Kritik hält an

Tag der offenen Moschee im Zeichen des Erdoğan-Besuchs

Integration, Transparenz und ein gutes Miteinander: Dafür soll der Tag der offenen Moschee eigentlich stehen. Doch in diesem Jahr wird er überschattet von der umstrittenen Eröffnung der Kölner Ditib-Moschee mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan.

Begleitet von weiterer Kritik am türkisch-islamischen Verband Ditib haben am Mittwoch rund Tausend Moscheen in ganz Deutschland [1] ihre Türen für Besucher geöffnet. Die Veranstaltungen mit Begegnung, Austausch und gegenseitigem Kennenlernen standen unter dem Motto „Religiosität – individuell, natürlich, normal“ [2]. Bei der zentralen Auftaktveranstaltung in Köln forderte der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland müsse mehr mit Leben gefüllt werden. Kritische Töne schlugen auch der Landesintegrationsrat an.

Vier Tage nach der Eröffnung des Ditib-Zentralmoschee in Köln mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisierte Stamp in dem Gotteshaus die Feierstunde, an der kein deutscher Politiker teilgenommen hatte. Er hätte sich gewünscht, dass die Einweihung ein Symbol für einen deutschen Islam werden würde, sagte der stellvertretende NRW-Ministerpräsident. „Die Eröffnung durch den türkischen Präsidenten hat ein anderes Symbol gesetzt. Das hat viele Menschen enttäuscht und auch verletzt.“

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Stamp forderte „klare Antworten und eine klare Ansage, wie es weitergehen soll“. Der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ müsse mit Leben gefüllt werden. Die Landesregierung werde künftig stärker auf liberalere muslimische Gemeinden als auf die Verbände setzen. Er beobachte eine wachsende Unzufriedenheit von Gemeinden bis hin zu Überlegungen, die Türkisch-Islamische Union (Ditib) zu verlassen. Um die Vielfalt des Islam zu betonen, besuchte der Minister im Anschluss eine bosnisch-muslimische Gemeinde.

Ditib: Vorsitzender räumt Fehler ein

Die Ditib ist der größte Moscheeverband in Deutschland und eng mit dem türkischen Staat verbunden. Der Kölner Vorsitzende Nevzar Yasar Aşıkoğlu räumte Fehler und Unzulänglichkeiten bei der offiziellen Einweihung der Zentralmoschee ein und bedauerte die entstandenen Irritationen. „Wir werden es in unseren Dialog mit aufnehmen“, kündigte Aşıkoğlu an. „Wir schauen jetzt in eine Zukunft mit einem besseren Miteinander.“

Der Vorsitzende des Integrationsrates NRW [5], Tayfun Keltek, warf der Ditib vor, sie habe mit der Art der Moschee-Eröffnung für „Verwirrung und Unfrieden“ gesorgt und es verpasst, ein Zeichen der Zugehörigkeit der Muslime zu Deutschland zu senden. „Der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe, als Türöffner und Integrationsbegleiter zu wirken, ist die Ditib offensichtlich nicht gewachsen.“ Islamische Vereine müssten erkennen, dass sie Verantwortung in Deutschland hätten, betonte Keltek. An die Politik appellierte er, Migranten das Gefühl zu geben, „dass sie und ihre Religionen zu Deutschland gehören“.

Verbundenheit der Muslime mit Deutschland

Der Tag der offenen Moschee wird seit 1997 begangen. Als Datum hatten die Islamverbände den Tag der Deutschen Einheit ausgewählt, um die Verbundenheit der Muslime mit Deutschland zu betonen.

Am Mittwoch übernahm turnusgemäß Erol Pürlü vom Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) das Amt des Sprechers des Koordinationsrates, in dem sich die vier großen muslimischen Dachverbände VIKZ, Ditib, Zentralrat und Islamrat zusammengeschlossen haben. Die Verbände stellen reihum jeweils für ein halbes Jahr den Sprecher. Der 1969 geborene muslimische Theologe Pürlü folgt auf Burhan Kesici vom Islamrat. Er übernimmt den Posten bereits zum sechsten Mal. (epd/mig)