Nebenan

Bomben, Blut und Boden

Die Heuchelei, die unsere Leben bestimmt, der perverse Dreck, der unsere Zeitungen verstopft – selten gehen Sie eine so enge Verbindung ein, wie dieser Tage. Von Sven Bensmann

Da ist zum einen das völkerrechtliche Kriegsverbrechen der Luftschläge in Syrien durch die Westmächte. Nicht, dass auch nur einer der militärischen oder politischen Führer sich je dafür in Den Haag wird rechtfertigen müssen, denn immerhin sind wir ja die Guten. Aber beim Völkerrecht und den Vereinten Nationen geht es ja auch nicht um Völkerrecht oder um vereinte Nationen: Es geht um ein einen Ort, an dem man unangenehm gewordene Personen beschuldigen kann – und natürlich, wo man Resolutionen gegen Russland und Israel verabschiedet.

Zum anderen ist da das schmierigste Stück Gesichtswurst, das Bayern je hervorgebracht hat. Rechtsausleger Söder kam nämlich kürzlich, inmitten der Nachrichten von Nazis, die ihre Hunde auf Eritreer hetzten [1] und den antisemitischen Ausfällen in Berlin [2] und beim Echo, auf die Idee, dass man Migranten doch unbedingt die deutschen Werte nahebringen [3] müsse – und dass man sie dazu aus dem richtigen Unterricht nehmen müsste.

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Letzteres mag nur ein Wink an die rotweintrinkenden Inzestphilologen von der Gesellschaft für deutsche Sprache sein: Will man Menschen ein gutes und reines Deutsch lehren, so wie es der Kaiser dereinst vorgesehen hatte, dann ist eine Klasse voller deutscher Schüler sicher der letzte Ort, an den man gehen sollte; aber Söder geht es ja offensichtlich bei seinem neuen Deutschunterricht nicht um die deutsche Sprache, sondern um Werte.

Welche Werte das genau sind, bleibt bei Söder natürlich unklar, um nicht per Definition bereits halb Deutschland von seinen deutschen Werten auszuschließend – aber wie so häufig wird Söder natürlich sowas wie Integration und Toleranz vorschieben, wobei natürlich die klassischen christsozialen Vorstellungen von Integration und Toleranz gemeint sind: Migranten durch Absondern und Separieren von der Gesellschaft in diese zu integrieren und ihnen klarzumachen, dass wir deren Way of Life nicht akzeptieren, um denen eine Lektion in Toleranz zu erteilen.

Zudem bei Christen dieser Tage ganz besonders beliebt: Muslime in Sachen Antisemitismus zu belehren – immerhin hat es sowas in Deutschland vor der modernen Immigration aus der arabischen Welt ja nicht gegeben.

Am Ende bleibt von unseren Werten doch genau so viel übrig: Wir können Bomben werfen auf wen wir wollen; und das haben die, die vor unseren Bomben hierher flüchten, gefälligst zu akzeptieren. Mehr nicht.