Spendenaufruf wird zum Riesenerfolg

„In meiner Familie sind alle Nazis, aber ich habe heimlich gesammelt.“

Alles fing an mit einem spontanen Facebook-Post. Mehrere Lkw-Ladungen Hilfsgüter haben Andreas, Miriam und Axel inzwischen nach Griechenland geschafft – und ganz viele Menschen bewegt. Exklusiv im MiGAZIN berichtet Axel über die Erfolgsgeschichte.

„Das Leben hier in Griechenland auf der Straße ist hart, aber besser als in Afghanistan“ sagt Nadid. Es sind 11 Grad, ein besonders warmer Januartag in Thessaloniki. Nachts fallen die Temperaturen auf 3-4 Grad. Es ist ein seltsamer Ort, an dem Rose Hansen und ihr Team von Medical Volunteers International e.V. die Geflüchteten, die auf der Straße leben mit der notwendigsten medizinischen Fürsorge unterstützen. Wir leben in einer ungleichen Welt, aufgebaut auf Wohlstandszonen, Armut und Ungleichheit. Und das wird hier besonders deutlich: Der verdreckte Parkplatz am Rande von Thessaloniki ist nachts Treffpunkt für bulgarische Prostituierte und deren griechische Freier und tagsüber Treffpunkt für das Team und die Geflüchteten, die dringend Hilfe benötigen.

Überall liegt Müll herum. Als erstes an jedem Tag beseitigt das Team von Medical Volunteers International die Kondome vom Vorabend, die überall zu sehen sind. Ca. 50 Geflüchtete, alles Männer, warten schon auf medizinische Versorgung. Täglich werden hier bis zu 100 Menschen betreut. Die meisten von ihnen besitzen keine Papiere und viele von ihnen sind minderjährig, oder erst 18 oder 19 Jahre alt. Sie haben ihre Heimat in Afghanistan, Pakistan, Syrien und Nordafrika verlassen, um in eine vermeintlich bessere Zukunft zu flüchten. Die Männer sind weder niedlich, noch kommen sie aus Ländern, denen besondere Sympathie entgegengebracht wird. Im Flüchtlingscamp dürfen sie nicht sein, denn dieses ist Familien, Frauen und Kindern vorbehalten. Also leben sie auf der Straße. Die Kälte macht ihnen zu schaffen. Die meisten nehmen Drogen, um überhaupt einschlafen zu können und die ausweglose Situation, die Kälte und den Hunger zu ertragen. Sie wollen in den Norden, wo sie sich eine bessere Zukunft erhoffen. Armut ist nicht schön. Armut riecht, ist häßlich und hat wenig Alternativen. „Mama Rose“, wie die Koordinatorin der kleinen deutschen NGO liebevoll genannt wird, genießt Respekt auf den Straßen von Thessaloniki und ist eine Autorität mit großem Herzen unter den Geflüchteten.

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„Warum können Jugendliche überall in Europa andere Länder entdecken, aber wir nicht?“ fragt mich ein junger Marokaner, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.

Auf meine Frage, wie wir helfen können, antwortete Andreas „Nutzt Eure Reichweite, um den Truck voll zu bekommen. In Brandenburg wird das nicht einfach werden.“

Ich bin hier, weil wir einen Truck mit Hilfsgütern [1] zu den Medical Volunteers International und der InterEuropean Aid Association in Thessaloniki geschickt haben. Rose freut sich besonders über die mitgebrachten Schlafsäcke und die Zahnpasta. Jedesmal, wenn ich merke, dass unsere Hilfsgüter hier wirklich helfen, habe ich Tränen in den Augen – auch vor Stolz. Vielleicht ist es auch nur die Überarbeitung der letzten Wochen. Die  ersten Hygieneartikel und Schlafsäcke werden in den nächsten Tagen schon an Bedürftige ausgegeben. Ein Gefühl von Zufriedenheit und Müdigkeit macht sich in mir breit. Ich habe wieder viel dazu gelernt und empfinde tiefe Dankbarkeit für die Arbeit und die Einblicke, die ich durch die lokalen Organisationen erhalten habe.

