Na?

Und wie viele tote Flüchtlinge brauchen Sie inzwischen für eine Empörung?

Als der erste Bootsunglück mit 400 toten Flüchtlingen bekannt wurde – mehr als Lampedusa, gab es kaum Empörung. Erst nach dem zweiten Unglück mit weiteren mehreren Hundert Toten konnten wir uns aufrappeln. Ich will nicht wissen, wie sich das weiterentwickelt.

Mehrere Hundert Menschen haben vor wenigen Tagen ihr Leben bei der Überfahrt nach Europa verloren. Ihr Tod kam nicht überraschend. Spätestens seit Lampedusa wissen wir alle, dass es nur eine Frage der Zeit war, wann das nächste große Unglück passiert.

An die Schiffsunglücke mit „wenigen“ Opfern haben wir uns schon längst gewöhnt. Die Messlatte für „Empörungen“, „Erschütterungen“ und „tiefstem Beileid“ ist weit oberhalb von Lampedusa (390 Tote) angekommen.

Als noch gegen Ende vergangener Woche die Zahl von 400 Todesopfern durch die Medien geisterte, gab es nicht einmal Krokodilstränen. Nur in der Tageszeitung prangte die Zahl von 400 toten Flüchtlingen auf der Titelseite. Für das Groß der übrigen Medienlandschaft waren die diese Menschen keine Meldung wert. Inzwischen regen wir uns nicht unter 1.000 Toten auf. Tausend!

Erst nach Bekanntwerden eines weiteren Schiffsunglücks und weiteren mehreren Hundert Toten kamen wir aus unseren Löscher gekrochen. Plötzlich rangen alle mit Rang und Namen um Fassung Angesichts der fürchterlichen Katastrophe, bei der sogar Frauen und Kinder ums Leben kamen.

Dabei geben unsere Politiker ihr Bestes, um unser Gewissen reinzuwaschen: Die meisten Migranten seien Wirtschaftsflüchtlinge; wir könnten unmöglich so viele Flüchtlinge aufnehmen; wir täten den Schleppern einen Gefallen, wenn wir deren Flüchtlinge auch noch aufnehmen.

Die Schuldigen sind also bereits identifiziert. Es sind die bösen Schlepper, die aus Profitgier Menschenleben aufs Spiel setzen, sie in überfüllten und untauglichen Booten sehenden Auges in das offene Meer treiben. Und aus welchen Gründen schotten wir unsere Grenzen ab? Aus welchem Grund gucken wir weg, wenn Menschen sterben?