Hoffnung

Keine Gerechtigkeit, kein Frieden

Die Täter von Paris haben in ihrem Fanatismus jede Menschlichkeit verloren. Befasst man sich jedoch mit den Ursachen für derartigen Hass, kommt man immer wieder zu dem selben Schluss, den man, wie auch alles andere in der heutigen Zeit, global denken muss. Von Emil Minar

Ich habe Hoffnung. Wenige Tage nachdem in Beirut unschuldige Menschen Opfer von Anschlägen geworden sind. Wenige Tage nachdem in Paris unschuldige Menschen Opfer von Anschlägen geworden sind. Ich habe ein gutes Gefühl. Zuerst hatte ich Angst ein großer Teil der Menschen würde wieder blind 1,8 Milliarden Muslime in die Täterrolle drücken. Aber Scharfmacher wie Söder oder Matussek, die wieder Stimmung machen wollten, haben das bekommen, was sie verdienen: kaum Beachtung.

Ich habe das Gefühl, dass viele jetzt noch besser verstehen, wovor die große Mehrheit der Flüchtlinge flieht und merken, dass wir in letzter Konsequenz im selben Boot sitzen. Und auch, dass immer mehr Menschen merken, dass seit 2001, aber auch schon zuvor, viele Großmächte eine Außenpolitik betrieben haben, die nicht Frieden, sondern mehr Gewalt erzeugt. Seit dem völkerrechtswidrigen US Einmarsch im Irak 2003 hat sich die Frequenz islamistisch terroristischer Anschläge um 600% erhöht. [1] Sicher nicht die einzige, aber eine wichtige Ursache für die aktuellen Ereignisse.

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Die Zeit, in der Industriestaaten in der Welt anstellen konnten, was sie wollen, ohne, dass die Bevölkerung etwas von der Gewalt da draußen wirklich mitbekommt, ist vorbei. Und gerade, weil wir schon heute in multikulturellen Gesellschaften leben, werden Vorurteile nicht mehr die Politik bestimmen können. Fast jeder hat Kontakt zu Menschen, die die Stereotype, welche die Scharfmacher über die jeweils andere Gruppe verbreiten wollen, total widerlegen.

Die Welt wird sich aber von Grund auf erneuern müssen. Menschenrechte müssen auch außenpolitisch über nationales Interesse gestellt werden. Waffen dürfen nicht blind an jeden geliefert werden, der gerade zufällig den richtigen Präsidenten stürzen will. Und wo Demokratie entsteht, muss sie bedingungslos und uneigennützig unterstützt und geschützt werden. In der Vergangenheit wurde zu häufig das Gegenteil getan. [2]

Auch die bekanntesten Massenmörder dieses Wochenendes waren Menschen, und Hass hat immer Wurzeln. In ihrem Fanatismus ist jede Menschlichkeit verloren gegangen und ihre Taten stehen für die schlimmste Art, in der Ideologie entarten kann. Das ist verabscheuungswürdig. Wenn man sich jedoch tiefergehend mit den Ursachen für derartigen Hass beschäftigt, kommt man immer wieder zu dem selben Schluss, den man, wie auch alles andere in der heutigen Zeit, global denken muss: no justice no peace.

Die Werte, die wir innerhalb unserer Grenzen bereits sehr weit in die politische und gesellschaftliche Realität einfließen lassen haben, müssen wir endlich auch jenseits unserer Grenzen leben, anderen Ländern Unabhängigkeit und Wohlstand ermöglichen und uns für globale Gerechigkeit stark machen. Und wenn ich das Ausmaß an Reflektion sehe, mit dem viele Menschen aus Politik, Medien und der gesamten Gesellschaft, besonders auch in Deutschland mit diesen Themen umgehen, dann bin ich sogar ein bisschen zuversichtlich, dass sich die Dinge in dieser Welt noch ändern können.