Allen, denen ich hier von unserer Aktion erzähle, schauen mich ganz ungläubig an und stellen Fragen, wie: „Von welcher Organisation bist Du?“ Antwort: „Von keiner! Wir sind drei Verrückte“. Oder: „Seit wann sammelt Ihr denn schon?“ Antwort „Seit drei oder vier Wochen“. Aber: Wer sind „wir“?

„Wir packen’s an!“

Wir, das sind mein Freund Andreas, meine Partnerin Miriam und ich [2]. Alles begann in den besinnlichen Tagen rund um Weihnachten. Froh, mal frei zu haben, entdeckten meine Partnerin Miriam und ich kurz nach den Feiertagen den Facebook-Post unseres Freundes Andreas, der plante, einen Truck mit Kleidungsspenden zu den notleidenden und frierenden Geflüchteten auf den griechischen Inseln zu schicken – höchstwahrscheinlich nach Samos. Auf meine Frage, wie wir helfen können, antwortete Andreas „Nutzt Eure Reichweite, um den Truck voll zu bekommen. In Brandenburg wird das nicht einfach werden.“ Paralell dazu hatte Michael Buschheuer in Regensburg mit Space-Eye e.V. die gleiche Idee und sammelte bereits. Wir kennen uns alle aus der Seenotrettung.

Der Idee von Andreas war die politische Diskussion um die Kinder in den Camps in Griechenland vorausgegangen, angestoßen von Robert Habeck [3]. Der Grünenchef hatte vorgeschlagen, die Kinder nach Deutschland zu holen [4], was die Regierungsparteien ablehnten. Die öffentliche Empörung war groß, aber letztendlich passierte gar nichts. Während in Italien und Spanien die Zahlen der ankommenden Geflüchteten auf Grund der rigiden euopäischen Abschottungspolitik sinken, steigen sie in Griechenland [5]. Sowohl der türkische Präsident Erdogan als auch die Europäische Union nutzen die geflüchteten Menschen im Hotspot Türkei-Griechenland für ihre Interessen [6]. Die eine Seite äußert sich mittlerweile sogar sehr offen: Wenn ihr mir zu sehr in die Parade fahrt, öffne ich die Tore. Die andere Seite zeigt hingegen deutlich: Wer zu uns kommt, wird leiden, egal ob Mann, Frau oder Kind. Ein reicher Kontinent hat nichts für frierende und kranke Kinder übrig –  von frierenden Männern auf den Straßen Thessalonikis ganz zu schweigen. Was dabei oftmals vergessen wird: Es handelt sich um Menschen, wie du und ich. Nicht um Dinge, oder Schachfiguren, die man beliebig herumschupsen kann. Doch insbesondere das Schicksal der Minderjährigen rüttelt die Öffentlichkeit etwas auf. Und so scheint sich die Welt in zwei Lager geteilt zu haben. Auf Social Media tobt der Kampf zwischen empathischen und empathiefreien Personen.

„Während in Deutschland Völlerei herscht, frieren woanders Menschen unter unwürdigen Bedingungen, mitten in Europa. Andreas Steinert findet: Das geht gar nicht und legt los! „

Während in Deutschland Völlerei herscht, frieren woanders Menschen unter unwürdigen Bedingungen, mitten in Europa. Andreas Steinert findet: Das geht gar nicht und legt los! Also beschließen wir, ihm zu helfen. Miriam und ich setzen uns vor den Weihnachtsbaum und halten einen Blatt für ein Selfie hoch: „Macht den Truck voll!“ steht darauf. Dann verfassen wir den Facebook-Post und versenden das Bild mit dem zugehörigen Text noch per WhatsApp und Email an unsere Freunde. Das alles passiert am 29.12.2019. Da wir zur gleichen Zeit das letzte unfertige Zimmer in unserem Fachwerkhaus in Brandenburg renovieren, verfolge ich die Entwicklung des Posts nur am Rande. Malen, spachteln und sauber machen, dazwischen immer mal Facebook checken. Innerhalb weniger  Tagen steigen die Likes auf ca. 450 und der Post wird 800 mal geteilt. Anfragen häufen sich, ob Menschen Sachen in unserer Berliner Wohnung vorbei bringen können, dass Anpöbeln aus der menschenfeindlichen Ecke hält sich in Grenzen, kommt aber auch vor: „Warum macht Ihr nichts für deutsche Obdachlose?“. Wir telefonieren mit Michael Buschheuer in Regensburg und mit Andreas.

