit anderen Worten, man versucht ein gutes Gewissen zu bekommen.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie uns „Einheimische“ zum Flüchtlingsheim alte Möbel brachten und meinen Onkel im benachbarten Garten arbeiten ließen, wo er als Lohn Brathähnchen bekam. Denn schließlich kamen wir aus der Ukraine und dort gibt es aus Sicht der „Einheimischen“ keine Hühner, sodass diese Zahlungsmöglichkeit angemessen war.

Das mit den alten Möbeln will ich gar nicht verurteilen, jedoch haben sich die Blicke der Schenkenden – gefüllt mit Mitleid und Anteilnahme – sehr tief in mein Gedächtnis eingefressen. Wir brauchten kein Mitgefühl. Wir brauchten keine verdammten Hühner. Was wir wirklich brauchten, war eine Möglichkeit zu arbeiten und sich selbst Geld zu verdienen, um Möbel, Brathähnchen oder von mir aus Adventskerzen zu besorgen.

Die Flüchtlinge wärmt dieses Kerzenlicht nicht und auch nicht die alten Spielzeuge, Jeans oder Möbel. Diesen Pseudodialog im Stuhlkreisformat brauchen sie noch weniger. Was benötigt wird, ist Arbeit für einen gerechten menschenwürdigen Lohn. Was benötigt wird, sind Menschen die unnötig komplizierte bürokratische Anträge übersetzen. Was benötigt wird, ist der Staat, der keine Hürden baut, sondern Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung dieser Menschen schafft. Stuhlkreise dienen dem Gewissen und nicht den bedürftigen Menschen.

Auch heute nach 16 Jahren in Deutschland erkenne ich bei vielen gutmeinenden Menschen in Deutschland diese Mitleidsblicke. Diese haben mir nicht geholfen aufs Gymnasium zu kommen, diese machten nicht das Abitur oder meinen Bachelor für mich. Sie halfen mir auch nicht die deutsche Sprache zu lernen oder hier Steuern zu zahlen.

Nein, ich habe gelernt, sie zu bemitleiden. Frohe Weihnachten!