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Das Deutschland der Bild-Zeitung

Nein zum Antisemitismus, ja zur Islamfeindlichkeit

Gegen judenfeindliche Äußerungen bei Gaza-Protesten gab es deutliche Kritik. Auch die Bild-Zeitung schloss sich der Kritik an. Das ist gut. Doch was sie unterschwellig bis offen in Bezug auf den Islam von sich gab, gehört nicht zu Deutschland.

Als judenfeindliche Äußerungen von einigen Demonstranten bei den Gaza-Protesten getätigt wurden, war die Empörung berechtigterweise groß. Natürlich sind nicht alle Demonstranten Antisemiten gewesen, aber allein die Tatsache, dass auf deutschen Straßen in dieser Lautstärke antisemitische Parolen skandiert wurden, war und ist nicht hinnehmbar.

Von der Zivilgesellschaft, der Politik und Medien gab es deutliche Kritik. Auch die Bild-Zeitung schloss sich der Kritik an und initiierte die Kampagne #stimmeerheben, „Nie wieder Judenhass“. Was ich richtig fand, wobei ich eine Kampagne allgemein gegen Hass, unabhängig von der Zielrichtung, besser gefunden hätte.

Der Tenor der Berichterstattung der Bild-Zeitung war: Wer Antisemitisches von sich gibt, gehört nicht zu Deutschland. In diesem Zusammenhang hätte man vielleicht erläutern sollen, zu welchem Deutschland? Meine Meinung: Zu unserem vielfältigen Deutschland, das die allgemeinen Menschenrechte als Grundlage hat.

Was die Bild-Zeitung aber vermutlich gemeint hat: Zu unserem Deutschland der vermeintlichen Homogenität, das sich noch nicht (in aller Unverkrampftheit) als Einwanderungsland versteht. Was ist aber mit der Tatsache, dass der Antisemitismus auch unter den Deutschen ohne Migrationshintergrund weit verbreitet ist und immer weit verbreitet war? Gehören die nun auch nicht zu Deutschland?

Nicolaus Fest, immerhin stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag, schreibt nun in einem Meinungsbeitrag für die Bild-Zeitung Islamfeindliches. Obwohl er Atheist sei, habe er nichts gegen das Christentum, Judentum und den Buddhismus. Aber der Islam störe ihn immer mehr. In seinen weiteren Ausführungen macht er den Islam und Muslime wegen ihrer Religion und Religionszugehörigkeit für alles mögliche Negative verantwortlich. Angefangen vom Rassismus, der importiert sei, den es natürlich ohne den Islam nicht in Deutschland geben würde. Für die Homophobie, die natürlich ein Alleinstellungsmerkmal des Islam ist. Die aus wenigen Sätzen bestehende Kolumne ist ein giftiges Konzentrat an Rassismus, jeder Tropfen ist schädlich für unsere Gesellschaft.

Dieser Meinungsbeitrag ist zudem entlarvend und zeigt in aller Deutlichkeit, wie die deutsche Gesellschaft nach der Bild-Logik aussieht: Man kann nicht zu Deutschland gehören, wenn man antisemitisch eingestellt ist. Man kann zu Deutschland gehören, wenn man islamfeindlich eingestellt ist, weil der Islam eben nicht zu Deutschland gehört und ein Störfaktor ist.

Gut, dass wir uns als Zivilgesellschaft nicht vorschreiben lassen, wer dazu gehört und wer nicht. Hass und Vorurteile sind in keiner Form hinnehmbar. Wer Hass gegen Juden, Muslime, Homosexuelle oder allgemein gegen Menschen mit einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit predigt, gehört nicht zu unserer Gesellschaft.

Anstatt Töne wie von einem Motor für Vorurteile und Rassismus von sich zu geben, sollte die Bild-Zeitung und Nicolaus Fest, der sich nach eigenen Angaben mit dem Presserecht beschäftigt, den Pressekodex verinnerlichen. Dort heißt es in Ziffer 10: Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen. Oder in Ziffer 12: Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.