Die Dynamik nimmt rasant zu. Nach einem Artikel in der lokalen Zeitung erhält Andreas immer mehr Sachspenden. Die Idee sieht so aus: Wir füllen einen Truck, die Geldspenden für die Transporte dafür werden auf einem gemeinsamen Konto von den Regensburger Freunden von Space-Eye gesammelt, die als gemeinnützig anerkannt sind. Nach einer Presseerklärung und der überraschenden Berichterstattung in TV, Funk und Fernsehen der lokalen Presse, explodiert das Ganze. Mittlerweile gibt es auch Berichte in überregionalen Medien, wie der Süddeutschen Zeitung [9] oder bei RTL.de [10]. Sammelstellen in Berlin entstehen, wir telefonieren nun häufig, eigentlich mehrmals täglich …

Am 3. Januar setzen sich Miriam, Andreas und ich zusammen und versuchen das Ganze zu strukturieren. Es ist das erste Mal, seit wir mit der Aktion begonnen haben. Sammelstellen mit tollen Koodinator*innen in Berlin haben sich gebildet, unsere Berliner Wohnung gleicht einer Lagerhalle für Kleidung. Marlene hat eine Art „Filiale“ von uns in Berlin-Oberschöneweide organisiert, die bereits vorsortieren und uns damit viel Arbeit abnehmen. Die Jungen Piraten, die ebenfalls eine Sammelstelle zur Verfügung stellen, müssen ihre Sitzung ausfallen lassen, weil kein Platz mehr ist. Alles voll mit Sachspenden. Wir versuchen das Chaos zu koordinieren: Kleidungsannahme, Sortierung, Presse-Termine, Kommunikation mit NGOs in Griechenland und Absprachen sind notwendig. Mehrmals fahren Andreas und ich die Sammelstellen mit kleinen LKW’s ab. Die Lagerhalle von Andreas ist mittlerweile komplett vollgestellt mit Kleiderspenden aus ganz Brandenburg.

Inzwischen haben wir unserer kleinen Gruppe auch  einen Namen gegeben „Wir packen‘s an“ – inklusive Facebook-Seite [11] –  für mehr reicht die knappe Zeit nicht. Miriam macht die Posts. Ich helfe an allen Ecken und Enden und netzwerke, Andreas kümmert sich um die Logistik. Eine befreundete Grafikerin entwift unser Logo und ich lasse ein paar T-shirts für die Pressetermine bedrucken. Das ganze hat eine so überwältigende Dynamik angenommen, dass es sich anfühlt, als würden wir neben unserer hauptamtlichen Tätigkeit noch eine weitere Arbeitsstelle ausfüllen. Andreas Steinerts Geschenkartikel-Geschäft ist weitgehend lahmgelegt. Sein Firmengelände hat er teilweise zu einer Sortierstelle für Kleidung umgebaut, in der wir an den Wochenenden nun zehn Stunden pro Tag Kleidung und Hygieneartikel sortieren und verpacken.

„In meiner Familie  sind alle Nazis, aber ich habe heimlich was gesammelt.“

Mittlerweile gibt es eine WhatsApp Gruppe der Helfer*innen, die immer größer wird. Den ganzen Tag piept mein Handy. Und auch unser Unterstützerkreis wächst: Die Evangelische Kirche von Brandenburg, der Asta der Europa Universität Viadrina, die Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg – sie alle unterstützen uns öffentlich auf Social Media. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtet auf allen Kanälen mehrmals.

