Tag der offenen Moschee

Wie weltfremd muss Frau Ateş sein?

Ist der „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober eine Provokation und ein Zeichen mangelnder Integration? Dieser Ansicht ist Seyran Ateş. Thomas M. Schimmel, Koordinator der Langen Nacht der Religionen in Berlin hält in seinem MiGAZIN-Gastbeitrag dagegen.

Die Äußerungen von Seyran Ateş im Deutschlandfunk zum Tag der offenen Moschee [1] sind unsäglich. Man sollte sie eigentlich nicht weiter kommentieren, wenn sie nicht eine so gefährliche Wirkung hätten. Frau Ateş Äußerungen machen erneut deutlich, dass sie gesellschaftspolitisch vollkommen unbedarft ist und dass es ihr mehr um ihren Geltungsdrang als um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geht.

Frau Ateş verwechselt in dem Gespräch ganz offensichtlich den 9. November als Tag des Mauerfalls mit dem 3. Oktober als Tag des Beitritts der ostdeutschen Bundesländer. Zudem Martin Luther als Vorbild und Kronzeugen für ihre Moschee-Gründung zu missbrauchen, zeugt von einer vollkommen schrägen Sicht auf die Reformation.

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Rundumschlag trifft die Falschen

Frau Ateş und ihre Ibn-Rushd-Goethe-Moschee haben wie viele andere Moscheen an der Langen Nacht der Religionen am Samstag, den 8. September teilgenommen. Sie haben einen Sabbath genutzt, um über die Arbeit und die Spiritualität ihrer Moschee zu informieren. War das respektlos gegenüber Menschen jüdischen Glaubens, für die der Samstag ein absoluter Ruhetag ist? Sie haben an der Langen Nacht der Religionen teilgenommen, obwohl doch jeder Freitag für sie der Tag der Offenen Moschee ist. Warum haben sie dann einen Tag nach ihrem Tag der offenen Moschee nicht auf eine Teilnahme verzichtet?

Mit ihrem pauschalen Rundumschlag gegen die Verbände trifft Frau Ateş nicht diejenigen, die zu kritisieren sind, sondern genau die Menschen, die in den Moscheegemeinden ehrenamtlich arbeiten. Diese Menschen helfen praktisch und solidarisch, dass die Religionsfreiheit in Deutschland von Muslimen ausgeübt werden kann. Frau Ateş grenzt auf unerträgliche Weise aus und stellt zum wiederholten Male Muslime unter Generalverdacht. Sie leistet damit Vorurteilen und Vorbehalten Vorschub. Intellektuell sollte es eine Rechtsanwältin durchaus möglich sein, die verschiedenen Ebenen von Außenpolitik, Verbandspolitik, Integrationspolitik, Gemeindearbeit und Religiosität getrennt zu diskutieren, statt populistische Klischees zu bedienen.

3. Oktober, ein guter Tag

Frau Ateş meint offensichtlich, dass die guten Deutsche den ganzen Tag ausschließlich auf den Festen zur deutschen Einheit gemeinsam feiern, sich bei deutschlandpolitischen Podiumsdiskussionen intellektuell mit den historischen Ereignissen beschäftigen oder die zahlreichen Dokumentationen über 1989/90 im Fernsehen anschauen. Die schlechten Deutschen dagegen machen an diesem Tag abwegige Dinge, wie die Oma zu besuchen und mit der Familie Kaffee zu trinken, in die Lüneburger Heide zu fahren oder Menschen in Moscheen einzuladen bzw. Moscheen zu besuchen – obwohl nicht Freitag ist. Wie weltfremd muss Frau Ateş sein?

Der Tag der Deutschen Einheit ist ein guter Tag, über die Zerrissenheit unserer Gesellschaft nachzudenken. Zu dieser Zerrissenheit gehören ein immer sichtbar werdender Rassismus, der sich auch gegen Muslime richtet. Es ist den Moscheen zu danken, dass sie ihre Türen genau an diesem Tag öffnen. Dieser freie Tag mit seiner politischen Erinnerung ist ein guter Tag, um mit Menschen aller Weltanschauung über den Islam in Deutschland zu sprechen und ihnen die Möglichkeit zu geben, kritische Fragen zu stellen sowie kontrovers über religions- und integrationspolitische Fragen zu diskutieren. Dies hilft der Debattenkultur und dem Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.