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Türkische Presse Europa

21.04.2010 – Özkan, Migrantenstudie, Jugendamt

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten vornehmlich über die Ernennung von Aygül Özkan zur Sozialministerin in Niedersachsen. Weitere Themen sind die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, die Migrantenstudie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie der Sorgerechtsentzug bei einer Kindeswohlgefährdung.

Merkel begrüßt Ernennung von Özkan
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Staatsministerin Maria Böhmer hätten sich für die Ernennung von Aygül Özkan zur Sozialministerin in Niedersachsen ausgesprochen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) habe vor seiner Entscheidung die Meinung von Merkel und Böhmer eingeholt, die ihn darin bestärkt hätten, Özkan zur Ministerin zu berufen.

Özkan wird unter anderem für die Integrationsarbeit der Landesregierung zuständig sein. Die Ernennung von Özkan wird von vielen Migrantenorganisationen begrüßt.

In einem Interview mit der MILLIYET sagte Özkan, dass die Bundeskanzlerin ihre Berufung als ein Signal an alle Migranten bewertet habe. Sie werde die Ministerin Aller in Deutschland sei, so Özkan. Auch habe das türkischen Außenministerium und die türkische Botschaft sie angerufen und viel Erfolg gewünscht. Özkan sagte auch, dass sie in kürzester Zeit den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan persönlich kennenlernen möchte.

Özkan betonte in dem Gespräch ferner, dass die Erlernung der Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Sie sei in ihrer Familie zweisprachig aufgewachsen. Insofern sei ihr die Förderung der Muttersprache ebenso wichtig. Sie werde sich für den Türkischunterricht als zweite Fremdsprache einsetzten. (ZAMAN, SABAH, MILLIYET, TÜRKIYE)

Polat kritisiert Bildungspolitik der niedersächsischen Landesregierung
Die migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Filiz Polat, bewertete die Kabinettsumbildung in Niederachsen als Folge der schlechten Bildungspolitik der Regierung. Zur Ernennung von Özkan zur Ministerin sagte Polat, dass nicht der Migrationshintergrund, sondern die Qualifikation bestimmend für die Ernennung sein müsste. Polat rief Özkan zudem auf am Netzwerk türkeistämmiger MandatsträgerInnen der Körber-Stiftung teilzunehmen. (ZAMAN)

Migrantenstudie nimmt Integrationserfolge nicht wahr
Die Berliner SPD-Politikerin Bilkay Öney kritisiert die Migrantenstudie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), berichtet die SABAH. Die erfolgreichen Türkischstämmigen würden in Studien oftmals nicht berücksichtigt, so Öney. Nicht nur die deutsche Presselandschaft, sondern auch Institute und Vereine erhofften sich mit solchen Schlagzeilen Profit.

Die Grünen kritisieren in diesem Zusammenhang das Schulsystem in Deutschland. Ausländerkinder würden oft institutionell diskriminiert; so auch der Grünen-Chef Cem Özdemir. Seine Grundschullehrerin habe ihn ausgelacht, als er sich für das Gymnasium entschieden habe.

Jugendamtsskandal: Familie wirft Jugendamt Geschäft mit Pflegekindern vor
Die ZAMAN berichtet erneut von einem Jugendamtsskandal. Nachdem ein Krankenhausarzt das Jugendamt verständigt habe, dass ein Säugling möglicherweise von seinen Eltern misshandelt wurde, sei den Eltern das Sorgerecht entzogen worden. Dabei habe es dafür keine Anzeichen gegeben. Das deutsch-türkische Paar wirft den Beteiligten Geschäftsgebaren vor. Die Familie hat Klage erhoben.

Hamburger Senat legt Konzept zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse vor
Der Hamburger Senat hat einige Neuerungen beschlossen, um hier lebende Migranten besser in das Berufsleben zu integrieren. Dabei soll vor allem die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen verbessert werden. Beim Hamburg Welcome Center (HWC) wird eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, die Beratung und Begleitung für die verschiedenen Anerkennungsverfahren bietet, berichtet die HÜRRIYET. „Zu oft sind Menschen mit Migrationshintergrund in einfachen Tätigkeiten beschäftigt – vorhandene Talente und Qualifikationen werden nicht ausreichend genutzt“, sagte Wirtschaftssenator Axel Gedaschko und nannte als Beispiel den Taxifahrer, der eigentlich Arzt ist, dessen Abschluss aus seinem Heimatland aber in Deutschland nicht anerkannt wird.