Eine Brandenburgerin bringt Kleidung aus einem Nachbardorf vorbei. „Ich finde es so toll, was Ihr macht. Endlich können wir etwas dazu beitragen, damit die Situation sich verbessert“. Eine andere Person  sagt „In meiner Familie  sind alle Nazis, aber ich habe heimlich was gesammelt“. In einem Brandenburger Seniorenheim häkeln ältere Menschen Mützen für die Kinder in den griechischen Camps, beigelegt ist ein rührender Brief mit der Überschrift: „Jeden Tag eine gute Tat“. Hiessige Kinder legen den Paketen selbstgemalte Bilder bei. Oftmals werden auch Süssigkeiten oder Kaffeepakete für die Helfer*innen beigesteuert. Eine komplette Schulklasse aus der Gegend kommt zum Sortieren. Freiwillige Feuerwehren aus den umliegenden Dörfern beladen die Trucks. Unsere ursprüngliche Vorstellung, besonders hier wäre es schwierig so eine Aktion aufzusetzen, ist falsch. Wir haben das Gefühl, mittlerweile auch den öffentlichen Diskurs in Brandenburg beeinflussen zu können. Ein Großteil der Zivilgesellschaft scheint hinter uns zu stehen. Eine breite Allianz, die alle an einem Ziel arbeiten lässt. Wahnsinn!

Alles läuft von allein?

Doch nach  der Euphorie der ersten Wochen tauchen Probleme auf. Das Interesse der NGOs in Griechenland ist rießig, nur wo sollen unsere Lieferungen dort untergebracht werden? Die meisten der kleinen NGOs haben nur sehr begrenzte Lagermöglichkeiten. Und wie gelangen wir schnell an die richtigen Ansprechpartner*innen? Woher bekommen wir einen Truck zu annehmbaren Kosten und wer kann das Fahrzeug fahren? Nicht jeden Tag ist der Ansturm Freiwilliger in der Sortierstrecke groß, obwohl die Medien mittlerweile häufig über uns berichten. An manchen Tagen sind wir zehn Personen, an anderen nur zwei. Andreas ist manchmal ganz auf sich allein gestellt.

Dann startet endlich der erste Truck Richtung Lesbos. Die Annahme, wir würden nicht mal einen Truck voll bekommen, war komplett falsch. Uns ist klar: es werden sogar mehrere! Die Koordination und das finale Verschicken des Trucks übernehmen unsere Regensburger Freunde. Schon bald fragt die Presse, was mit dem ersten Truck passiert ist und uns wird klar, dass wir unsere sortierten Kleidungssäcke mit „Berlin“ und „Brandenburg“ markieren müssen, damit wir die Herkunft der transportierten Sachspenden zu 100 % nachvollziehen können.

Der zweite Truck soll direkt von Berlin und Brandenburg starten. Die Regensburger von Space-Eye haben mittlerweile schon  einige Inseln beliefert: Die NGOs auf Kos und Samos nehmen nichts mehr an. Aber die Not auf dem Festland ist genauso groß, seitdem Geflüchtete von den Inseln aufs Festland gebracht werden. Ein Hotspot scheint Thessaloniki zu sein [12], auch wegen der Grenznähe. Es ist grauenvoll: Menschen hängen sich unter Lebensgefahr an Trucks oder Eisenbahnen, die von der Türkei nach Griechenland fahren, um ihrer Perspektivlosigkeit zu entfliehen, oder werden von den Behörden  auf das Festland in genauso schlimme Camps geschafft.

Den entscheidenden Anruf erhalte ich an einem  Sonntag. Ich laufe gerade mit Miriam und unserem kleinen Hund unseren gewohnten Gang über die Felder nahe unseres brandenburgischen Fachwerkhauses, als mein Handy wiedermal eine WhatsApp Nachricht signalisiert. Es ist  Rose Hansen aus Thessaloniki: „Alles klar. Ihr könnt kommen. Wir freuen uns!“, schreibt sie. Miriam und ich liegen uns in den Armen, ich rufe sofort Andreas an, der vor Freude aufschreit und gerade mit dem Lkw unterwegs ist. Unser kleiner Hund bellt. Irgendwas ist los…

