"Neustart"

Neuer Ditib-Vorstand will sich auf Kernaufgaben konzentrieren

Nach anhaltender Kritik an der Ditib kündigt der türkisch-islamische Verband einen „Neuanfang“ an und stellt einen neuen Vorstand vor. Die Reaktionen aus der Politik sind überwiegend skeptisch.

Der neue Vorstand des türkischen Islamverbands Ditib will die Einführung von islamischem Religionsunterricht in weiteren Bundesländern erreichen. Der Verband wolle einen „Neuanfang“ starten und sich wieder verstärkt seiner Hauptaufgabe widmen, der religiösen Erziehung von Kindern und Jugendlichen, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Kazım Türkmen am Mittwoch in der Kölner Zentral-Moschee. Die Ditib hatte Anfang Januar einen neuen siebenköpfigen Vorstand mit drei neuen Mitgliedern gewählt und dies mit der anhaltenden öffentlichen Kritik an dem Verband begründet. Politiker bewerteten den „Neuanfang“ skeptisch.

Auf die Nachfrage, ob der geplante Neuanfang der Ditib auch eine Loslösung von der Regierung in Ankara bedeute, antwortete Türkmen am Mittwoch ausweichend: Die Ditib habe eine gewachsene Struktur, die sich nur langfristig von „innen heraus“ entwickeln und verändern könne „und nicht durch Forderungen von außen“. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Verband erklärt, die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet werde der Ditib „als Quelle ihrer spirituellen, und religiösen Referenz auch weiterhin eine wichtige Stütze sein“.

Türkmen löste als Vorsitzender Nevzat Yaşar Aşıkoğlu ab. Stellvertretender Vorsitzender bleibt der Theologe Ahmet Dilek, Buchhalter Irfan Saral. Die bisherige Generalsekretärin Emine Seçmez tauschte mit ihrem Stellvertreter Abdurrahman Atasoy den Posten. Neu in den Vorstand gewählt wurden die Vize-Vorsitzende des Ditib-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Sümeyye Öztürk Mutlu, und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg, Erdinç Altuntaş.

Politiker sehen keinen Neustart

Politiker sahen in dem neuen Vorstand keinen inhaltlichen Neustart der Ditib. „Von dem groß angekündigten Neuanfang bei Ditib kann keine Rede sein, wenn drei der sieben Vorstandsmitglieder – Ditib-Chef und Botschaftsrat Kazım Türkmen, dessen Stellvertreter Ahmet Dilek und Generalsekretär Abdurrahman Atasoy – Beamte der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara sind“, sagte die stellvertretende Linken-Fraktionschefin Sevim Dagdelen.

Auch die Grünen-Politikerin Filiz Polat kritisierte, die Zusammensetzung des neuen Vorstands lasse keinen großen Willen erkennen, künftig unabhängige Strukturen aufzubauen. „Im Gegenteil: Die Beamten sind weisungsgebunden und können deshalb ein unabhängiges Vorgehen nicht garantieren.“

Innenministerium kritisch

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums erklärte in Berlin, man sehe es durchaus kritisch, dass Ditib strukturell, personell und finanziell an die türkische Religionsbehörde Diyanet angebunden sei. Dennoch stehe es der Ditib frei, ihren Vorstand selbst zu wählen. Der Gesprächsfaden zum Verband solle „unbedingt erhalten“ werden, sagte die Sprecherin und verwies auf die hohe Zahl der Ditib-Moscheegemeinden in Deutschland. Die Bundesregierung fördert zurzeit keine Projekte in Ditib-Trägerschaft mehr, und auch das Land Nordrhein-Westfalen hat die Kooperation ausgesetzt.

Türkmen kritisierte die negative Berichterstattung über die Ditib in den vergangenen Jahren. Man habe den Verband „zur Zielscheibe erklärt“, so dass er sich nicht mehr um seine Kernaufgaben habe kümmern können, sagte der Ditib-Vorsitzende. Er kündigte an, die Ditib wolle unter anderem die Anerkennung des islamischen Religionsunterrichts als Unterrichtsfach in den verschiedenen Bundesländern erreichen und das Angebot ausbauen. Nordrhein-Westfalen war 2012 das erste Bundesland, das Islamunterricht eingeführt hatte. Die Ditib ist mit rund 860 Moscheegemeinden bundesweit die größte islamische Organisation. (epd/mig)