Corona-Ausrede

Wären Flüchtlinge profitabel, wären sie längst da

Seit Monaten harren Flüchtlinge auf den griechischen Inseln aus. Kein EU-Land nimmt sie auf. Sobald Ausländer aber dem eigenen Wohl nutzen oder Profit versprechen, werden sie zu Zehntausenden geholt.

Die katastrophalen Umstände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos machen deutlich, dass die Länder der Europäischen Union nicht willens sind, den rund 20.000 Flüchtlingen eine menschenwürdige Zukunft zu geben. Ungarn und Polen machten von Anfang an klar, dass sie keine Flüchtlinge aufnehmen werden. Auch Österreich lehnt die Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge entschieden ab.

Deutschland zeigt sich zumindest auf dem Papier human, in der Praxis ist das Land sehr zögerlich – zuletzt wurden die ersten 47 Minderjährigen eingeflogen. Diese Zahl ist verhältnismäßig klein, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig 80.000 Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland eingeflogen wurden.

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Doch auch der Umgang mit den Erntehelfern macht deutlich, dass das Menschenleben von Ausländern nicht so wichtig zu sein scheint. Den Saisonarbeitern werden vielerorts keine Masken zur Verfügung gestellt und sie müssen in engen Containern schlafen, wodurch kein Sicherheitsabstand möglich ist. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beschreibt die Situation [1] der Arbeiter jedoch kalt mit folgenden Worten: „Es kommen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die frei entscheiden können, wo sie arbeiten wollen in Europa, weil sie Geld verdienen möchten.“

Die Tatsache, dass viele keine andere Wahl haben, um ihre Familien und Angehörigen zu versorgen, blendet die Ministerin aus. Den ausländischen Arbeitskräften werden nicht dieselben Schutzmaßnahmen zu Verfügung gestellt, wie einer deutschen Arbeiterin oder einem deutschen Arbeiter.

Auch in Österreich will man beide Augen zu drücken, wenn es darum geht, sich versorgen zu lassen. Hunderte Pfleger wurden im April aus Rumänien und Bulgarien nach Österreich eingeflogen. Der österreichische Staat übernahm den Flug und die Kosten für die 14-tägige Quarantäne.

Wenn es jedoch darum geht, Minderjährige aus der Hölle von Moria zu retten, bleiben Bundeskanzler Kurz & Co. hart. Derzeit dürfen Asylbewerber momentan nur einreisen, wenn sie ein Gesundheitszeugnis vorweisen. Die Beschaffung eines solchen Zeugnisses ist aber für Leute auf der Flucht praktisch unmöglich, was bedeutet, dass man ihnen – Corona sei Dank – de facto ihr Recht auf Asyl beraubt.

Ausländer scheinen tatsächlich nur wichtig zu sein, wenn sie einen Nutzen für die eigenen Bürger haben oder wirtschaftlichen Profit versprechen. Der politische Diskurs rund um Migration und Flüchtlinge wird schon längst von rechten Parteien dominiert. Die traurige Wahrheit ist, dass die Flüchtlinge bereits vor der Corona-Krise nicht in Europa willkommen waren. Jetzt haben die EU-Länder mit der Corona-Krise eine willkommene Ausrede.