Thessaloniki

Es ist der 22. Januar 2020. Nach einem chaotischen Morgen mit Stromausfall und Handyversagen, erreiche ich endlich Thessaloniki. Ich werde von Bobby, dem Lagerhaus-Manager von der Bushaltestelle abgeholt. Er zeigt mir den Platz, den er für unsere Lieferung frei geräumt hat. „Glaubst Du, daß das reicht?“ Ich schüttele den Kopf. „Wir brauchen mindestens doppelt so viel Platz!“. Wir fahren zum Treffpunkt für den Truck und warten vergeblich. Ist alles gut gegangen, stimmt die Adresse? Ich rufe die Spedition an. Verspätung wegen Verkehrskontrollen,  90 min, dann sollen sie endlich da sein.

90 min später. Wieder warten. Ich halte es nicht mehr aus. Laufe hin und her an der vielbefahrenen Straße. Parallel halte ich  den Rundfunk Berlin-Brandenburg per SMS auf dem Laufenden. Dann ist es 13.30 Uhr. Der Spediteur hat gesagt „100 % – um 13.30 Uhr ist er auf jeden Fall da!“ 15 lange Minuten später hupt es endlich und  riesiger, weißer Truck kommt angefahren. Lachen, heulen – ich könnte die ganze Welt umarmen.

„Wenn Du Dich auf dem Weg nach Europa machst, spielst Du mit Deinem Leben. Nur oftmals haben wir keine Alternative.“

Dann beginnt endlich das Ausladen, wir haben einige Stunden zu tun. Um die Sachspenden unterzubekommen müssen wir noch auf ein zweites Lagerhaus ausweichen. Direkt daneben liegt eins der Camps, Menschen zelten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Doch das ist nur einer der traurigen Eindrücke der noch folgenden Tage. Für einen geflüchteten jungen Mann in Thessaloniki spenden wir bis zu meiner Abreise 300 €, die schnell über Facebook zusammen gesammelt sind und die für eine notwendige Operation noch fehlten. Auf dem Weg nach Norden ist sein bester Freund tödlich verunglückt, er selbst hat eine Platte im Bein, die seit 7 Monaten dringend wieder raus muss. Nur leider fehlte das Geld, er hat keinen Anspruch auf Gesundheitsversorgung. Ich verstehe umso mehr, was mir ein junger Marrokaner auf der Parkplatz bei der ärztlichen Versorgung von Rose‘s Team gesagt hat: „Wenn Du Dich auf dem Weg nach Europa machst, spielst Du mit Deinem Leben. Nur oftmals haben wir keine Alternative.“

Zurück aus Thessaloniki

Ich sitze wieder im Flieger nach Berlin. Mein Kopf ist voll von Eindrücken. Zu Hause in Bad Freienwalde ist heute, am 25. Januar, der letzte Sortiertag. Eine Kraftanstrengung. Miriam und Andreas kämpfen bis zum Umfallen, Helfer*innen aus der Umgebung und Berlin sind dazu gekommen. Noch am Vorabend habe ich in Griechenland versucht, Leute zum Helfen zu mobilisieren, nachdem zwei Tage davor zu wenige zum Sortieren kamen. Um 19.45 Uhr dann endlich die erlösende Nachricht: Alles sortiert! Wir drei brauchen dringend eine Pause. Zwei Trucks werden in den nächsten Tagen noch mit den sortierten Spenden losgeschickt , einer nach Chios, einer nach Lesbos… Mittlerweile sind die Namen dieser Inseln für mich Synonyme für die Vorhölle der Geflüchteten, die nach Europa kommen.

Aber wie geht es weiter? Wir wissen es nicht. Die Aktion hat gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen sich beteiligen können. Und sie hat gezeigt, dass der öffentliche Diskurs auch in Ostdeutschland beeinflussbar ist. Die letzten Wochen fühlen sich an, als wären wir mit 300 km/h ohne Navi auf der Autobahn entlang gebrettert. Und obwohl ich den Spruch nie gemocht habe, ist er doch wahr: Gestartet sind wir zu dritt. Aber heute weiß ich: Wir sind Viele!