Quotenregelung

Mehr Migranten in den Öffentlichen Dienst

Was braucht eine gelungene Integration von Migranten in Deutschland – vorausgesetzt man will sie? Junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen, die im bundesweiten Netzwerk „Brückenbauer für Deutschland“ zusammen-geschlossen sind, haben jetzt neun Eckpunkte vorgestellt, die ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht, gute Bildung für „Jedermann“, bessere Beteiligungsmöglichkeiten für Zuwanderer in Politik und Verwaltung, Gleichstellung der Religionen und die Förderung von schutzbedürftigen Migranten vorsehen.

In ihrem Konzept bezeichnen sie die Möglichkeit, politisch, sozial, beruflich und kulturell an der Gesellschaft teilzuhaben als wichtige Rahmenbedingung für Integrationsprozesse.

Auf der einen Seite werde Bildung als eines der höchsten Güter in der Gesellschaft angesehen, der Bildungserfolg in Deutschland andererseits aber stark durch die soziale Herkunft bestimmt. Besonders schlecht sei es um Jugendliche mit Migrationshintergrund bestellt. Flächendeckende und kostenlose Angebote beispielsweise zur Sprachbildung für Eltern könnten hier helfen.

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Aber auch diejenigen, die zwar einen qualifizierten in Deutschland nicht anerkannten Ausbildungs-Abschluss vorweisen, haben es oft nicht leicht. Trotz Promotion müssen sich viele mit Ein-Euro-Jobs über Wasser halten, da sie hierzulande als ungelernte Arbeitskräfte gelten. Eine Vereinheitlichung der Anerkennungsverfahren könnte die Lösung des Problems sein.

Zukünftig werden Migranten als aktive oder passive Mitgestalter deutscher Politik immer wichtiger, zumal die Zahl der seit den 90er-Jahren eingebürgerten Wählerinnen und Wähler stetig größer wird. Das Manifest kritisiert vor diesem Hintergrund die geringe Repräsentanz von Migranten im Öffentlichen Dienst, die mittlerweile den Querschnitt der Bevölkerung nicht mehr widerspiegele. Daher wird die Einführung einer Migrantenquote im Öffentlichen Dienst gefordert.

Infobox: Das Netzwerk „Brückenbauer für Deutschland“ ist aus dem Leadership-Programm der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen unter der Schirmherrschaft von Prof. Rita Süssmuth entstanden. Das Manifest „Es ist Zeit für ein neues Miteinander – Neun Pfeiler der Integration [3]“ steht als Download zur Verfügung.

Das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht entspricht zu wenig den Realitäten eines Einwanderungslandes, so das Netzwerk, und sei deshalb dringend modernisierungsbedürftig. Auch gehöre Deutschland nach wie vor zu den wenigen europäischen Ländern, die eine doppelte Staatsbürgerschaft nur im Ausnahmefall vorsehen. Damit jedoch könnten Menschen mit Migrationshintergrund stärker in die Gesellschaft eingebunden werden.