Umfrage

Jeder dritte Afrikaner will auswandern – vor allem nach Afrika

Einer aktuellen Umfrage zufolge denkt jeder dritte Afrikaner ans Auswandern. Nicht nach Europa, sondern in ein anderes afrikanisches Land. Ausreisewillig sind vor allem Jüngere und höher Gebildete.

Mehr als jeder dritte Afrikaner denkt ans Auswandern, und zwar vor allem in ein anderes afrikanisches Land. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die gemeinnützige Initiative Afrobarometer kürzlich veröffentlicht hat. Demnach ziehen 37 Prozent aller Befragten eine Auswanderung in Betracht, jeweils gut zur Hälfte „sehr“ oder „in gewissem Maße“ beziehungsweise „ein wenig“.

Unter jungen Afrikanern und höher Gebildeten liegt die Quote höher. 36 Prozent der Ausreisewilligen gaben an, in ein anderes afrikanisches Land ziehen zu wollen. 27 Prozent nannten Europa, 22 Prozent Nordamerika als ihr bevorzugtes Ziel. 63 Prozent aller Befragten erklärten, sie dächten nicht ans Auswandern.

Unter den 18 bis 25-jährigen erwägen 47 Prozent die Migration, während die Quote bei jenen mit Hochschulabschluss oder abgeschlossener Ausbildung bei 51 Prozent liegt. Die Autoren der Studie mahnten die afrikanischen Regierungen, mehr Arbeitsmöglichkeiten in ihren Ländern zu schaffen. Andernfalls drohten gerade die am besten ausgebildeten Nachwuchskräfte abzuwandern.

Abhängig vom Ausland

Wie abhängig die Bevölkerung in vielen Ländern von Überweisungen aus dem Ausland ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der repräsentativen Umfrage, die zwischen 2016 und 2018 erstellt wurde. Demnach erklärte jeder vierte Befragte, mindestens ein Familienmitglied im Ausland zu haben. Mehr als jeder Fünfte ist nach eigener Aussage mehr oder weniger auf Geld dieser Familienmitglieder angewiesen. In manchen Ländern liegt die Zahl der im Ausland arbeitenden deutlich höher. So haben in Niger zwei von fünf Befragten Verwandte im Ausland.

Afrobarometer ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss sozialwissenschaftlicher Initiativen und Universitäts-Institute. Für die siebte Studie dieser Art seit 1999 wurden Afrobarometer zufolge 45.823 persönliche Interviews geführt, die 80 Prozent der afrikanischen Bevölkerung repräsentieren sollen. Finanziert wird die Initiative von Stiftungen, Entwicklungshilfeagenturen und nichtstaatlichen Organisationen wie Transparency International. (epd/mig)