Achtung!

Ausländer am Horizont!

Seit Innenminister Friedrich öffentlich vor Ausländern warnte, die nur wegen dem Sozialsystem nach Deutschland kämen, sind Ängste in der Bevölkerung gegenüber Einwanderern gestiegen – vollkommen unnötig, wie Analysen zeigen.

Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit in südeuropäischen Ländern, sowie Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bürger der neuen EU-Mitgliedsstaaten haben zur Folge, dass die Bundesrepublik für viele Arbeitssuchende attraktiv wird. Gleichzeitig hat Deutschland einen starken Bedarf an ausländischen Fachkräften.

Die in meinen Augen unbedachte Äußerung [1] von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) hat die Deutschen beunruhigt. Er sagte, dass es Ausländer gibt, die nur deswegen nach Deutschland kommen, um Sozialhilfe zu kassieren. Dieses Statement erregt neue Verdächte. Schließlich bekommen Bulgare und Rumäne ab Januar 2014 einen unbeschränkten Zugang zu dem deutschen Arbeitsmarkt. Sollen wir also mit Angst in die Zukunft schauen und das Wort „Neuzuwanderer“ als Schreckbild verwenden?

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Die stereotypische Anschauung, dass Einwanderer schwach ausgebildet sind, zu Dumpinglöhnen arbeiten und nur schlechte Sprachkenntnisse zu bieten haben, ist leider weit verbreitet. In dieser Situation überraschen die Ergebnisse einer aktuellen Emnid-Umfrage nicht. Danach wünschen sich zwei Drittel der Bundesbürger, dass die Zuwanderung aus EU-Ländern beschränkt wird.

Dabei sind diese Vorbehalte unbegründet [2]. In Wirklichkeit kommen nach Deutschland schon seit Jahren [3] immer mehr Hochqualifizierte als Personen ohne berufliche Ausbildung. Die Angaben des IAB-Kurzberichts 2012 begründen die Befürchtungen vor dem Zustrom sozialhilfebedürftiger Ausländer nicht, sondern zeigen, dass die meisten Neuzuwanderer erwerbstätig sind.

Außerdem liegt das jüngste Einwanderungsgeschehen völlig im Interesse Deutschland. Man muss schon heute Strategien anwenden, die der schrumpfenden Gesellschaft Fachkräfte sichern. Der Gesetzgeber unternahm inzwischen erste Schritte, um Fachkräften Hürden aus dem Weg zu schaffen. Im August letzten Jahres traten rechtliche Neuregelungen in Kraft, die den Zuzug von Hochqualifizierten erleichtern sollten, und weitere sind in Planung. Und Initiativen wie „Make it in Germany“ sollen ein freundliches Gesicht des deutschen Arbeitsmarkts präsentieren und das Stereotyp einer komplizierten Bürokratie abbauen.

Auch der 6. Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt ist in diesem Zusammenhang als ein gutes Zeichen zu sehen. Diesmal fokussierte man sich insbesondere auf die Themen: „Integration in Arbeitsmarkt und Erwerbsleben“ und „Arbeitsmarktintegration durch Sprache, Ausbildung und Qualifikation“. Wie bei jedem Treffen gibt es viele schöne Pläne ohne tatsächliche Veränderungen.

Ich bleibe dennoch optimistisch. Man muss zu schätzen wissen, dass über „Integration“ nicht mehr geschwiegen wird. Hoffentlich werden die bereits getroffenen Maßnahmen dazu beitragen, dass ausländische Fachkräfte sich willkommen fühlen. Hilfreich wäre es natürlich, wenn die Gesellschaft ihre Vorurteile gegenüber Einwanderern ablegt – unterstützt von Herrn Friedrich.