MiGAZIN

Hessischer Kulturpreis

Roland Koch entschuldigt sich bei Kermani

Die Kommunikation mit Kermani sei nicht gelungen gewesen. Dafür entschuldigte sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bei dem muslimischen Autor Navid Kermani bei der Verleihung des hessischen Kulturpreises.

Der mit 45.000 Euro dotierte Hessische Kulturpreis wurde gestern an vier Vertreter von Christentum, Judentum und Islam verliehen. Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, der ehemalige hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, und der deutsch-iranische Schriftsteller und Islamwissenschaftler Navid Kermani wurden für ihre besonderen Verdienste um den Dialog zwischen den Religionen gewürdigt. Damit ging eine monatelange Kontroverse um die Auszeichnung Kermanis zu Ende.

Ausgelöst hatte den Streit der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann. Er lehnte es ab, gemeinsam mit Kermani geehrt zu werden und schrieb einen Brief an Koch. Unterstützung erhielt der er von Peter Steinacker, der frühere Präsidenten der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Als Begründung führten die beiden einen Aufsatz Kermanis über christliche Kreuze aus, in der Kermani im Zusammenhang mit der Kreuzestheologie von Gotteslästerung geschrieben hatte, am Ende aber zu dem Schluss gekommen war: „Ich könnte an ein Kreuz glauben.“

Der Hessische Kulturpreis: Der aufgrund eines Kabinettbeschlusses der Landesregierung Hessen von Juni 1981 geschaffene Hessische Kulturpreis wird seit 1982 jährlich für besondere Leistungen in Kunst, Wissenschaft und Kulturvermittlung vergeben. Roland Koch ist Vorsitzender des Kuratoriums des Hessischen Kulturpreises.

Koch: „Dafür entschuldige ich mich persönlich“
Aus Sicht von Roland Koch sei eine Auszeichnung ohne die beiden Kirchenmänner, „undenkbar“, gewesen, weswegen er Kermani ausgeladen habe. Koch räumte in seiner rede aber ein, dass die Kommunikation mit Kermani „nicht gelungen“ sei. Das gelte insbesondere für die Tatsache, dass Kermani durch Anrufe von Journalisten und nicht aus der Staatskanzlei erfahren habe, dass ihm der Preis aberkannt werden solle. „Dafür entschuldige ich mich persönlich und für alle, die daran beteiligt waren“, fügte der Regierungschef unter dem Beifall des Publikums hinzu.

Kermani ging in seiner Ansprache ausführlich auf die Auseinandersetzung ein. Eine multireligiöse und multikulturelle Gesellschaft werde niemals konfliktfrei sein, sagte er. Es komme aber darauf an, diese Konflikte friedlich und konstruktiv zu lösen. Und dies sei ihnen gelungen. Daher dankte Kermani Koch und den anderen Preisträgern für „ihren Großmut“ und betonte, er habe von seinem viel diskutierten Zeitungsartikel nichts zurückzunehmen.

„Ich bin in die Identitätsfalle getappt, die ich so oft beschrieben habe“, sagte er weiter und fügte hinzu: „Ja, ich bin Muslim. Ja, ich bin Schriftsteller. Aber ich bin kein muslimischer Schriftsteller. Ich bin ein deutscher Schriftsteller.“ Das sei die einzige Gemeinschaft, der er angehören wolle. Daher monierte er, dass er seit Beginn des Konflikts um den Kulturpreis als muslimischer Schriftsteller bezeichnet werde.